Digital
Wikileaks

Gericht beschliesst Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange

epa09784411 People protest in front of the US Embassy calling for the freedom of Wikileaks founder Julian Assange, in Brasilia, Brazil, 25 February 2022. The protest forms part of the International Da ...
Protest vor der US-Botschaft in Brasilia: Die 2006 gegründete Enthüllungsplattform Wikileaks hat weltweit Unterstützerinnen und Unterstützer.archivBild: keystone

Gericht beschliesst Auslieferung: Nun wirds eng für Wikileaks-Gründer Julian Assange

Die US-Justiz will dem 50-Jährigen wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen.
20.04.2022, 13:0020.04.2022, 14:16
Mehr «Digital»

Im juristischen Tauziehen um die Auslieferung von Julian Assange an die USA ist die Überstellung des Wikileaks-Gründers in die Vereinigten Staaten einen Schritt näher gerückt.

Der Westminster Magistrates Court erliess am Mittwoch in London den formellen Auslieferungsbeschluss. Dieser geht nun zur endgültigen Entscheidung an die britische Innenministerin Priti Patel. Assanges Anwälte haben jedoch eine Frist von vier Wochen, um weitere Einspruchsgründe vorzubringen. Auch ein weiterer Gang vor Gericht ist nicht ausgeschlossen.

Bis zu 175 Jahre Gefängnis

Die US-Justiz will dem 50-Jährigen wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dort drohen ihm bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Vorgeworfen wird ihm, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben.

Seine Unterstützer sehen in ihm dagegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat und an dem nun ein Exempel statuiert werden soll.

Zweijähriger Rechtsstreit

Seit rund zwei Jahren läuft der Rechtsstreit um eine mögliche Auslieferung an die USA. Der High Court hatte grünes Licht dafür gegeben. Eine Berufung dagegen wies das oberste britische Gericht, der Supreme Court, als unzulässig ab.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte die Freilassung des Wikileaks-Gründers. «Wir rufen die Innenministerin auf, im Einklang mit Grossbritanniens Verpflichtung zur Verteidigung der Pressefreiheit zu handeln und die Auslieferung abzulehnen», sagte die Londoner Vertreterin der Organisation, Rebecca Vincent, der Nachrichtenagentur DPA.

Der seit mehr als drei Jahren inhaftierte Assange müsse unverzüglich aus dem Gefängnis entlassen werden. Aufs Neue sei der Fall des 50-Jährigen eine politische Entscheidung geworden.

(dsc/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Sieben Jahre in der Botschaft: Der Fall Julian Assange
1 / 15
Sieben Jahre in der Botschaft: Der Fall Julian Assange
Sommer 2010: Von Juli bis Oktober veröffentlicht die Enthüllungsplattform Wikileaks rund 470'000 als geheim eingestufte Dokumente, die mit diplomatischen Aktivitäten der USA und mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak zu tun haben. Weitere 250'000 Dokumente kommen später hinzu.
quelle: shutterstock.com
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Julian Assange in der Botschaft Ecuadors festgenommen
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ogden
20.04.2022 19:27registriert Februar 2020
Vor rund 2 Wochen zeigten die Medien Bilder der Gräueltaten in Butscha. Die schonungslose Berichterstattung erhielt viel Zuspruch.
Wikileaks deckte die Kriegsverbrechen im Irak auf. Assange wird Spionage vorgeworfen.
Diese Diskrepanz ist an Zynismus kaum zu überbieten.
323
Melden
Zum Kommentar
avatar
Cpt. Jeppesen
20.04.2022 21:39registriert Juni 2018
Jetzt wo die ganze Welt gebannt auf die Ukraine starrt, nutzt Grossbritannien die Gelegenheit sich bei den USA einzuschleimen.
Dabei geht es schon lange nicht mehr darum Recht zu sprechen, es geht nur noch darum recht zu haben. Düstere Zeiten werden auf Journalisten zukommen, wenn das Schule macht.
Der "Dieb" wurde längst verurteilt und zwischenzeitlich begnadigt. Jetzt will man am Überbringer der Nachricht ein Exempel statuieren, um allen Journalisten zu zeigen wo die "rote Linie" ist, notabene in dem Land, welches die Meinungsfreiheit über alles stellt.
Ich verstehe es nicht...
244
Melden
Zum Kommentar
6
Apple öffnet iPhone-Bezahlsystem in Europa – Schweiz bleibt aussen vor
Auf Druck der EU erlaubt Apple Konkurrenten künftig den Zugriff auf seine Technologie zum kontaktlosen Bezahlen per NFC-Chip. Damit wendet der US-Konzern eine drohende milliardenschwere Strafe ab.

Apple öffnet den Zugang zum einfachen kontaktlosen Bezahlen mit dem iPhone für Dritt-Anbieter. Damit kommt der US-Konzern Forderungen der EU-Kommission nach und entgeht so teuren Konsequenzen.

Zur Story