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Der Chip-Mangel dürfte bis Mitte 2023 anhalten. Betroffen ist auch die Auto-Branche.
Der Chip-Mangel dürfte bis Mitte 2023 anhalten. Betroffen ist auch die Auto-Branche.
Bild: sda

Chip-Mangel plagt Autobranche weltweit – Hersteller drosseln Produktion

19.08.2021, 16:47

Der Engpass bei Halbleitern führt jetzt auch beim Branchenprimus Toyota zum Einbruch der Autoproduktion. Die Nachrichten drückten die Papiere des japanischen Konzerns um mehr als vier Prozent ins Minus und schickten Autoaktien auch in Europa auf Talfahrt.

Im September werde Toyota weltweit rund 40 Prozent weniger Autos produzieren als ursprünglich geplant, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Davon seien 14 Fabriken betroffen und damit mehr als bisher. Auf einen Schlag verzögert sich die Fertigung von rund 360'000 Neuwagen.

Der weltweit grösste Autobauer war bisher dank Vorratshaltung besser als andere durch die Chip-Krise gekommen, hatte aber bereits davor gewarnt, dass die Engpässe anhielten. Die Absatzprognose von 8.7 Millionen Fahrzeugen 2021 hatte Toyota kürzlich bekräftigt.

Deutsche Autoproduktion getroffen - Corona-Ausbrüche

Auch bei deutschen Autobauern stockt die Fertigung. Denn Corona-Ausbrüche in Südostasien, etwa in Malaysia, führten zu Fabrikschliessungen bei den Chip-Herstellern. So könne das VW-Stammwerk Wolfsburg nach der Sommerpause in der kommenden Woche nur eingeschränkt wieder starten, sagte ein VW-Sprecher. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht produziert. «Die anhaltend eingeschränkte Liefersituation bei Halbleitern sorgt weiter herstellerübergreifend für erhebliche Störungen in der weltweiten Fahrzeug-Produktion.»

Der Konzern gehe davon aus, dass die Versorgung im dritten Quartal angespannt bleibe. Daher seien weitere Produktionsanpassungen nicht auszuschliessen. Bis Jahresende soll sich die Lage bessern, sodass der Produktionsrückstand im zweiten Halbjahr möglichst aufgeholt werde. Der Wolfsburger Mehr-Markenkonzern hatte wegen des Chipmangels im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht produzieren können.

Bei Audi stehen die Bänder in Deutschland auch in der kommenden Woche noch still, erklärte eine Sprecherin. Eigentlich hätten einige Linien anlaufen sollen. Audi hat bereits angekündigt, nicht alle Ausfälle bis Jahresende aufholen zu können. Mercedes-Benz drosselt nach Medienberichten die Produktion in dieser Woche in den Werken Bremen, Rastatt und Sindelfingen.

Bei BMW dagegen soll es einem Sprecher zufolge nach den Sommerferien planmässig wieder losgehen, nachdem die Münchner zuvor die Fertigung vergleichsweise wenig einschränken mussten. Der Autozulieferer Hella rechnet mit einer längeren Chip-Krise. «Wir werden noch über das komplette Geschäftsjahr hinweg damit zu tun haben», sagte Hella-Chef Rolf Breidenbach. Überwunden haben werde man den Engpass wohl erst Mitte 2023.

Trotzdem höhere Gewinne erwartet

Trotz der Produktionsprobleme erwarten die Autokonzerne 2021 steigende Gewinne. Denn die Nachfrage hat sich vom Corona-Schock des vergangenen Jahres erholt, so dass die Hersteller höhere Preise durchsetzen können. Sie konzentrieren sich wegen des Chipmangels auf margenstarke, grosse Fahrzeuge und drosseln die Produktion von Kompaktwagen. Daimler prognostiziert Umsatz und operatives Ergebnis deutlich über dem Vorjahr.

Die Pkw- und Van-Sparte Mercedes-Benz will trotz stagnierenden Absatzes eine rekordhohe bereinigte Umsatzrendite von zehn bis zwölf Prozent einfahren. Volkswagen will bei deutlicher Umsatzsteigerung konzernweit operativ zwischen 6.0 und 7.5 Prozent vom Umsatz verdienen. BMW rechnete zuletzt mit einer positiven Geschäftsentwicklung und erhöhte das Renditeziel für Pkw um einen Prozentpunkt auf sieben bis neun Prozent. (sda/awp/reu)

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