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Ein Schnappschuss aus glücklichen Zeiten: 1994 heiratete Bill Gates Melinda French. 27 Jahre später gab das Paar die Scheidung bekannt. Muss uns das interessieren?
Ein Schnappschuss aus glücklichen Zeiten: 1994 heiratete Bill Gates Melinda French. 27 Jahre später gab das Paar die Scheidung bekannt. Muss uns das interessieren? archivBild: keystone
Kommentar

Der tiefe Fall des Bill Gates – und warum das die Welt beschäftigen sollte

Der Computernerd wandelte sein Image vom gnadenlosen Tech-Konzernführer zum milliardenschweren Senioren-Wohltäter. Dann erwischte ausgerechnet ihn eine Krise, vor der er selbst während Jahren gewarnt hatte.
26.05.2021, 09:2027.05.2021, 11:42

William «Bill» Henry Gates III.

Was ist nur mit dem wohltätigen Multimilliardär los?

Die NZZ-Korrespondentin Marie-Astrid Langer kommentierte kürzlich aus San Francisco:

«Gates verliert zurzeit nicht nur seine Ehefrau, sondern auch das Saubermann-Image, das er seit der Jahrtausendwende mit ihrer Hilfe sorgfältig wie ein Kartenhaus aufgebaut hatte. Dies wieder zu ändern, könnte eines Geniestreichs bedürfen.»

Der Artikel trägt die Überschrift:

«Vom Gutmenschen zum Weiberhelden»
quelle: nzz.ch

Vor wenigen Jahren hatte es noch ganz anders getönt:

«Vom Computerpionier zum Multimilliardär und Wohltäter»
Die NZZ über Bill Gates. 2017

Doch nun ist der Microsoft-Gründer nicht nur beim rechtskonservativen Schweizer Meinungsblatt unten durch. Die US-Medien warten seit Bekanntgabe der Scheidung mit immer neuen Enthüllungen rund um das Promi-Paar auf.

Gates habe es genossen, in Jeffrey Epsteins Villa in Manhattan Hof zu halten, heisst es. Dort suchte er angeblich Zuflucht vor seiner Ehe. Und er habe es geliebt, im Kreise hochkarätiger Dinner-Gäste des verurteilten Sexualstraftäters über Philanthropie und andere weltliche Themen zu plaudern. Hoffte er gar, den begehrten Friedensnobelpreis abzustauben?

Der Lack ist ab

«Unheilbar zerrüttet» sei die Ehe. So steht es im offiziellen Scheidungsantrag, datiert auf den 3. Mai 2021.

Natürlich kann man sich für die privaten, mehr oder weniger unappetitlichen Details des Scheidungskrieges interessieren, der abseits der Mikrofone läuft. Muss man aber nicht.

Und wie schon immer teilen sich die (im Web geäusserten) Meinungen über den Microsoft-Gründer in zwei Lager. Es gibt die Gates-Kritiker und die Gates-Verteidiger.

Ich zähle mich seit mittlerweile drei Jahrzehnten zu den Gates-Kritikern. Das hat nichts mit seinem Liebesleben zu tun, sondern mit seinem Einfluss aufs Weltgeschehen.

Gates wurde steinreich, weil Microsoft als Quasi-Monopolist viele Konkurrenten kaputt machen konnte. Dann setzte er sich beim Windows-Konzern zur Ruhe – und inszenierte sich geschickt als milliardenschwerer Wohltäter.

Aber hat sich der bald 65-jährige Computernerd tatsächlich vom gnadenlosen Unternehmer zum milde gestimmten Tech-Opa und Superreichen mit Herz gewandelt?

Der deutsche Journalist Bernd Dörries bringt es meiner Meinung nach perfekt auf den Punkt:

«Es liegt eine bittere Ironie darin, dass der ärmste Teil der Welt auf jene Handvoll Superreiche angewiesen ist, die auch deshalb so reich sind, weil sie den Einfluss haben, die Regeln und Steuersätze zu ihren Gunsten zu verändern.»

Bill Gates habe zusammen mit seiner Frau (und ihrer gemeinsamen Stiftung) in Afrika viel Gutes bewirkt – aber die globale Ungleichheit habe er nie infrage gestellt, konstatiert Dörries. Das rächte sich nun in der Corona-Pandemie. Obwohl sich mehr als 100 Länder von Südafrika bis Indien für die Aufhebung des Patentschutzes auf Impfstoffe aussprachen, hätten sich die Gates lange Zeit dagegen gesträubt.

«Warum gibt es in Afrika keine einzige Fabrik, die die Impfstoffe selbst herstellen kann, die Gates verteilen lässt? Wegen der Unfähigkeit vieler Regierungen, ja. Es liegt aber auch daran, dass Gates und andere Helfer nie grundsätzlich das globale Ungleichgewicht infrage stellen – die ungerechten Handelsbedingungen für arme Länder, die Überschwemmung mit Billigprodukten, die Ausbeutung der Rohstoffe.»
Bernd Dörries, «Süddeutsche Zeitung»

Gates gab zwar viele Milliarden Dollar aus im Kampf gegen das neue Coronavirus. Er verhindert aber seit Beginn auch andere Ansätze. So wie er schon als Microsoft-Chef gegen den Open-Source-Ansatz war, so versuchte der Ultrareiche auch in der Seuchenbekämpfung zu verhindern, dass sein Einfluss abnimmt. Gates behauptete, forschende Pharma-Unternehmen bräuchten die Gewinne als Anreiz. Dies, obwohl wir wissen, dass die Erforschung diverser heute unverzichtbarer Impfstoffe mithilfe von Steuergeldern finanziert wurde.

Immerhin signalisierte die Stiftung von Bill Gates und Melinda French Gates inzwischen, man sei doch einverstanden mit einer zeitweisen Aufhebung des Patentschutzes.

Doch die wichtigste Botschaft, die auch alle Gates-Verteidiger verstehen sollten, ist klar: Ein Multimilliardär kann noch so milde lächeln und sich als Wohltäter gebären, letztendlich liegt es an uns, seinen Einfluss auf die Gesellschaft mit demokratischen Mitteln zu begrenzen. Sprich: Wir müssen die Super- und Ultrareichen endlich stärker besteuern. Sonst werden die negativen Folgen für Demokratie und Steuergerechtigkeit anhalten. Ob verheiratet oder geschieden.

Quellen

Apropos Gates-Stiftung:

Danke für den Hinweis, watson-User Satan!Video: YouTube/ZDF Comedy
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161 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gurgelhals
26.05.2021 09:38registriert Mai 2015
Es ist halt der alte Trick, den man bereits von all den sog. "Robber Barons" aus der Stahl-, Öl- und Eisenbahnindustrie um 1900 kennt: Man schafft sich mit gezielter Philanthropie in der (Medien-)Öffentlichkeit genug Goodwill, um so Forderungen nach höherer Besteuerung zuvor zu kommen. Unterm Strich kommt das für die nämlich garantiert günstiger, nicht zuletzt weil man sich damit ja auch soziales Kapital erwirtschaftet. Jeff Bezos tickt diesbezüglich auch ganz ähnlich.

PS: Die NZZ nebenbei ganz routiniert als "rechtskonservatives Meinungsblatt" bezeichnen. Top! 😎
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She/He/It who gives a sh*t
26.05.2021 09:48registriert April 2020
"Doch nun ist der Microsoft-Gründer nicht nur beim rechtskonservativen Schweizer Meinungsblatt unten durch."

Hat Daniel Schurter hiermit die NZZ gemeint? Möchte nur kurz nachfragen, damit ich den Kaffee nicht zu früh über den Bildschirm versprühe...
Falls JA, würde mich Daniel Schurters Meinung zu den restlichen Outlets, incl. Watson interessieren 🤓
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Bruno Meier (1)
26.05.2021 09:52registriert Juni 2018
Der Artikel greift viel zu kurz. Natürlich ist es sehr einfach mit dem Finger auf die Superreichen zu zeigen und da über 99% davon nicht betroffen sind, ist die Zustimmung sicher enorm hoch.
Wir haben aber z.B. im Westen noch ein ganz anderes Problem: Studierte und "nicht Studierte" oder Handwerker und "Nicht Handwerker". Beispiel: mit welcher Begründung verdient ein IT-Spezialist deutlich mehr, als jener, welcher das "designte Teil" herstellt, zusammenschweisst oder flammrichtet. Jener, der zeichnet, könnte es gar nicht herstellen, da ihm die Fähigkeiten fehlen, wird aber nicht infrage gestellt.
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