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The moon rises behind a mobile radio mast in Wachenbuchen near Frankfurt, Germany, Tuesday, March 19, 2019.  Germany began auctioning frequencies for the future super-fast 5G network on Tuesday, amid frustration over conditions imposed by authorities and questions over whether China's Huawei can supply equipment. (AP Photo/Michael Probst)

Die USA warnen vor SicherheitslĂŒcken im 5G-Netz von Huawei – die EU will selbst HintertĂŒren offen lassen. đŸ€” Bild: AP/AP

Analyse

Game of Phones – darum ist Trumps Huawei-Bann willkĂŒrlich und heuchlerisch

EU-Strafverfolger fĂŒrchten sich nicht vor angeblich unsicheren 5G-Netzen von Huawei. Im Gegenteil: Ihnen gehen die hohen Sicherheitsstandards bei 5G gegen den Strich. Sie fordern daher HintertĂŒren fĂŒr Geheimdienste und Polizei.



Noch nie war der Handelskrieg zwischen den USA und China so sichtbar wie heute: Donald Trump hat Google und andere Grössen der US-Techindustrie dazu verdonnert, die GeschĂ€ftsbeziehungen mit Huawei (ausgesprochen «Wah-wei») zu sistieren. Der rasant wachsende chinesische Anbieter von Smartphones, Rechenzentren und vor allem 5G-Antennen, soll so zurĂŒckgebunden werden.

Im schlimmsten Fall steht Huawei bald ohne Google-Apps fĂŒr seine Smartphones und ohne Chips fĂŒr seine 5G-Antennen da. Beides kommt aus den USA.

Legitimiert wird die drastische Massnahme mit der angeblichen GefĂ€hrdung der inneren Sicherheit. Die USA, die 2013 dank NSA-Whistleblower Edward Snowden selbst der weltweiten InternetĂŒberwachung mithilfe von US-Konzernen wie Apple, Google und Microsoft ĂŒberfĂŒhrt wurden, bezeichnen Huawei als Spionagetool der chinesischen Regierung – ohne dafĂŒr Beweise vorzulegen.

EU pocht auf HintertĂŒren in 5G-Netzen

Auch in Europa gibt es warnende Stimmen, die Huawei als Sicherheitsrisiko sehen. Es stimmt natĂŒrlich. Sogenannte Backdoors (HintertĂŒren fĂŒr Geheimdienste und Strafverfolger) in der 5G-Technologie der Chinesen können nicht ausgeschlossen werden – auch wenn sie bislang nie bekannt wurden. FĂŒr staatliche Überwachung braucht es aber weder die USA noch China. Die EU selbst will beim 5G-Netz fleissig mithorchen. Dies zeigen vom ORF enthĂŒllte Dokumente des EU-Ministerrats.

Der EU-Anti-Terror-Koordinator Gilles de Kerchove fĂŒrchtet sich demnach nicht vor Huawei, sondern vor der höheren Netzwerksicherheit des 5G-Standards. Die 5G-Technologie sichert die DatenĂŒbertragung weit besser gegen Kriminelle ab, als dies bei den bisherigen Mobilfunknetzen der Fall ist. Gleichzeitig erschwert das neue 5G-Netz auch Geheimdiensten und Strafverfolgern das Abhören und Sammeln von Daten.

Die Mobilfunkanbieter in der EU sollen daher gezwungen werden, «den technischen Aufbau ihrer 5G-Netze entlang der ÜberwachungsabedĂŒrfnisse der Polizeibehörden auszurichten», berichtet der ORF. Dem österreichischen Rundfunk liegt ein Dokument des EU-Ministerrats vom 6. Mai vor, das an die Sicherheitsbehörden der einzelnen Mitgliedsstaaten ging.

Im Klartext fordert der EU-Anti-Terror-Koordinator, dass die Mobilfunkanbieter im 5G-Netz eine HintertĂŒr bzw. SicherheitslĂŒcke fĂŒr die Strafverfolger offen lassen. Begleitet wird das Schreiben von der Warnungen, andernfalls wĂŒrden die Polizeibehörden blind.

Kerchove fordert, «dass nur solche 5G-Provider national zugelassen werden sollen, die in der Lage sind, ein vollstĂ€ndige und unverschlĂŒsselte Kopie der gesamten Kommunikation samt Metadaten bei den Behörden abzuliefern», zitiert der ORF aus dem EU-Dokument. Darin heisst es weiter: «Eine Grundbedingung fĂŒr 5G-Anbieter (...) mĂŒsste sein, dass sie Anforderungen der Strafverfolger erfĂŒllen können, sogar wenn sie dafĂŒr ihre Partnerfirmen im Ausland heranziehen mĂŒssen.» EuropĂ€ische Mobilfunkfirmen sollen also beispielsweise bei Huawei anklopfen, um den Behörden die gewĂŒnschten Informationen liefern zu können.

Auch die Überwachung per IMSI-Catcher, gemeint sind mobile ÜberwachungsgerĂ€te, die der Polizei die Überwachung von Smartphones in der NĂ€he erlauben, sollen dank HintertĂŒren im 5G-Netz weiterhin möglich bleiben.

Aus Sicht der Polizei sind diese Forderungen verstÀndlich. Die EU torpediert so aber den eigentlich höheren Sicherheitsstandard beim 5G-Netz gleich selbst.

USA vs. Huawei: Es geht um mehr als 5G oder Smartphones

Die USA warnen europĂ€ische Staaten ausdrĂŒcklich davor, ihre 5G-Netzinfrastruktur von Huawei zu beziehen und drohen zugleich, sollten sich befreundete Staaten erdreisten, doch mit den Chinesen zu kooperieren. Europa und die Schweiz sitzen in der ZwickmĂŒhle: Man will es weder mit den USA noch China – den beiden zentralen Handelspartnern – verscherzen.

UmsÀtze und Gewinne von Huawei in Milliarden Yuan

Bild

1 Yuan entspricht rund 0.15 Franken. Rund die HĂ€lfte des Umsatzes wird mit Mobifunk-Technologie erzielt. grafik: spiegel online / quelle: huawei

Huawei selbst bestreitet jede Art von Spionage fĂŒr Peking, macht aber keinen Hehl daraus, Kontakte zur chinesischen Regierung zu pflegen – wie es fĂŒr chinesische Konzerne ĂŒblich ist. Nach eigenen Angaben erhielt Huawei zudem gĂŒnstige staatliche Kredite von mindestens 30 Milliarden Franken. Die USA sehen darin eine unerlaubte Wettbewerbsverzerrung. Sie gehen auch nicht erst seit heute gegen chinesische Techriesen wie Huawei und ZTE vor.

Wir erinnern uns: Huaweis Smartphones sind bereits Anfang 2018 auf Geheiss der US-Regierung aus den Verkaufsregalen der US-Mobilfunkanbieter verschwunden – wegen angeblicher Sicherheitsbedenken. In den USA spielen Smartphones von Huawei deshalb so gut wie keine Rolle mehr. Warum hingegen Lenovo, ein weiterer chinesischer Techriese, mit seinen Smartphones und Laptops keine Gefahr fĂŒr die innere Sicherheit der USA darstellt, bleibt vorerst Trumps Geheimnis.

Die USA haben keinerlei Beweise dafĂŒr, dass Huawei-GerĂ€te ein grösseres Sicherheitsrisiko darstellen als irgendeine andere Android-Marke. Trumps Huawei-Bann ist willkĂŒrlich und heuchlerisch.

Vieles spricht also dafĂŒr, dass nach ZTE nun an Huawei ein Exempel statuiert werden soll. Die USA haben so bei den Verhandlungen mit China ein Ass im Ärmel. Lenken die Chinesen in einem zentralen Punkt ein, lassen die USA Huawei vermutlich vom Haken, so wie bereits ZTE von Trump begnadigt worden ist. Wenn nicht, sieht die Zukunft nicht nur fĂŒr Huawei dĂŒster aus: Zwar kann China nicht ohne US-Chips produzieren. Aber die USA (und Europa) können auch nicht ohne China.

Verwendete Quelle:

Besser als iPhone X und Galaxy S9? Das taugt Huaweis P20 Pro

Huaweis Falt-Smartphone Mate X kostet 2500 Franken

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bebby 22.05.2019 06:28
    Highlight Highlight Das Ganze hat mir bewusst gemacht, wie sehr ich von Google abhÀngig bin. Es ist an der Zeit, sich nach einer lokalen Alternative umzusehen. Ideen?
  • Zyniker haben es leichter 21.05.2019 20:17
    Highlight Highlight Pfft, das GeplĂ€nkel zwischen China und den USA... ich will einen vollstĂ€ndigen Artikel zu der EU-"Terror Abwehr" und will wissen ob die Waffengegner fĂŒr diese totale Überwachung sind oder ob "Sicherheit" und Co. plötzlich ungĂŒltige Argumente sind, sobald man selbst betroffen ist.
    Und der Huawei-Bann ist nicht heuchlerisch, sondern strategisch, scheint auch zu funktionieren.
  • EinePrieseR 21.05.2019 19:35
    Highlight Highlight China tritt den freien Handel seit jeher mit FĂŒssen. Amerikanische und andere Firmen mĂŒssen sich dem Diktat der chinesen und deren Überwachungsstaat beugen. Ich habe mich schon lange gefragt warum sich der Westen das gefallen lĂ€sst..
  • Avenarius 21.05.2019 11:55
    Highlight Highlight Die crazy Amis spielen Solitaire, die Chinesen elegant Schach ! Wer war schon mal auf der Chinesischen Mauer und auf der Stute of Liberty? China: ruhig, imposant und weitlÀufig. USA: Laut, hektisch und verbaut.
    I love the Chinese !
    • Dageka 21.05.2019 17:16
      Highlight Highlight Ich war auf keinem der beiden, aber der Vergleich hinkt. Das eine war fĂŒr die Verteidigung gegen die Mongolen gedacht, das andere war ein Geschenk der Franzosen.

      Schön erhalten die Amis Konkurrenz, aber ein freiheitverachtendes Land wie China zu lieben wĂŒrde fĂŒr mich aber zu weit gehen.
  • Im Diskurs Versunken 21.05.2019 10:24
    Highlight Highlight Zehn Punkte fĂŒr den Titel 👌
  • Ich_bin_ich 21.05.2019 09:00
    Highlight Highlight Irgendwie befremdlich, wenn europÀische Journalisten mit abstrusen Argumenten, die Vorherrschaft Chinas herbei schreiben wollen.
    • Astrogator 21.05.2019 10:21
      Highlight Highlight Die wird nicht herbeigeschrieben, die ist Fakt.

      Die USA sind ein sterbendes Imperium und Trump das perfekte Sinnbild fĂŒr den Niedergang - und deren Katalysator.
  • Shelley 21.05.2019 07:59
    Highlight Highlight Also bitte, volles VerstĂ€ndnis fĂŒr Trump! Schliesslich sollen und dĂŒrfen nur die US of A Backdoors nutzen. Sie wollen die ganze Welt ausspionieren, um ihren Grosskonzernen einen Wirtschaftsvorteil zu verschaffen (aka. Terrorismus-bekĂ€mpfung). Wo kĂ€men wir denn dahin, wenn es Chinesen und EuropĂ€er gleichtun wollen? Kein gleiches Recht fĂŒr alle, das ist amerik. Demokratie.
  • Raudrhar 21.05.2019 07:50
    Highlight Highlight ("Securité" bezogen auf die Forderungen von Kerchove)

    Benutzer Bild
  • Raffaele Merminod 21.05.2019 06:15
    Highlight Highlight Ein Aspekt darf nicht vergessen werden. Chinesische Handys machen grosse Kasse mit einem Betriebssystem von Google, welches selber auf den riesigen Chinesischen Markt komplett ausgesperrt ist.
    Daher kann ich Google ganz gut verstehen.
  • wolge 21.05.2019 06:08
    Highlight Highlight Wenn PrivatsphÀre kriminalisiert wird, haben nur Kriminelle noch PrivatsphÀre...
  • Gratwanderer 21.05.2019 00:08
    Highlight Highlight Achdie Chinesen scheinen im Moment viel gelassener und bedachter als die oder der Ami. Sie könnten ja auch selteneErden beschrĂ€nken oder iphones verbieten usw. Oder den Alptraum wahr werden lassen und dieSchulden der Amis eintreiben. Dann hĂ€tten die die Treter im Gesicht und das 2 am RĂŒcken...
  • Philippe Mettler 20.05.2019 23:13
    Highlight Highlight Die Argumente sind sicher scheinheilig. Es ist aber sicher so, dass die chinesische Regierung den Markt komplett abschottet und z.b. GeschĂ€fte fĂŒr Google verunmöglicht. Auch klar ist, dass sie viel Einfluss auf die Unternehmen nehmen und ganz sicher oft in unserem VerstĂ€ndnis unlauter unterwegs sind. Da ist die Massnahme von Google eigentlich bescheiden.
  • Walser 20.05.2019 22:27
    Highlight Highlight Es gibt keine bessere Situation als wenn die Amerikaner und die Chinesen letztlich aufeinander angewiesen sind. Aber im Grunde sind uns die Amerikaner nÀher und Europa hat ihnen extrem viel zu verdanken. Ich bin sicher, dass wir eines Tages wieder sehr froh um die StÀrke der USA sind. China ist und bleibt eine Diktatur.
    • Clay 21.05.2019 08:28
      Highlight Highlight Amerika ist und bleibt eine Menschenrechtsverletzende, Kriegsbesessene, KontrollsĂŒchtige Weltpolizei.
      Da ist mir zĂ€hneknirschend eine „Diktatur“ eigentlich lieber... ich weiss dass China sich auch nicht an die Menschenrechte hĂ€lt, sie gewisse GebietsansprĂŒche im sĂŒdchinesischen Meer fĂŒr sich beanspruchen, aber unter dem Strich sind das Interne Auseinandersetzungen. Aber trotzdem sehe ich China als das kleinere Übel an.
  • Wenn Åre = Are dann ZĂŒrich = Zorich 20.05.2019 21:53
    Highlight Highlight DafĂŒr muss man also Cisco Netztechnik Kaufen bei der Wiederholt NSA Backdoors festgestellt wurden, im Gegensatz zu Huawei.

    Tja leider scheint das Trumpeltier am Zug zu sein
  • WDuong 20.05.2019 21:20
    Highlight Highlight Sehr interessant.
    Nehmen wir eine neue Perspektiv ein.
    Die "billig" Produkte aus China sind technisch so gut, dass es fĂŒr Geheimdienste gar nicht mehr möglich wĂ€re Backdoors einzubauen. Dann wĂŒrde es Sinn machen, dass die USA diese Technologie nicht von den Chinesen haben möchte, sondern von den eigene US-Unternehmen. Dort können sie natĂŒrlich sicherstellen, dass die "HintertĂŒren" vorhanden sind.

    Ist noch eine interessante Perspektiv, oder etwa nicht?
    • My Senf 21.05.2019 00:06
      Highlight Highlight Völlig am Thema vorbei
    • sowhat 21.05.2019 07:39
      Highlight Highlight Überhaupt nicht am Thema vorbe. War doch ein Kernthema im Artikel.
    • My Senf 21.05.2019 08:13
      Highlight Highlight Momol
      „Ihnen gehen die hohen Sicherheitsstandards bei 5G gegen den Strich.“

      „Es stimmt natĂŒrlich. Sogenannte Backdoors (HintertĂŒren fĂŒr Geheimdienste und Strafverfolger) in der 5G-Technologie der Chinesen können nicht ausgeschlossen werden“

      Es ist nicht die Rede das huawei Sicher ist! Wunschdenken ist noch kein Fakt!
    Weitere Antworten anzeigen
  • RonaldMcDonald 20.05.2019 21:17
    Highlight Highlight Ich kann mir gut vorstellen, dass Huawei bereits eine eigenes mobiles OS sowie einen App Store entwickelt hat. Es wÀre jedenfalls eine Alternative zum Duopol iOS/Android.
    • Avenarius 21.05.2019 12:04
      Highlight Highlight Soviel ich weiss und gelesen habe, arbeiten die schon seit Jahren daran - weil sie ja voraus denken.
      Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es auf den Markt kommt. Ist alles schon in Schubladen.
  • AdvocatusDiaboli 20.05.2019 20:57
    Highlight Highlight "EU will selbst HintertĂŒren einbauen"

    Kann mit gut vorstellen das vor allem LĂ€nder die bei "Belt and Road Initiative" mitmachen hier eher etwas Hilfe von den Chinesen bekommen.
  • c_meier 20.05.2019 20:49
    Highlight Highlight "... bald ohne Google-Apps fĂŒr seine Smartphones und ohne Chips fĂŒr seine 5G-Antennen da. Beides kommt aus den USA. ..."

    werden die Chips nicht auch in China gefertigt?
    • Oliver Wietlisbach 20.05.2019 21:26
      Highlight Highlight Huawei bzw. die Tochterfirma HiSilicon bauen eigene Chips fĂŒr EndgerĂ€te wie Smartphones in China, sogenannte Hochfrequenzchips fĂŒr 5G-Mobilfunk-Antennen kommen aber primĂ€r von spezialisierten Lieferanten aus den USA. Und selbst bei den Smartphones kommt Huawei nicht ohne Qualcomm und andere US-Firmen aus.
    • DasGlow 20.05.2019 21:28
      Highlight Highlight Ja das ist so, jedenfalls sagen dass alle anderen Nachrichtenagenturen. Watson sieht das wohl nicht so.
    • WDuong 20.05.2019 21:34
      Highlight Highlight Noch nicht. Da war es strategisch noch sinnvoll, die Chips einzukaufen. Jedoch hat sich die Situation geÀndert.
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