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Blick auf das Firmengelände in Hangzhou, China. Bild: alibaba group

Vor dem grössten Börsengang aller Zeiten

Das müssen Sie über Chinas Internet-Riesen Alibaba wissen

Im Reich der Mitte boomt das Online-Geschäft. Mehr als 600 Millionen Chinesen bevölkern das Internet. Keiner profitiert davon mehr als Alibaba.

Alibaba ist der grösste Marktplatz der Welt. Sein Börsengang soll der grösste aller Zeiten werden. Auf drei Kontinenten und in 100 Präsentationen will der Internetgigant mit einer zweiwöchigen «Roadshow» potenzielle Investoren ködern. Die Wall Street hört bereits die Kassen klingeln.

Um der grösste Börsengang der Geschichte zu werden, muss Alibaba die 22 Milliarden Dollar von Chinas Landwirtschaftsbank 2010 in Hongkong und Shanghai übertreffen. Das Potenzial scheint gross zu sein. Alibabas Handelsplattformen wickeln vier Fünftel des Handels im Internet in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt ab.

Grösser als Amazon und eBay zusammen

Das grosse Geschäft machen die Handelsplattformen Taobao (Schatzsuche) und Tmall. Firmen und Verbraucher tummeln sich hier gleichermassen, was Alibaba grösser als Amazon und eBay zusammen macht. 

Wie eine Krake streckt Alibaba seine Finger aus: Der Handelsriese investierte in die Weibo genannten twitterähnlichen Mikroblogs, in Clouddienste mit Online-Datenspeicher, Browser, die grosse Videoplattform Youku und Filmproduktionen. Zudem besitzt das Unternehmen Beteiligungen bis hin zu Chinas erfolgreichstem Fussballclub Guangzhou Evergrande.

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Büroarbeiter mit Grünzeug. bild: alibaba group

Die komplizierte Firmenstruktur, verschachtelte Beteiligungen und die undurchsichtigen Entscheidungen des legendären Firmengründer Jack Ma wecken aber bei Investoren auch Sorgen über mangelnde Transparenz. Die Kontrolle des Unternehmens wird auch nach dem Börsengang in den Händen eines 27-köpfigen Gremiums mit Ma und dessen Vertrauten liegen. Diese Organisation hatte die Hongkonger Börse aus rechtlichen Gründen abgelehnt. In den USA ist es aber zulässig.

Äusserst profitabel

Unter dem Symbol «Baba» geht der Internetgigant an die traditionsreiche Nasdaq. «Ba» steht für die chinesische Glückzahl Acht. So wird auf Kantonesisch das chinesische Wort «fa» ausgesprochen, das «reich werden» bedeutet. Die Aussichten scheinen rosig: Mit mehr als 600 Millionen Internetnutzern, von denen schon die Hälfte online einkauft, und einer wachsenden Mittelklasse in China boomt der Umsatz und sprudeln die Gewinne.

Das Hauptgebäude in Hangzhou. Bild: alibaba group

Alibaba ist in China nicht nur grösser als Wettbewerber Tencent mit seinem populären WeChat-Dienst oder die Suchmaschine Baidu, sondern auch profitabler. Seine Kosten sind niedrig. Alibaba verkauft keine eigene Waren, sondern kassiert für Zugang zur Plattform und Werbung.

Seine Einnahmen legten im Quartal bis Ende Juni um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,54 Milliarden Dollar zu. Die Zahl der aktiven Käufer stieg um 50 Prozent auf 279 Millionen. Die Transaktionen mit mobilen Geräten vervierfachten sich auf 27 Milliarden Dollar und versprechen neues Wachstum.

Kennen Sie Alipay?

Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht. Die Dalian Wanda Gruppe des Immobilien-Milliardärs Wang Jianlin startete gerade mit Alibabas Rivalen Baidu und Tencent eine eigene Online-Handelsplattform. Wandas mehr als 100 Einkaufszentren und Kaufhäuser, die Suchmaschine von Baidu, das soziale Netz von WeChat und der Bezahldienst Tenpay von Tencent wollen dafür ihre Kräfte bündeln.

Nicht nur Alibaba ist eine Erfolgsgeschichte, sondern auch sein Bezahldienst Alipay. Er ist zwar vom Börsengang ausgeklammert, doch soll Alibaba mindestens 9 Milliarden Dollar bekommen, wenn der Finanzdienst selber einmal an die Börse gehen sollte. 

Über Alipay können Kunden über ihr Smartphone mit lukrativen Zinsen auch bei Yu'ebao investieren, der mit 92 Milliarden Dollar zum viertgrössten Geldmarktfonds der Welt aufgestiegen ist. Yu'ebao hat mehr Investoren als der chinesische Aktienmarkt.

Viertgrösstes Unternehmen der Welt

Hinter allem steckt der 49-jährige Ma. Das legendäre «Krokodil vom Jangtse» ist zum reichsten Chinesen aufgestiegen. Ihm gehören auch 48,5 Prozent an Zhejiang Ant Small and Micro Financial, die Alipay betreibt. Sein Einfluss bei Alibaba übersteigt bei weitem seine 7,3 Prozent Anteile an dem Internetgiganten. Dagegen spielen das japanische Telekomunternehmen Softbank, dem 37 Prozent gehören, sowie Yahoo, das 23 Prozent hält, kaum eine Rolle.

So müssen die Manager der grossen Fonds allein dem Alibaba-Gründer ihr Vertrauen schenken. Ein erfolgreicher Börsengang kann das Unternehmen auf Platz vier der Liste der globalen Internetriesen hinter Apple, Google und Microsoft katapultieren. Läuft es nicht so gut, wäre Alibaba immer noch unter den zehn weltgrössten Tech-Firmen. (dsc/sda/dpa)



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