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Mit einem Facebook- oder Google-Konto kann man sich bei vielen anderen Apps und Webseiten anmelden. Deutsche Firmen planen nun eine Alternative.
Mit einem Facebook- oder Google-Konto kann man sich bei vielen anderen Apps und Webseiten anmelden. Deutsche Firmen planen nun eine Alternative.

So wollen deutsche Konzerne die Dominanz von Google und Facebook knacken

Mit einer einzigen Anmeldung können Nutzer von Facebook, Google oder Microsoft sich bei verschiedenen Online-Diensten anmelden. Deutsche Firmen wollen eine Alternative entwickeln, die noch weit mehr kann.
08.05.2017, 13:3708.05.2017, 15:17

Grosse deutsche Konzerne wollen mit einer übergreifenden Daten-Plattform gegen die Dominanz von US-Schwergewichten wie Google und Facebook ankämpfen. Mit dabei sind zunächst die Allianz, Axel Springer, Daimler, die Deutsche Bank mit der Postbank und der Kartendienst Here Maps der deutschen Autobauer.

Die Idee ist ein einheitlicher Zugang zu Online-Diensten. Die Umsetzung des Projekts stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden, schränkten die Partner am Montag ein.

Heute wird im Netz oft eine Anmeldung über Profile bei Google, Facebook oder Twitter angeboten. In Europa gibt es immer wieder Kritik an der Dominanz von Daten-Plattformen aus den USA im Internet.

Der Plan der deutschen Konzerne ist aber der bisher ambitionierteste Versuch, einen Gegenpol aufzubauen. Die Partner werben mit dem in Europa wichtigen Datenschutz-Argument: Die Plattform solle «höchste Standards bei Datensicherheit und Datenschutz gewährleisten».

Grosser Vorsprung der Konkurrenz

Der Vorstoss der deutschen Firmen für eine gemeinsame Plattform kommt sehr spät. Bereits vor etwa zehn Jahren einigten sich grosse US-Konzerne wie Google, Microsoft und Paypal auf ein Verfahren namens OpenID, mit dem sich Nutzer auf vielen Seiten anmelden können. Nach der Anmeldung auf anderen Seiten zeichnen die Konzerne die digitalen Spuren der Besucher auch dort auf und blenden auf Basis der Daten massgeschneiderte Werbung ein. «Für die Nutzer ist die einmalige Registrierung bequem – für die Konzerne ist es eine lukrative Einnahmequelle, weil sie so viel über ihre Nutzer erfahren», schreibt Spiegel Online.

Ambitiöse Pläne

Die deutsche Initiative hat grosse Ausbaupläne für die Zukunft. Unternehmen aus den Bereichen Handel, Luftfahrt und Telekommunikation sowie weiteren Branchen sollen kurzfristig als Partner gewonnen werden, hiess es. Erste Verhandlungen mit interessierten Unternehmen liefen bereits. Unter anderem hätten kürzlich Gespräche mit der Deutschen Telekom begonnen.

Auch die Entwicklung digitaler Zahlungs- und Finanzdienstleistungen sei mit der Plattform möglich. In einer späteren Ausbaustufe seien zusätzliche Funktionen wie ein digitaler Behördenzugang denkbar.

Mit den Partnern aus den Branchen Versicherung, Medien, Auto und Banken deckt die Initiative bereits ein breites Datenspektrum ab. Mit Here sind indirekt auch die Autobauer BMW und Audi eingebunden, denen der Kartendienst neben Daimler gehört. Here Maps wurde ursprünglich von Nokia entwickelt. Die deutschen Autohersteller hatten den Kartendienst Here übernommen, um sich von Google Maps unabhängiger zu machen.

Weiteres Mitglied der Initiative ist der Technologie-Thinktank Core. Auch das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) sowie die European School of Management and Technology (ESMT) seien eingebunden, um das Projekt wissenschaftlich zu begleiten.

«Die Kooperation versteht sich als wettbewerbsfähige, europäische Antwort auf die internationale Plattformwirtschaft», erklärten die Teilnehmer. Die Initiative sei «im Austausch» mit der Politik und werde insbesondere vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium begrüsst. (oli/sda/dpa/afp)

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