DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Für Gian-Marco Schmid alias Gimma ist der iTunes-Store ab sofort ein rotes Tuch.
Für Gian-Marco Schmid alias Gimma ist der iTunes-Store ab sofort ein rotes Tuch.
Bild: KEYSTONE

Rapper Gimma über Apple Music: «Nehmt euch die Musik doch gratis, ihr armen armen Leute. Danke, fickt euch, merci!»

Gian-Marco Schmid aka Gimma macht heute nur noch nebenberuflich Musik. Wie Apple für seinen neuen Streamingdienst mit den Künstlern umgeht, stösst dem Schweizer Rapper trotzdem mehr als übel auf.
10.06.2015, 15:3211.06.2015, 17:28

Gian-Marco, du bist über den neuen Streaming-Dienst von Apple gar nicht glücklich. Wieso nicht? 
Gian Marco Schmid: Ich habe gestern über Facebook meinen Frust zu dem Thema abgeladen und bin dabei in eine Diskussion geraten, die ich so gar nicht auslösen wollte. Denn grundsätzlich finde ich Streaming voll okay. Ich habe auch Verträge mit solchen Diensten und mich damit abgefunden, dass es diese Angebote gibt, bei denen die Künstler kaum etwas verdienen.

Was ist dann das Problem bei Apple Music? 
Naja, als dieses neue Angebot gross angekündigt wurde, war die Rede von 30 Millionen Songs, die zur Verfügung stehen – also quasi die gesamte Musik aus dem iTunes-Store. Und da dachte ich nur: «Moment mal, habe ich irgendwann zugestimmt, dass meine Musik jetzt auch gestreamt werden kann?»

Hast du also nicht. 
Nein, ich wurde weder gefragt, noch habe ich irgendwo unterschrieben. Also habe ich gestern den ganzen Tag damit verbracht, herauszufinden, wie und ob man sich überhaupt dagegen wehren kann. Ich habe unter anderem mit einem Musikanwalt darüber gesprochen.

«Die kleineren Künstler können sich fast nicht wehren.»
Gian-Marco Schmid

Und was hat der dir gesagt?
Es liegt in der Hand eines jeden Künstlers, das Streamen zu verbieten. Es ist also so, dass zunächst einmal der gesamte Katalog von iTunes jetzt auch auf Apple Music gestreamt werden kann und wer das nicht will, der muss sich aktiv dagegen wehren. Für die grösseren Stars ist das kein Problem, die haben ja ihre Firmen, die das für sie regeln. Aber für die Kleineren ist das fast unmöglich.

Das musst du bitte genauer erklären. 
Meine Alben sind zum Beispiel auf ganz verschiedenen Wegen im iTunes-Store gelandet. Ich habe ja nicht nur ein einziges Plattenlabel, das alles für mich regelt. Einige Sachen habe ich auch selbst über einen Digital-Vertrieb bei Apple platzieren lassen. Ich weiss überhaupt nicht, wie und wo ich mich jetzt jeweils melden müsste, um die Inhalte entfernen zu lassen. Ich fühle mich einfach machtlos.

Kein Statement von Apple
Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme zu diesem Vorgehen hat Apple bisher nicht reagiert.

Willst du deine Musik denn jetzt aus dem iTunes-Store löschen lassen?
Mein erster Gedanke war: «Ich lasse alles, überall löschen. Auf Spotify, auf iTunes – einfach überall.» Aber diese Reaktion war übereilt. Ich will hier jetzt auch nicht einen auf Rebellion machen. Aber der iTunes-Store ist für mich ab sofort einfach ein rotes Tuch. Meine neue Musik werde ich dort nicht platzieren. Wobei ich natürlich den Vorteil habe, dass die Musik nicht mehr mein Hauptberuf ist. Ich bin von solchen grossen Anbietern nicht abhängig.

Bei Spotify kann man deine Lieder auch hören: Wie viel verdienst du daran? 
Gar nichts. Bei meinen letzten drei Alben steht im Vertrag mit der jeweiligen Plattenfirma, dass die Musik zu Promo-Zwecken auch auf Spotify zu hören sein wird. Geld bekomme ich dafür keines. Aber das ist okay so, das war ja vorher abgemacht.

Und wie viel hast du bisher für einen iTunes-Download bekommen?
Irgendwas zwischen ein paar Rappen und einem Franken. Insgesamt habe ich über den iTunes-Store sicher einen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich verdient. Das war zwar nie gewinnbringend, aber immerhin konnte ich damit in etwa die Produktionskosten decken.

Heute ist Gimma hauptberuflich als Werbetexter und Kolumnist tätig.
Heute ist Gimma hauptberuflich als Werbetexter und Kolumnist tätig.
Bild: KEYSTONE

Was glaubst du, wie viel bei dem Apple-Streaming-Dienst für dich noch herausspringen wird? 
Naja, ich schätze mal pro angehörten Song etwa 0,000000(…)1 Franken? Nein, jetzt mal im Ernst: Für eine Million Klicks auf einen Song bekommt man vielleicht ein Sandwich. Das ist einfach so. Schweizer Künstler können bei Streaming-Diensten nichts verdienen. Dafür sind wir zu klein und die Konkurrenz aus Amerika zu gross. Da kannst du froh sein, wenn du dir am Ende vom Jahr von dem Geld einmal einen schönen Ausgang leisten kannst.

Bei Google Play kann man deine Musik auch hören. 
Ja, genau. Je nach Album und je nach Plattenfirma habe ich ganz unterschiedliche Verträge gemacht und ich finde grundsätzlich auf allen Kanälen statt. Aber ich kann dir sicher sagen: Ich habe bis jetzt noch mit keinem einzigen Streaming-Dienst irgendetwas verdient. Auch auf YouTube habe ich inzwischen bestimmt 4 Millionen Klicks generiert – und auch dafür habe ich keinen Rappen bekommen. Das ist heutzutage einfach Part of the Game. Bei Apple Music habe ich mich aber vor allem über eine Sache gewundert.

Nämlich? 
Durch das Offline-Angebot können die Nutzer die gesamte Musik jederzeit hören. Dann bist du ja der allerdümmste Mensch der Welt, wenn du dir noch irgend ein Album im iTunes-Store kaufst, wenn du es auch so haben kannst.

Wenn es für Schweizer Künstler kaum möglich sein sollte, mit Streaming Geld zu verdienen, dann wärst du doch sicher nicht der einzige, der sich ärgert. 
Bisher habe ich vor allem mit Leuten geredet, die wie ich nur nebenbei Musik machen – die auf das Geld also nicht angewiesen sind. Insgesamt habe ich in der Debatte aber gemerkt, dass die Menschen unheimlich blauäugig bei dem Thema sind. Da heisst es dann «Stellt euch nicht so an, ihr werdet auch so noch gut verdienen.» Aber auch in den Medien hiess es «Die Schweizer Musikbranche freut sich über die Ankunft des neuen Dienstes von Apple.» Ich für meinen Teil freue mich nicht.

Wirst du daraus weitere Konsequenzen ziehen, ausser dass du den iTunes-Store ab sofort meidest? 
Ich will sicher keine Anti-Streaming-Bewegung auslösen. Aber für mein neues Album habe ich mir tatsächlich etwas überlegt: Ich werde es keinem einzigen Streaming-Dienst zur Verfügung stellen. Stattdessen wird es aber einen Gratis-Download geben. Das ist mein ganz persönlicher kleiner Mittelfinger für all diejenigen, die immer von den «raffgierigen Musikern» reden. Also denke ich mir: «Okay, wenn wir so raffgierig sind, dann nehmt euch die Musik doch gratis, ihr armen armen Leute. Danke, fickt euch, merci!» Und wer für mein Album dennoch etwas bezahlen möchte, der kann es auch ganz einfach kaufen.

Die grosse Apple-Sause WWDC 2015: Alles Wichtige auf einen Blick

1 / 15
Die grosse Apple-Sause WWDC 2015: Alles Wichtige auf einen Blick
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
No Components found for watson.appWerbebox.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel