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Die Facebook-Aktie stürzte am Mittwoch nach schwachen Geschäftszahlen ab. Wohl noch nie zuvor hat eine Firma an einem Tag mehr an Wert verloren.

9 Facebook-Insider verkauften seit dem Daten-Skandal Aktien in Milliardenhöhe

Zuckerberg und WhatsApp-Gründer Jan Koum haben seit dem Daten-Skandal bei Facebook Aktien im Wert von rund 4 Milliarden Franken verkauft. Sieben weitere Facebook-Manager haben ebenfalls ganz legal grössere Anteile abgestossen – bevor es gestern zum Crash kam.

26.07.18, 17:33 26.07.18, 18:01


Neun Facebook-Insider haben seit März 2018, als der Datenskandal um Cambridge Analytica publik wurde, Aktien im Wert von etwa 4,13 Milliarden US-Dollar verkauft. Das mit Abstand grösste Paket entfällt auf Mark Zuckerberg: 3,5 Milliarden.

WhatsApp-Gründer Jan Koum verkaufte Aktien im Wert von 461 Millionen Dollar. Am 30. April 2018 verabschiedete er sich von Facebook.

Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg strich in den letzten Monaten 77 Millionen ein.

Die weiteren Facebook-Manager, die vor dem gestrigen Absturz der Facebook-Aktie Anteile verkauft hatten, hat die auf Wirtschaftsthemen spezialisierte Nachrichtenagentur Bloomberg im folgenden Tweet aufgelistet. Darunter befinden sich IT-Chef Mike Schroepfer und Finanzchef David Wehner.

Bei den Aktien-Verkäufen handelt es sich nicht etwa um illegalen Insiderhandel, sondern reguläre Verkäufe, die Teil eines vorher festgelegten Handelsplans waren. Die hochrangigen Facebook-Mitarbeiter konnten gewaltige Gewinne realisieren, da die Aktie in den letzten fünf Jahren um fast 600 Prozent zugelegt hatte. Die Aktie war bis zum Crash auf Rekordjagd und hatte vor der Präsentation der Quartalszahlen noch einen neuen Höchststand erreicht.

Facebook ist verwundbar

Mark Zuckerberg hat an einem Tag rund 17 Milliarden Franken verloren.

Lange schien Facebook unantastbar. Doch nach dem Skandal um Cambridge Analytica und den neuen EU-Datenschutzregeln zeigt das Netzwerk plötzlich Schwäche.

Das weltgrösste Online-Netzwerk hat im vergangenen Quartal die Prognosen bei Umsatz und Nutzerzahlen verfehlt, wie das US-Unternehmen am Donnerstag mitteilte. In Europa ging die Zahl der aktiven User nach Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung erstmals zurück.

Facebook wächst zwar noch, zuletzt aber deutlich langsamer. grafik: techcrunch / quelle: facebook

Die verpassten Analysten-Erwartungen und die vorsichtige Prognose der Führungsriege machten sich direkt bemerkbar: So stürzte die Aktie zeitweise um über 23 Prozent ab – der Börsenwert sank dadurch zeitweise um fast 150 Milliarden Dollar (128 Milliarden Euro). Zwischenzeitlich liegt der Verlust bei rund 123 Milliarden Dollar. Dies könnte der grösste Tages-Crash einer Firma aller Zeiten sein.

Der Facebook-Crash hat historische Dimensionen

Intel, Microsoft und Apple haben früher «nur» 91, 77 und 60 Milliarden US-Dollar an einem Tag verloren.   

Dennoch ist Facebook weiterhin eine Geldmaschine. Der Quartalsumsatz stieg dank des boomenden Geschäfts mit Online-Werbung im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar (11,31 Mia. Euro). Der Gewinn wuchs um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. 

Facebook betonte, die europäische Datenschutz-Grundverordnung habe zumindest bisher den Umsatz nicht beeinträchtigt. Zugleich fiel die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Nutzer in Europa aber von 377 auf 376 Millionen. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen. Firmenchef Mark Zuckerberg sagte zugleich, es sei ermutigend, dass die grosse Mehrheit der Nutzer in Europa der weiteren Datenauswertung für personalisierte Werbung zugestimmt habe.

Neue Zahlentricks

Insgesamt legte die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer weltweit von knapp 2,2 auf 2,23 Milliarden zu. Das Wachstum verlangsamte sich damit. In dieser Situation führte der Konzern eine neue Rechenart ein: Auf mindestens eine App des Konzerns – dazu gehören auch die Fotoplattform Instagram und der Chatdienst WhatsApp – griffen im Juni rund 2,5 Milliarden Nutzer zu, hiess es.

Bei den Anlegern kamen die Nutzerzahlen aber schlecht an, weil die Reichweite entscheidend für Facebooks Werbegeschäft ist. Inwieweit der Sturm der Kritik nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica ebenfalls das Wachstum gebremst haben könnte, blieb unklar. Facebook war massiv in die Kritik geraten, weil Daten von Millionen Nutzern an die britische Firma geflossen waren. Im nordamerikanischen Heimatmarkt wachsen die Nutzerzahlen seit mehreren Quartalen nicht mehr. Dabei machte Facebook in Nordamerika im vergangenen Quartal mehr als 25 Dollar Umsatz pro Nutzer. In Europa waren es nur 8,6 Dollar.

Facebook selbst hatte zuvor gewarnt, dass die Zahl der monatlich und täglich aktiven Nutzer in Europa im zweiten Quartal voraussichtlich stagnieren oder leicht zurückgehen werde. Grund sei die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU, die seit dem 25. Mai befolgt werden muss. Es war auch das erste komplette Quartal seit Bekanntwerden des Cambridge Analytica-Skandals.

Das Online-Netzwerk kommt nicht aus der Kritik heraus. Vor Cambridge Analytica war es um die Rolle von Facebook im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gegangen, als soziale Medien für mutmasslich von Russland aus geführte Propaganda-Kampagnen und die Verbreitung gefälschter Nachrichten benutzt wurden. «Insgesamt ist es ein entscheidendes Jahr für Facebook», sagte Zuckerberg.

Schlechte Nachrichten gab es auch aus China, wo der Zugang zu Facebook von der Zensur blockiert wird. Einer neuen chinesischen Tochterfirma wurde nach nur einem Tag die Zulassung wieder entzogen. Die Entscheidung habe die Cyber-Verwaltung in Peking getroffen, berichtete die «New York Times» am Donnerstag.

(oli/awp/sda/dpa)

«Kinder in den sozialen Medien? Das geht nicht!»

Video: watson/Emily Engkent

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Topbeat 26.07.2018 22:11
    Highlight So ist das Leben ist doch toll oder?
    5 1 Melden
  • CASSIO 26.07.2018 20:57
    Highlight es wird zeit, dass die zinsen wieder steigen, dann brechen all die kartenhäuser wieder in sich zusammen...
    11 4 Melden
    • Gulubat 27.07.2018 06:48
      Highlight Das trifft aber nicht die fetten Maden im Speck...
      11 0 Melden
  • mrmikech 26.07.2018 19:57
    Highlight Immer noch schwer überbewertet.
    16 1 Melden
  • T13 26.07.2018 19:02
    Highlight Die Ratten verlassen wohl das sinkende Schiff?🙄🤔
    59 8 Melden
  • Crecas 26.07.2018 17:56
    Highlight Die haben ja nicht etwa gut verkauft. Der Kurs ist auch ohne die Korrektur heute immer noch höher als er nach dem Datenskandal war.
    39 0 Melden

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