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Musk will Milliarden-Bonus – trotz Massenkündigung bei Tesla

Tesla CEO Elon Musk waves as he leaves the Tesla Gigafactory for electric cars after a visit in Gruenheide near Berlin, Germany, Wednesday, March 13, 2024. Power has been restored to electric car manu ...
Hat gut lachen: Während viele Tesla-Angestellte um ihren Job bangen, winkt ihrem Chef ein zweistelliger Milliardenbetrag.Bild: keystone

Musk soll trotz Massenkündigung bei Tesla zig Milliarden erhalten – und sie heisst es gut

14'000 Menschen stehen beim US-Elektroautobauer vor der Kündigung. Der zweistellige Milliarden-Bonus für den Chef sei aber eine Frage von «Fairness und Respekt», sagt die Chefin des Tesla-Verwaltungsrates. Das Problem: Sie ist alles andere als unvoreingenommen.
18.04.2024, 19:00
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Tesla will seine Aktionäre erneut über milliardenschweres Aktienpaket für Firmenchef Elon Musk abstimmen lassen, das von einem Gericht torpediert wurde.

Der Schritt kommt wenige Tage nach der Ankündigung, mehr als jede zehnte Stelle bei Tesla zu streichen.

Zugleich sollen die Tesla-Aktionäre nach dem Willen des Elektroauto-Herstellers über eine Verlegung des offiziellen Firmensitzes von Delaware nach Texas abstimmen, wie aus in der Nacht auf Mittwoch veröffentlichten Unterlagen zur Tesla-Hauptversammlung am 13. Juni hervorgeht.

Was hat es mit dem umstrittenen Musk-Bonus auf sich?

Das 2018 von Aktionären gebilligte Aktienpaket für den Tesla-Chef Elon Musk, dessen Wert damals mit 56 Milliarden Dollar angegeben wurde, war von einer Richterin in Delaware nach einer Anlegerklage gekippt worden. Sie kam zu dem Schluss, dass Musk bei der Vereinbarung der grosszügigen Vergütung im Tesla-Verwaltungsrat zu viel Einfluss im Hintergrund gehabt habe, als dass man von einem fairen Verfahren sprechen könne. Und die Aktionäre darüber im Dunkeln gelassen worden seien, wodurch sie keine Möglichkeit gehabt hätten, eine gut überlegte Entscheidung zu treffen.

Musk zeigte sich nach dem Urteil Ende Januar umgehend offen für einen Umzug von Tesla nach Texas. Er hatte bereits die Firmenzentrale von Kalifornien zum grossen Werk im texanischen Austin verlegen lassen. Für seine Vergütung in dem Zeitraum bis zu einem Umzug würden weiter die Regeln von Delaware gelten.

Wie viele Milliarden soll Musk erhalten?

Nach dem Plan von 2018 konnte Musk in zwölf Schritten Aktienoptionen mit einem maximalen Wert von damals bis zu 55,8 Milliarden Dollar bekommen, wenn Börsenwert und Geschäftszahlen von Tesla mit bestimmten Mindestwerten wachsen. Die Richterin entschied aber, dass Teslas Aktionäre nicht korrekt über das Verfahren informiert worden seien, indem das Riesen-Paket ausgehandelt wurde. So habe Musk enge Verbindungen mit einigen Personen gehabt, die auf Teslas Seite an den Verhandlungen beteiligt waren.

Tesla räumte in den Unterlagen zugleich ein, dass man nicht sicher sei, ob eine erneute Bestätigung des Aktienpakets durch die Aktionäre angesichts des Urteils Bestand haben würde. Mehrere Verwaltungsratsmitglieder sind Musk weiterhin sehr nah.

Andererseits könnte Tesla nun argumentieren, dass allein schon durch das ausführliche Urteil der Richterin die Anleger nun darüber Bescheid wüssten.

Tesla hatte zudem angekündigt, gegen die Gerichtsentscheidung in Berufung zu gehen.

«Musk agiert, als ob es keine Aufsicht durch den Vorstand gäbe»
Richterin

Warum erhält Musk vom Tesla-Vorstand Rückendeckung?

Die Chefin des Tesla-Verwaltungsrates, Robyn Denholm, betonte in einem Brief an die Aktionäre, dass Musk nach der Gerichtsentscheidung nicht für seine Arbeit bei dem Elektroauto-Hersteller in den vergangenen sechs Jahren bezahlt worden sei. Es sei eine Frage von «Fairness und Respekt», erneut für das Aktienpaket zu stimmen.

NATIONAL TECH SUMMIT, Robyn Denholm, Chair of the Tech Council of Australia and Tesla is seen during the Tech Council of Australias National Summit, in Brisbane, Thursday, July 20, 2023.
Die Australierin Robyn Denholm sitzt seit 2014 im Verwaltungsrat von Tesla, stieg 2018 zur Chefaufseherin auf und galt damals als «Musk-Bändigerin». Bild: imago-images.de

Das Problem: Die Richterin in Delaware hat im Rahmen des Gerichtsverfahrens auch infrage gestellt, ob Denholm von Musk unabhängig sein könne, da ihr ihre Arbeit im Tesla-Vorstand mehr als 280 Millionen US-Dollar eingebracht habe.

Vor Gericht beschrieb Denholm letztes Jahr diese Bezahlung als «lebensverändernd». Fakt ist: Ihre Vergütung übersteigt bei Weitem das, was andere grosse US-Unternehmen wie Apple und Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, unabhängigen Vorsitzenden in ihren Vorständen zahlen.

«Niemand hätte so viel Geld nehmen dürfen. An diesem Punkt beginnt es, Ihre Unabhängigkeit zu gefährden.»
Charles Elson, emeritierter Professor an der University of Delaware, Spezialist für Corporate Governance

Tesla hatte zuletzt nach mehreren Jahren rasanter Zuwächse einen Absatzrückgang verzeichnet. Musk hatte zwischenzeitlich gesagt, dass Tesla sich zwischen zwei Wachstumswellen befinde. Vor wenigen Tage wurden dann die Streichungen angekündigt, die mehr als 14'000 Jobs kosten können.

Ein weiterer Haken ist, dass seit 2018 der Börsenwert von Tesla zwar deutlich die damals für die Maximal-Vergütung von Musk gesetzte Marke von rund 650 Milliarden Dollar überschritten hatte – inzwischen aber nach der jüngsten rapiden Talfahrt der Aktie wieder darunter liegt.

Wie reich ist Musk?

Der 52-Jährige gehört dank seiner Anteile vor allem an Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX zu den reichsten Menschen der Welt. Allerdings schrumpfte auch Musks Vermögen etwas mit der Talfahrt der Tesla-Aktie. Der Finanzdienst Bloomberg führt ihn aktuell in seiner Reichen-Liste auf Rang vier mit einem geschätzten Vermögen von 174 Milliarden Dollar.

Quellen

(dsc/sda/dpa)

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35 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bakunin
18.04.2024 23:02registriert März 2021
'Es sei eine Frage von «Fairness und Respekt»' einem einzigen Menschen 58'000'000'000$ zu geben.

Diese Leute tun ja noch nicht einmal so, als ob sie auch nur einen Hauch von Bodenhaftung hätten.
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Hans Jürg
18.04.2024 22:40registriert Januar 2015
Musk ist angetreten, um die Welt zu ändern. Das hat et geschafft. Leider nicht zum Guten.
Aber das hat er auch nue behauptet. Er schaut, dass er und seine libertären Freunde die Herrschafft übernehmen und ist auf bestem Wege, das zu erreichen.
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Platon
18.04.2024 22:45registriert September 2016
Gibt es eigentlich immer noch Leute, die behaupten man könne Reiche nicht besteuern, weil ihr Vermögen in der Firma liegt? Hier ist der Beweis. Musk erhält Aktien im Wert von rund einem Viertel seines jetzigen Vermögen als VERGÜTUNG. Es sind nicht einmal Aktien, es sind Aktienoptionen. Er kann also Aktien haben oder direkt verkaufen. Und falls dies immer noch nicht überzeugt, gemäss Modigliani-Miller ist eh alles egal. Wenn Tesla will, dass Musk die Firma verkaufen muss um Steuern zu bezahlen, können sie ihm auch einen ganz normalen Lohn bezahlen. Tut für die Firma keinen Unterschied!
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