DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Sonne geht in der Nähe eines Kohlekraftwerks am Jangtse-Fluss in Nantong in der ostchinesischen Provinz Jiangsu unter (Bild vom 12. Dezember 2018). Das Regime in Peking versucht mit drastischen Mitteln, die Umweltverschmutzung einzudämmen.
Die Sonne geht in der Nähe eines Kohlekraftwerks am Jangtse-Fluss in Nantong in der ostchinesischen Provinz Jiangsu unter (Bild vom 12. Dezember 2018). Das Regime in Peking versucht mit drastischen Mitteln, die Umweltverschmutzung einzudämmen.
archivBild: keystone

Noch teurere iPhones? Das bedeutet der China-Blackout für Konsumentinnen und Konsumenten

Chinesische Regionalregierungen haben der Industrie den Stecker gezogen – teils ohne Ankündigung. Manche Firmen können tagelang nicht produzieren. Die Folgen spüren auch Apple, Tesla und Volkswagen.
30.09.2021, 08:57
Nele Behrens / t-online
Ein Artikel von
t-online

Plötzlich geht das Licht aus: Im Nordosten Chinas sind viele Haushalte von Stromabschaltungen betroffen. Doch nicht nur Privatpersonen müssen auf einmal mit Kerzenlicht vorliebnehmen – auch der Industrie schaltet China in den vergangenen Tagen immer wieder den Strom ab, vom Staatskonzern bis zum Tesla- oder Apple-Zulieferer.

Teils gibt es für die Industrieunternehmen nicht einmal eine Vorwarnung, bevor die Lichter ausgehen. «In netten Fällen gab man den Firmen zwei bis drei Tage vorher Bescheid», sagte der Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, der Tagesschau. «In Shenyang, im Norden Chinas, hatte man einen Tag Vorlauf. In Tianjin hat man sich kurzfristig entschlossen, den Strom sofort abzustellen.»

t-online erklärt, was hinter den wiederkehrenden Blackouts in China steckt und welche Folgen diese für deutsche Verbraucher haben könnten. 

Warum stellt China den Firmen ohne Vorwarnung den Strom ab?

Ein Grund für die Misere liegt in den Klimazielen der Zentralregierung. Um diese zu erreichen, will Peking den Stromverbrauch in diesem Jahr um drei Prozent reduzieren. 

Nach Angaben der wichtigsten Planungsbehörde des Landes, der National Development and Reform Commission (NDRC), haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 20 von insgesamt 30 Regionen auf dem chinesischen Festland ihre Energiesparziele nicht erreicht. Die Regionalregierungen haben deshalb begonnen, den Strom zu rationieren.

Hinzu kommen hohe Preise für Kohle und ein ungewöhnlich grosser Energie-Bedarf der Industrie, die wegen Nachholeffekten nach der Corona-Krise Bestellungen aus aller Welt abarbeiten müssen.

So sei die Stromnachfrage im ersten Halbjahr 2021 laut Behördenangaben etwa zehn Prozent höher als vor der Pandemie gewesen – doch gleichzeitig wird die Kohle knapp. Der anhaltende Handelsstreit mit Australien, dem weltweit zweitgrössten Kohleexporteur, hat dazu geführt, dass Lieferungen nach China stark eingeschränkt wurden.

Zudem verschärften die lokalen Behörden die Sicherheitsstandards für chinesische Bergwerke, nachdem es zu einer Reihe von Unfällen gekommen war. Die Kohlepreise sind an den chinesischen Terminmärkten in den vergangenen drei Monaten um rund 50 Prozent gestiegen. Aktuell befindet sich der Kohlepreis auf einem Rekordniveau.

Wie will China das Problem lösen?

Das Land der Mitte ist auf die Kohle stark angewiesen: Knapp 60 Prozent der chinesischen Wirtschaft bezieht Kohlestrom. China baut die Windkraft im eigenen Land zwar enorm aus, momentan aber sind die steigenden Preise für Kohle und Strom aus Kohle für die Wirtschaft noch eine starke Belastung.

Dennoch hat China seine Provinzregierungen dazu aufgefordert, die Versorgung von Kraftwerken mit Kohle zu sichern. Sie müssten sicherstellen, dass Kohle im Falle eines Mangels rechtzeitig an die Kraftwerke gelangt. Woher diese Kohle kommen soll oder inwiefern dies mit ihren eigenen Umweltvorgaben überein gehen soll, sagt die Regierung nicht.

Welche Folgen hatte der Strommangel bisher?

Viele Unternehmen sind direkt oder indirekt von den Stromabschaltungen betroffen. Von Herstellern von Aluminium, Chemikalien und Maschinenteilen bis hin zu Farbstoffen, Textilien, Möbeln, Spielzeug und Sojamehl haben viele Unternehmen in China damit zu kämpfen.

Das merken auch deutsche Konzerne: Bei Volkswagen führten die Blackouts bereits zu Produktionsausfällen. Da den Zulieferern des Konzerns der Strom abgeschaltet worden sei, fehlen VW nun bestimmte Teile. Als Folge musste der Konzern nach eigenen Angaben selbst einige Schichten in der Produktion streichen.

Tatsächlich ist nicht das gesamte Land betroffen, sondern vor allem der Nordosten. Laut Zahlen des Datendienstes Bloomberg Intelligence verhängten in den vergangenen Monaten mindestens 17 Provinzen, auf die zwei Drittel der chinesischen Inlandsprodukts entfallen, Stromsperren. 

Apple-Zulieferer mit mehrtägiger Zwangspause

Einige Zulieferer von Apple und Tesla müssen ihre Produktion dabei für vier bis fünf Tage ruhenlassen, andere in weniger betroffenen Landesteilen können aber weiterarbeiten und eventuell die Produktionsausfälle auffangen.

Aber der Elektronikbranche steht zeitgleich eine der umsatzreichsten Jahreszeiten bevor: Weihnachten. Über die eng verwobenen Lieferketten können die Stromausfälle hier auch den europäischen Markt treffen.

Was für langfristige Folgen könnte es haben?

Sollte China weiterhin regelmässig den Strom abschalten, werden sich die Produktionsausfälle anstauen und könnten gerade in der Weihnachtszeit zu einer Verknappung der Produkte führen. Das dürfte sich über Zulieferketten auch auf beliebte Geschenkartikel wie Handys oder Laptops auswirken – mehrere Zulieferer von Apple sind bereits jetzt vom Stromausfall betroffen.

Steigt der Kohlepreis weiter oder stagniert auf seinem aktuellen Rekordniveau, könnten sich die Abschaltungen auch auf weitere Regionen erstrecken und damit zu weiteren Verzögerungen im Produktionsablauf führen. 

Zudem könnte der Strom bald auch in der Hauptstadt Peking für einige Tage ausgestellt werden, offiziell wegen geplanter Wartungen, aber staatliche Medien führen auch hier die Abschaltungen auf die Stromknappheit zurück. 

Weihnachtsgeschäft betroffen

China produziert dabei auch viele kleinere Produkte, die in der Weihnachtszeit besonders wichtig für viele Konsumenten sind: Der Hauptteil der Deko zum Fest kommt aus China, von Lichterketten bis zur Weihnachtskugel am Tannenbaum. Auch hier könnte es zu Verzögerungen oder Knappheiten kommen, wenn die Produktion eingeschränkt bleibt.

Branchenexperten rechnen bereits mit wirtschaftlichen Konsequenzen. So hat die US-Bank Goldman Sachs ihre Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum von 8.2 auf 7.8 Prozent gesenkt. Zuvor hatte bereits die japanische Nomura-Bank ihre Prognose auf 7.7 reduziert. 

Die Analysten von Nomura prognostizieren:

«Der Stromversorgungsschock der zweitgrössten Volkswirtschaft und der grössten herstellenden Industrie der Welt wird sich auf die globalen Märkte ausbreiten und sich auf sie auswirken.»

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Blackout – Wenn nichts mehr geht

1 / 20
Blackout – Wenn nichts mehr geht
quelle: ap / str
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Chaos am grössten Airport der Welt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wildschweine, Steinböcke und Rothirsche breiten sich aus – beim Fuchs sieht's anders aus

Im Jagdjahr 2020 sind in der Schweiz 76'695 Wildhuftiere erlegt worden. Wildschweine, Steinböcke und Rothirsche breiten sich laut der neusten Jagdstatistik in der Schweiz laufend aus. Die Bestände von Reh und Gämse sind hingegen stabil.

Das Jagdjahr 2020 zeichnete sich als durchschnittliches Jahr aus, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Montag mitteilte. Die neusten Zahlen zu den erlegten Wildhuftieren entsprechen laut der von Wildtier Schweiz durchgeführten eidgenössischen Jagdstatistik …

Artikel lesen
Link zum Artikel