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An Italian Police officer stands next to mug shots of alleged migrant traffickers shown during a press conference, in Palermo, Sicily, Italy, Monday, April 20, 2015. Police in southern Italy has broken up a major human smuggling ring responsible for the waves of migrants reaching Italian shores, and have detailed how the traffickers make money through illicit payments from desperate migrants willing to make the deadly crossings. Palermo Prosecutor Maurizio Scalia told reporters that the arrest warrants have been issued against 24 people, 14 of them in Italy but at least one of them at large in Libya. (AP Photo/Alessandro Fucarini)

Ein italienischer Polizist vor einer Wand mit mutmasslichen Schleppern. Bild: Alessandro Fucarini/AP/KEYSTONE

Kapitän des gesunkenen Flüchtlingsboots festgenommen – Opferzahl auf 800 korrigiert



Nach der Flüchtlingskatastrophe vor Libyen in der Nacht auf Sonntag im Mittelmeer hat die Polizei zwei Überlebende wegen des Verdachts auf Menschenhandel festgenommen. Die Männer kamen nach ihrer Rettung mit weiteren Überlebenden am Montagabend im Hafen Catania auf Sizilien an.

Die Männer seien dort festgesetzt worden, sagte der italienische Infrastruktur-Minister Graziano Delrio am frühen Dienstagmorgen. Nach Angaben aus dem Büro des zuständigen Staatsanwalts handelt es sich um den Kapitän und den ersten Steuermann. Diese seien von Überlebenden identifiziert worden. Ihnen wird mehrfache fahrlässige Tötung, Menschenhandel und Schiffbruch vorgeworfen.

800 Todesopfer vermutet

Die Vereinten Nationen gehen nun von etwa 800 Todesopfern aus. Das teilten Vertreter des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) am frühen Dienstagmorgen mit. Die beiden Organisationen hatten zuvor in Catania mit den dort angekommenen Überlebenden gesprochen. Nach dem Kentern des Flüchtlingsbootes wurde zunächst von etwa 700 Todesopfern gesprochen. Unter Berufung auf Überlebende berichteten Medien sogar von bis zu 950 Insassen. Nur 28 Insassen konnten gerettet werden. 

Survivors of the boat that overturned off the coasts of Libya Saturday, disembarks from Italian Coast Guard ship Bruno Gregoretti, at Catania Harbor, Italy, Monday, April 20, 2015. A smuggler's boat crammed with hundreds of people overturned off Libya's coast as rescuers approached, causing what could be the Mediterranean's deadliest known migrant tragedy and intensifying pressure on the European Union Sunday to finally meet demands for decisive action. (AP Photo/Carmelo Imbesi)

Die Polizei nimmt Überlebende in Empfang. Bild: Carmelo Imbesi/AP/KEYSTONE

Flüchtlinge wurden an geheimen Ort gebracht

Alle Überlebende befinden sich mittlerweile auf italienischem Festland. Am späten Montagabend sind im Hafen der sizilianischen Stadt Catania 27 Überlebende auf einem Schiff der Küstenwache eingetroffen. Der 28. Überlebende des Unglücks vom Wochenende war wegen seines schlechten Gesundheitszustands schon früher nach Catania gebracht und dort ins Spital eingeliefert worden.

Zunächst wurden die Flüchtlinge für eine erste Gesundheitsuntersuchung in Zelte geleitet. Danach sollten sie in eine Unterkunft gefahren werden, deren Standort geheim gehalten wurde. Die zahlreichen Medienvertreter am Hafen wurden auf Distanz zu den Flüchtlingen gehalten.

CATANIA, ITALY - APRIL 20:  Broadcasters wait for an Italian Coast Guard ship which is believed to be carrying 27 survivors of the migrant shipwreck in the mediterranean, at Catania port on April 20, 2015 in Catania, Italy. The weekend saw the worst disaster of its kind as hundreds of migrants are believed to have perished as they attempted to cross the mediterranean from Libya to Italy in order to seek refuge.  (Photo by Tullio M. Puglia/Getty Images)

Das Medieninteresse ist gross. Die Überlebenden müssen versteckt werden. Bild: Getty Images Europe

EU will mehr Boote schicken

An Bord des Flüchtlingsschiffes, das in der Nacht zum Sonntag gekentert war, sollen rund 800 Menschen gewesen sein. 28 wurden gerettet, 24 Leichen wurden geborgen.

Durch die erneute Flüchtlingstragödie geriet die Europäische Union in die Kritik. Die EU-Aussen- und Innenminister einigten sich als Konsequenz am Montag auf einen Zehn-Punkte-Plan, der unter anderem eine «Stärkung» der Seenotrettung im Mittelmeer vorsieht.

Anlässlich der Ankunft der Überlebenden in Catania demonstrierten einige Dutzend Menschen für die Abschaffung eines italienischen Gesetzes, dass illegal eingewanderte Menschen kriminalisiert. (feb/sda/dpa/afp)

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