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Facebook macht jetzt Journalismus: Warum wir uns der Realität nicht verweigern können

Facebook wird zur Newsplattform! Diese Meldung versetzt die journalistische Welt gerade in Panik, es ist von einem faustischen Pakt die Rede. Blogger Martin Giesler hingegen findet: Lasst die Nutzer entscheiden, wo sie lesen – und gebt ihnen starke Inhalte.
19.05.2015, 16:1919.05.2015, 18:01
martin giesler

Darum geht's:

  • Facebook wird ab sofort zur Newsplattform
  • Newsportale wie Spiegel Online (Partner von watson) und die «New York Times» veröffentlichen ausgewählte Artikel und Videos künftig direkt auf Facebook.
  • Der Vorteil für die Newsportale: Sie bekommen mehr Leser. 
  • Der Nachteil: Facebook kann den Newsfeed manipulieren. 
  • Die Frage ist: Wie stark sind die Medienunternehmen künftig von den strategischen Entscheidungen von Facebook abhängig?

Das schreibt Blogger Martin Giesler zu dieser Debatte:

«Moin Moin, liebe Leser! 

Und auch schon ganz aufgeregt, ob sich der Journalismus gerade endgültig abschafft? Nach all den Meldungen in dieser Woche zum Thema Instant Articles könnte man meinen, das Schicksal des Journalismus sei nun final besiegelt: Facebook saugt das Internet in sich auf, Facebook beendet das Zeitalter der Links und bietet mit Instant Articles dem Journalismus einen faustischen Pakt. 

Martin Giesler
ist Journalist und Blogger. Er twittert unter @martingiesler. Sein Newsletter ist hier zu finden. 

Es ist quasi sinnfrei, an dieser Stelle all die vor apokalyptischen Szenarien nicht geizenden Artikel zu verlinken. Denn: Das ist alles ganz schön viel Tobak für einen Dienst, der vor gar nicht langer Zeit von genau dieser Branche in weiten Teilen bereits für tot erklärt wurde. 

Ohne starke Inhalte sind die Plattformen nichts wert, weil: Keine starken Inhalte, keine User, keine User, kein Geld.

Nun also alles ganz anders: Richtig, richtig mies sogar. Da kann ich Wolfgang Blau gut verstehen, wenn er in dieser Woche einmal ordentlich Dampf ablässt: Are You Fucking Kidding Me? 

Die einzigen Artikel, die man zu Facebooks Instant Articles wirklich gelesen haben sollte, sind diese drei: 

Ich kann die Sorge aus Angst um publizistische Vielfalt und die Marktmacht von Facebook gut nachvollziehen. Nach einer intensiven Beschäftigung mit der Dominanz von Facebook und anderen sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram und Co. komme ich allerdings zu drei ziemlich trivialen, aber folgenschweren Einsichten: 

  • Die Nutzer entscheiden darüber, welche Inhalte relevant und interessant sind  —  sicherlich müssen auch von Journalisten Themen gesetzt werden, aber die Zeit des klassischen Redakteur-Daseins ist vorbei. Journalisten können (endlich) nicht mehr am Interesse der Menschen vorbei arbeiten. 
  • Die Nutzer entscheiden darüber, wie und wo sie diese Inhalte abrufen  —  da können wir noch solange hergehen und uns darüber mokieren, dass die User nur noch bei Facebook abhängen. Wenn wir keine relevanten Gründe dafür liefern, dass sie täglich originär unsere Plattformen ansteuern, dann müssen wir schauen, wie wir unsere Inhalte ausgeliefert bekommen. 
  • Die Nutzer haben keine Angst vor «Datenkraken» — wie sonst ist es zu erklären, dass der NSA-Skandal zu keinen Protesten führt, jeder ein allumfassendes Tracking-Device in seiner Hosentasche hat und alle liebend gern ihre intimsten Gedanken auf irgendwelchen Servern für alle Ewigkeiten speichern lassen? 

Und in der Konsequenz daraus bin ich felsenfest überzeugt, dass wir mit dieser Entwicklung auch nicht bei Instant Articles stehenbleiben werden, im Gegenteil. Wir erleben doch bereits jetzt, wie sich Snapchat, Instagram, YouTube und all die anderen Plattformen um wertvolle, journalistische Inhalte bemühen. Der Grund dafür ist doch auch vollkommen klar: Ohne starke Inhalte sind die Plattformen nichts wert, weil: Keine starken Inhalte, keine User, keine User, kein Geld. 

Wir werden also auf vielen Ebenen eine starke Symbiose erleben von technologischen Plattformen und publizistischen Angeboten (lese dazu «Titanenkämpfe» von Christoph Kappes). Ob dabei wirklich alle Journalismus-Anbieter auf allen Plattformen im gleichen Umfang präsent sein werden, bleibt fraglich. Es hat für mein Dafürhalten bereits heute etwa nur einen überschaubaren Mehrwert, wenn sich Journalismus-Anbieter auf Instagram versuchen. 

Was allerdings klar ist: Wir werden Ressourcen umlagern müssen. Weg von Bereichen, deren Aufwand hoch und Ertrag gering ist, hin zu Bereichen, in denen die Reichweite klar gegeben ist. Wir kommen einfach keinen Meter voran, wenn wir romantisch den alten Zeiten hinterhertrauern.

Wer meint, dass sich der Journalismus gerade bei Instant Articles entscheiden würde, der sollte sich einmal mit der Funktion von Mobilfunkunternehmen beim Thema Gatekeeping beschäftigen.

Ich stehe wirklich nicht im Verdacht, ein naiver Facebook-Befürworter zu sein. Wir können uns allerdings nicht der Realität verweigern. 

Und übrigens: Wer meint, dass sich der Journalismus gerade bei Instant Articles entscheiden würde, der sollte sich einmal mit der Funktion von Mobilfunkunternehmen beim Thema Gatekeeping beschäftigen. Was dort passieren wird, respektive gerade verhandelt wird, ist der next-level-gatekeeping-shit, trust me :) 

Instant Coffee Grüsse, M»

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