YB-Fan nach Haft in England: «Ich habe im Stadion die Nerven verloren»
Wie schon öfter in der Vergangenheit ist Miro A. auch am 27. November 2025 mit den Young Boys auf Reisen. An diesem Abend steht für die Berner das Europa-League-Spiel auswärts bei Aston Villa an. Das Spiel in Birmingham wird nicht wegen der 1:2-Niederlage von YB in Erinnerung bleiben, sondern wegen Vorfällen mit Fans und Polizisten im Stadion.
An diesem Abend ändert sich das Leben des Fussballanhängers, als Donyell Malen kurz vor der Pause das 2:0 für die Engländer erzielt. Der Niederländer bejubelt den Treffer, wie schon seinen ersten, unweit der Berner Fans, die sich darob provoziert fühlen.
Der Sicherheitschef von YB habe ihn um Unterstützung gebeten, schildert Miro A. nun im «Sonntagsblick». «Er bat mich: Hilf mir, die Leute zu beruhigen.» Er sei in der Szene als besonnene, deeskalierende Stimme bekannt.
«Ich reagierte mit Faustschlägen»
Viele YB-Fans sind ausser sich vor Wut. Der Schiedsrichter bittet Captain Loris Benito, mit ihnen zu sprechen. Das macht er, doch es ist laut im Villa Park. «Wir verstanden ihn nicht», erzählt A. Sein Kollege, der Benito kenne, habe auf ihn zugehen wollen. Als er die Abschrankung zum Rasen habe überwinden wollen, hätten sich mehrere Uniformierte auf ihn gestürzt.
Er habe dieses Vorgehen gegen seinen Kumpel als sehr grob empfunden, sagt A. weiter. «Das führte fatalerweise dazu, dass ich ihm in dieser hektischen, komplett unübersichtlichen Situation zu Hilfe sprang. Ich reagierte mit Faustschlägen gegen die Beamten. Ich habe die Nerven verloren.» Es gebe nichts schönzureden, für seine Aktionen übernehme er die Verantwortung.
Gerichtsurteil ein Schock
Bei seiner Verhaftung seien die Polizisten unzimperlich mit ihm umgegangen. Ihm sei ins Gesicht getreten worden und man habe ihm mit einem Stock in den Rücken geschlagen. Nach 36 Stunden kam A. vor einen Schnellrichter und ging davon aus, dass er eine Geldstrafe erhalten würde. Doch der Richter entschied: Acht Wochen Gefängnis.
Der Urteilsspruch ist der Moment, in dem A. vor seinem gedanklichen Auge sieht, wie ihm sein ganzes Leben von einem Moment auf den anderen entglitten ist. «Was sagen meine Familie, die Schulleitung, meine Schülerinnen, das Dorf? Ich dachte: Okay, das war's. Mein Leben in Bern ist am Arsch.»
Aus dem Gefängnis und direkt in Ausschaffungshaft
Nach dreieinhalb Wochen wurde A. vorzeitig aus dem regulären Gefängnis entlassen. Doch die Erleichterung währte nur kurz: Statt die Heimreise antreten zu können, wurde er von den britischen Behörden in ein Ausschaffungsgefängnis überführt. Dort sass er weiter fest, bis er schliesslich Anfang Februar nach insgesamt neuneinhalb Wochen Haft in die Schweiz zurückkehren konnte.
Dort war sein Leben für ihn glücklicherweise nicht «am Arsch». Die Schulleitung stand zu Miro A., auch die meisten Eltern der Schüler und diese selber. Am Freitag gab die Gemeinde Fraubrunnen bekannt, dass der Lehrer seine Stelle behalten dürfe. Man wolle den Schülern zeigen, dass Fehler – selbst schwere – nicht ein ganzes Leben bestimmen müssen.
Das ist ganz im Sinn des 36-Jährigen. «Ich sagte den Kindern immer: Wenn du einen Seich machst, dann stehe hin, stehe dazu und bringe es wieder in Ordnung.» (ram)
