Gesellschaft & Politik
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Bild: AP

Trotz Krise

König Mugabe feiert sich und sein ausgezehrtes Land

Simbabwes Wirtschaft liegt am Boden - doch Robert Mugabe freut sich auf ein fröhliches Geburtstagsfest. Der Präsident wird sich zum 90. Geburtstag in einem Stadion von Tausenden Anhängern bejubeln lassen. 



«Ich bin schon oft gestorben, deshalb bin ich Christus überlegen. Er ist nur einmal gestorben und wieder auferstanden.»

Robert Mugabe

Auf sein hohes Alter und seine angeblich schweren Krankheiten angesprochen, reagiert der greise Mann schon seit längerem mit sehr eigenwilligem Humor: «Ich bin schon oft gestorben, deshalb bin ich Christus überlegen. Er ist nur einmal gestorben und wieder auferstanden», witzelte der Katholik jüngst. Zumindest in den gleichgeschalteten Staatsmedien braucht er keine Kritik zu fürchten.

Zahlen und Fakten zu Simbabwe. Quelle: Youtube/Arte

Im Unterschied zu früheren Geburtstagsfeiern hat Robert Mugabe, der seit 1980 sein Land mit eiserner Hand beherrscht, zumindest aus persönlicher Sicht Grund zu guter Laune. Wenn er sich am 21. Februar feiern lässt, darf sich der 90-Jährige zumindest international als politischer Sieger fühlen: Denn nach seinem Wahlsieg 2013 begegnet ihm der oft von ihm wüst beschimpfte Westen mit etwas mehr Nachsicht - das gilt zumindest für Europa, Washington bleibt unvermindert hart. 

Die Europäische Union, die Mugabe und seinen engsten Machtzirkel wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen mit Sanktionen belegt hat, scheint langsam umzudenken. Brüssel hatte die Sanktionen schon 2012 gelockert. Nun plant die EU die Aufhebung der Einreiseverbote für acht Personen, allerdings nicht für Mugabe und seine Frau. Trotzdem darf der Präsident im April am EU-Afrika-Gipfel in Brüssel teilnehmen, wie Diplomaten in Harare berichten.

Anhänger von Mugabe während des Wahlkampfes 2013 in Harare. Bild: AP

Simbabwes Wirtschaft

Simbabwe besitzt fruchtbare Böden, reichhaltige Bodenschätze (Gold, Platin, Diamanten, Kupfer, Nickel, Chrom, Kohle und seltene Erden) sowie touristisch interessante Naturschönheiten wie die Victoria-Fälle und das Sambesi-Tal. Damit verfügt das Land über ein beachtliches wirtschaftliches Potential. Bis Mitte der 1990er Jahre florierten Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus. Seit Ende der 1990er Jahre nutzte Simbabwe dieses Potential jedoch immer weniger. Die Wirtschaft ist von 1998 bis 2008 um etwa die Hälfte geschrumpft, allein 2008 um weitere 14 Prozent. Ende 2008 waren aufgrund von Hyperinflation, Devisenknappheit, fehlenden Investitionen, Import- und Exportrestriktionen und Energieknappheit alle Wirtschaftsbereiche nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Die Arbeitslosenquote lag bei über 80 Prozent. (sza) 

Den Europäern genügen friedliche Wahlen

Ein ranghoher europäischer Diplomat in Pretoria beklagt den Kursschwenk bitter: «Offenbar genügen uns Europäern schon friedliche Wahlen, um weich zu werden. Wahlbetrügereien und die alltägliche Willkür des Staates gegen die Bürger interessieren wohl nicht mehr.» Die Opposition in Simbabwe hatte im Sommer von einem «gigantischen Wahlbetrug» gesprochen. Die internationalen Beobachter von SADC und EU sahen aber eine weitgehend freie und friedliche Abstimmung.

«Offenbar genügen uns Europäern schon friedliche Wahlen, um weich zu werden. Wahlbetrügereien und die alltägliche Willkür des Staates gegen die Bürger interessieren wohl nicht mehr.»

Europäischer Diplomat

Mugabe kann triumphieren, obwohl der frühere Freiheitskämpfer und Chef der Zanu-PF sein einst blühendes Land in den 34 Jahren seiner Herrschaft in den wirtschaftlichen Ruin geführt hat. Millionen Simbabwer sind seither geflohen. Auch in Afrika geniesst der Staatschef des südostafrikanischen Binnenlandes inzwischen wieder neuen Respekt. Bei der Generalversammlung der Afrikanischen Union (AU) wurde er jüngst zum Vize-Vorsitzenden gewählt. Im August soll er für ein Jahr den Vorsitz der südafrikanischen Staatengemeinschaft SADC übernehmen.

«Simbabwe ist ökonomisch am Ende, und es wird alles noch viel schlechter werden.»

EU-Botschafter Roeland van de Geer

Robert Mugabe – Der «Anti-Imperialist»

Südafrikas Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat Mugabe einst den Prototyp des afrikanischen Diktators genannt – einen in die eigene Macht verliebten Potentaten. Mugabe selbst sieht sich eher als «Anti-Imperialist». Für viele Afrikaner ist Mugabe ein Held. Obwohl der 90-Jährige Simbabwe fast im Alleingang ruiniert hat, ist er für viele Afrikaner immer noch jene Leaderfigur, die den Weissen die Stirn bietet. Am 22. August 2013, zwei Tage nachdem das Verfassungsgericht die Präsidentenwahl für rechtmässig erklärt hatte, wurde Mugabe für eine fünfjährige Amtszeit zum siebten Mal zum mächtigsten Mann im Staat. (sza)

Gegen die «Achsen des menschlich Bösen»

Der «Anti-Imperialist», wie Mugabe sich noch immer sieht, kann sein fragwürdiges Wirken im Namen «afrikanischer Unabhängigkeit» also quasi ungehindert fortsetzen. «Präsident Mugabe wird weiter gegen die Achse des menschlich Bösen, für das manche westlichen Regierungen stehen, kämpfen», heisst es blumig-vage auf der Internetseite seiner Partei. Dies lässt den EU-Botschafter in Südafrika, Roeland van de Geer, sorgenvoll in die Zukunft schauen: «Simbabwe ist ökonomisch am Ende, und es wird alles noch viel schlechter werden.»

Nahrungsmittel wie Mais, Brot, Zucker und Öl sind kaum mehr erhältlich. Ungünstige klimatische Verhältnisse sollen demnach genauso dazu beigetragen haben wie die umstrittene Landreform von Präsident Robert Mugabe. Bild: EPA

Schon jetzt hängen zwei der zwölf Millionen Simbabwer von internationaler Lebensmittelhilfe ab. Die wenigen Exporterlöse für Diamanten oder Tabak kommen vor allem der kleinen Schicht um den Clan Mugabes zugute. Der Autokrat will die Wirtschaft trotz schlechter Erfahrungen weiter nationalisieren. Der greise Präsident wird sich durch das Massenelend in seinem Land kaum an rauschenden Geburtstagsfeiern hindern lassen - Hinweise, dass er vor seinem Dahinscheiden von der Macht lässt, gibt es nicht. (sza/sda)

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