Griechenland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04626087 Greek Prime Minister Alexis Tsipras looks on during a roll call vote for the election of the new President of the Republic at the parliament in Athens, Greece, 18 February 2015. Prime Minister Alexis Tsipras, on 17 February, nominated former New Democracy minister Prokopis Pavlopoulos for presidential candidate. New Democracy and Independent Greeks said that they will support Pavlopoulos' candidacy.  EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Der Regierungschef Griechenlands: Alexis Tsipras. Bild: EPA/ANA-MPA

Schuldenkrise

Was will Griechenland genau? Hilfsantrag auf heute verschoben



Im griechischen Schuldendrama lässt Athen die europäischen Geldgeber weiter im Unklaren. Der für Mittwoch angekündigte Antrag auf eine Verlängerung von Hilfen verschiebt sich auf heute Donnerstag. Offen bleibt zudem, ob Griechenland nun bereit ist, die Auflagen der Geldgeber zu akzeptieren.

«Der Antrag wird morgen gestellt», sagte der Chef der kleinen Oppositionspartei «To Potami», Stavros Theodorakis, am Mittwoch im Staatsfernsehen. Zuvor hatte er ein Treffen mit dem linken Regierungschef Alexis Tsipras.

Stavros Theodorakis, leader of the political party To Potami (The River) talks during a news conference in central Athens, Wednesday, Jan. 21, 2015. To Potami was founded last February by Theodorakis, a Greek popular TV journalist. Weekend opinion polls showed Potami will be the third party.Greek voters go to the polls on Sunday as the popular left-wing Syriza party is poised to defeat conservative Prime Minister Antonis Samaras according the last opinion polls. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Stavros Theodorakis. Bild: Lefteris Pitarakis/AP/KEYSTONE

Dessen Regierungssprecher Gavriil Sakellarides hatte noch am Morgen im griechischen Fernsehen gesagt: «Wir werden heute den Brief schicken.» In griechischen Regierungskreisen hiess es, das Sparprogramm gelte nicht. Was das genau bedeute, wollten die Quellen in Athen allerdings nicht erläutern.

Flexibilisierung liegt drin

Die Zeit wird knapp: Am 28. Februar läuft das aktuelle Hilfsprogramm der Europäer aus. Die EU-Kommission äusserte sich beunruhigt über die Lage Griechenlands.

«Wir sehen, dass die finanzielle und wirtschaftliche Situation nicht besser wird, im Gegenteil, wir sehen besorgniserregende Tendenzen», sagte der für den Euro zuständige EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis in Brüssel. Die Richtung sei «nicht positiv».

epa04625273 Latvia's Valdis Dombrovskis, European Commission Vice-President in charge of the Euro and Social Dialogue, arrives for a press conference at the EU Commission headquarters, in Brussels, Belgium, 18 February 2015. Dombrovski presented the outcome of the European commission weekly meeting.  EPA/OLIVIER HOSLET

Valdis Dombrovskis. Bild: OLIVIER HOSLET/EPA/KEYSTONE

Dombrovskis sagte Athen zu, eine Erweiterung des laufenden Programms sei ebenso möglich wie eine gewisse Flexibilisierung. Allerdings betonte er auch, dass Griechenland zu seinen Zusagen stehen müsse.

Die laute Kritik Junkers

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kritisierte die internationale Gläubiger-Troika am Mittwoch ungewöhnlich deutlich. «Man hat wirklich gegen die Würde der Völker verstossen, gerade in Griechenland», sagte er vor dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, der ein Beratungsgremium der EU ist.

«Es hat Fehler gegeben, klar.» Da er zu der Zeit Chef der Eurogruppe gewesen sei, müsse er sehr selbstkritisch sein. Der Luxemburger deutete zudem an, für seine Behörde mehr Mitspracherechte einzufordern.

Jean Claude Junker makes a statement on the provisional results of the European elections in Brussels May 25, 2014. REUTERS/Eric Vidal (BELGIUM - Tags: POLITICS ELECTIONS)

Jean-Claude Juncker fand klare Worte. Valdis DombrovskisBild: ERIC VIDAL/REUTERS

«Es müssen Gespräche auf Augenhöhe geführt werden. Minister reden mit Ministern und nicht mit hohen Beamten, sondern dann vielleicht mit EU-Kommissaren.» Zu den aktuellen Verhandlungen mit Griechenland wollte sich Juncker nicht äussern.

Säumige Steuerzahler

Nach Informationen der griechischen Finanzpresse sind vor allem säumige Steuerzahler dafür verantwortlich, dass die Staatskasse des hoch verschuldeten Landes ausblutet.

Wie die konservative Zeitung «Kathimerini» berichtet, soll Athen nur noch Geld bis spätestens Anfang März haben, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die Steuereinnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück. Allein im Januar summierten sich die Ausfälle auf 1 Mrd. Euro, hiess es.

Am Vortag hatte die Notenbank (Bank of Greece) mitgeteilt, die Regierung habe im Januar ein Defizit von 217 Mio. Euro verbucht, nach einem Überschuss von 603 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Zehntausende Bürger hätten ihre Steuern nicht gezahlt. Viele hätten auf Steuererleichterungen nach dem Sieg der Linkspartei Syriza gehofft, schreiben übereinstimmend griechische Wirtschaftsblätter.

Die USA rufen zu einer Einigung auf

Die USA riefen Griechenland dringend zu einer Einigung mit den anderen Euroländern im Schuldenstreit auf. US-Finanzminister Jacob Lew ermahnte seinen griechischen Kollegen Giannis Varoufakis in einem Telefonat am Mittwoch, «in Partnerschaft mit Europa und dem Internationalen Währungsfonds» einen «konstruktiven Weg» zu finden, um auf der «existierenden Grundlage» Wachstum und Reformen voranzubringen.

U.S. Treasury Secretary Jacob Lew attends a joint press conference with Indian Finance Minister Arun Jaitley in New Delhi, India, Thursday, Feb. 12, 2015. Lew is on a two-day visit to the country. (AP Photo/Saurabh Das)

Jacob Lew. Bild: Saurabh Das/AP/KEYSTONE

Nach Angaben des US-Finanzministeriums warnte Lew in dem Gespräch, dass Griechenland ohne eine Einigung «sofort» in eine wirtschaftliche Notlage abzurutschen drohe. Die «Unsicherheit» über die Zukunft des hochverschuldeten Landes sei nicht gut für Europa. «Die Zeit drängt», erklärte Lew.

Das derzeitige Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende Februar aus, ohne neue Unterstützung stünde Athen vor dem Bankrott. Streitpunkt in den Verhandlungen mit den Geldgebern sind vor allem die mit neuem Geld verbundenen Auflagen. Das in Athen regierende Linksbündnis Syriza hatte seinen Wählern versprochen, die mit der EU und dem IWF vereinbarten harten Sparmassnahmen zu beenden.

Die EZB lässt den Geldhahn offen - vorerst

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte den Geldhahn für griechische Banken vorerst offen lassen. Wie am Mittwochabend aus Notenbankkreisen verlautete, hat die EZB den Rahmen für Notkredite («Emergency Liquidity Assistance»/ELA) für griechische Banken erneut erhöht - von 65 auf 68.3 Milliarden Euro. Das aktuelle ELA-Hilfsprogramm laufe über zwei Wochen.

Hintergrund ist die angespannte Lage der griechischen Banken, die zunehmend unter Mittelabflüssen in Milliardenhöhe leiden, weil Bürger und Unternehmen wegen der ungewissen Zukunft ihre Konten leerräumen. (feb/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Was läuft da eigentlich in Italien? Alles zur Regierungskrise in 6 Punkten

Mamma mia! In Italien ist wieder mal mächtig was los. Renzi attackiert, Conte geht, Salvini steht bereit, Mattarella berät. Ein Überblick über das italienische Polittheater.

Die politische Karriere von Giuseppe Conte ist schwindelerregend steil. Kometenhaft steigt er vom unbekannten Rechtsprofessor zum Premierminister von Italien auf. Von der farblosen Marionette avanciert er zum populärsten Politiker Italiens. Zweieinhalb Jahre nach Amtsantritt steht Conte nun vor seiner dritten Regierungsbildung. Wird er ein weiteres Mal an der Spitze einer zerrütteten Koalition stehen? Ein Überblick über die Regierungskrise in Italien.

Nachdem die Fünf-Sterne-Partei und die Lega …

Artikel lesen
Link zum Artikel