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Tierisch gut: Auch die Blutspenden von Schnurrli und Fido retten Leben

Eine Blutspende kann Leben retten – das gilt auch für Haustiere. Die Tierklinik Aarau West baut deshalb eine Blutbank für Hunde und Katzen auf.

Von Ursula Känel / Aargauer Zeitung



Boomer, ein stattlicher Belgischer Schäferhund, 30 Kilogramm schwer und mit riesigen Ohren, liegt auf dem Behandlungstisch und klopft mit der Rute auf die Tischplatte. Die medizinischen Praxisassistentinnen Alessia Torti und Christine Dietiker halten Boomer fest.

Der Vierbeiner bleibt auch dann gelassen liegen, als sich Tierärztin Flurina Salis mit der surrenden Schermaschine seinem Hals nähert und einen Büschel Haare wegrasiert. Dann greift die Tierärztin zur Infusionsnadel, an der ein langer dünner Schlauch befestigt ist, und sticht mit geübtem Griff in die Halsvene.

Boomer zuckt kurz zusammen und wird umgehend von vier Händen gestreichelt. Innerhalb von knapp zehn Minuten füllt sich der angehängte Transfusionsbeutel mit Blut.

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Tierische Spende: Tierärztin Flurina Salis zäpft Schäferhund Boomer  knapp 450 Milliliter Blut ab.
bild: ursula känel

Während im Behandlungszimmer der Oberentfelder Tierklinik Aarau West die tierische Blutspende läuft, steigt draussen Marcelle Engeli mit ihrer sechsjährigen Sheltiehündin Milu aus dem Auto. Milu ist krank. Sie leidet an Blutarmut, im Fachjargon spricht man von einer «immunbedingten hämolytischen Anämie».

Die roten Blutkörperchen werden durch die eigene Immunabwehr zerstört. Unbehandelt verläuft diese Krankheit tödlich. Milus Zustand ist kritisch, sie benötigt dringend Blut. Boomers Blut.

Rettung für verunfallte Katzen

Auch bei Haustieren kann eine Bluttransfusion Leben retten. Das sagt Tierarzt Stefan Schellenberg.

Nicht nur bei Autoimmunerkrankungen ist eine Bluttransfusion die Rettung; auch bei Unfällen, grossen Operationen, Krebserkrankungen, Vergiftungen mit Rattengift oder schweren Infektionskrankheiten. «Oft überweisen uns andere Tierärzte Fälle mit hochgradiger Blutarmut, da sie selber keine Bluttransfusionen machen», so Stefan Schellenberg.

Gerettet werden könne so auch eine Katze, die nach einem Autounfall viel Blut verloren hat, für eine Operation mit Narkose aber zu instabil ist und darum präoperativ erst eine Bluttransfusion benötigt.

Erst zentrifugieren, dann lagern

Das Problem bei der Bluttransfusion: Unbehandelt kann man Blut nicht für längere Zeit aufbewahren. Deshalb baut die Oberentfelder Tierklinik eine professionelle Blutbank auf. Dazu wird demnächst eine Zentrifuge angeschafft, mit der das gespendete Blut aufgetrennt werden kann.

Die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, sind im Kühlfach knapp einen Monat lang haltbar; das Blutplasma im Gefrierfach etwa ein Jahr. Stefan Schellenberg: «Ziel ist, dass wir dereinst über eine Kartei mit vierbeinigen Spendern verfügen, die regelmässig bei uns in der Klinik vorbeikommen.»

Bisher kamen als Blutspender hauptsächlich die Haustiere der Klinik-Angestellten zum Einsatz. Boomer ist einer davon. Für dessen Besitzerin, die medizinische Praxisassistentin Alessia Torti, ist klar: «Ich würde ihn auch für eine weitere Spende zur Verfügung stellen, wenn wir dadurch einem kranken Tier helfen können. Vielleicht sind wir selber ja auch einmal froh darum.»

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Notfall-Patient Milu erhält umgehend Boomers Blut.
bild: Ursula känel

Boomer hat übrigens nach der Blutspende einen Napf voll Futter erhalten. Eine Infusion, die an seinem Vorderbein befestigt ist, sorgt dafür, dass sein Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht kommt. Dem Hund ist ansonsten nichts anzumerken: Er sitzt im Behandlungsraum, spitzt seine riesigen Ohren und beobachtet neugierig das Kommen und Gehen.

Nichts für Leichtgewichte

Für den geplanten Aufbau der Blutbank sucht die Tierklinik Aarau West nun vierbeinige Blutspender. «Diese sollten nicht älter als sieben Jahre sein und sich bei der Blutentnahme kooperativ zeigen», sagt Stefan Schellenberg.

«Bedingung ist, dass der Hund ohne Narkose rund zehn Minuten ruhig auf dem Behandlungstisch liegen kann.» Zudem müsse der Hund über 23 Kilogramm wiegen.

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Wohlauf: Boomer nach der Blutspende für Notfall-Patient Milu.
bild: ursula känel

«Das Gewicht ist entscheidend, da das Blut in den gleich grossen Transfusionsbeuteln aufbewahrt wird, die beim Menschen zum Einsatz kommen.» Stefan Schellenberg: «Dem Vierbeiner werden mindestens 300 bis maximal 450 Milliliter Blut abgezapft.»

Ein kleiner Hund wie ein Chihuahua wäre deshalb ein denkbar schlechter Blutspender: Diese zu spendende Blutmenge entspricht dem ganzen Blut des Hundes. (aargauerzeitung.ch)

Noch mehr Hund: Hundebesitzer mimen vor der Kamera ihre Vierbeiner nach

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