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Afghanische Taliban schreiben Frauen wieder Ganzkörperschleier vor

Afghanische Taliban schreiben Frauen wieder Ganzkörperschleier vor

07.05.2022, 16:37
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Die in Afghanistan regierenden militant-islamistischen Taliban haben Frauen vorgeschrieben, in der Öffentlichkeit einen Ganzkörperschleier zu tragen. Der Tschadori - eine von Kopf bis Fuss reichende Burka - sei die beste Form der islamischen Verschleierung, hiess es am Samstag in einer Anordnung des Ministeriums für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters. Mit Ausnahme junger Mädchen und Älterer müssten Frauen ihr Gesicht bedecken, um «Provokationen» bei der Begegnung mit fremden Männern zu vermeiden.

Die in Afghanistan häufig blaue Vollverschleierung mit einem Gitter vor dem Blickfeld war bereits unter der Taliban-Herrschaft bis zum Einmarsch der westlichen Truppen 2001 für Frauen vorgeschrieben. Bei der erneuten Machtübernahme der Taliban im vergangenen Sommer hatte ein Taliban-Sprecher die Frage, ob von Frauen in Afghanistan künftig erwartet werde, dass sie Burka trügen, aber etwa noch verneint.

Vom Minirock zur Burka – Frauen in Afghanistan

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Vom Minirock zur Burka – Frauen in Afghanistan
Kabul 1972: Studentinnen in Miniröcken sind im Neubauviertel Shar-e-Naü unterwegs. Eine dünne städtische Oberschicht in Afghanistan übernahm westlichen Lebensstil und westliche Kleidung.
quelle: laurence brun /gamma-rapho via getty images
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Im Februar hatten die Taliban bereits angeordnet, dass weibliche Regierungsangestellte einen Hidschab tragen müssten. In Afghanistan tragen die meisten Frauen üblicherweise ein Kopftuch als Hidschab. Ältere Frauen oder Frauen in ländlichen Gebieten tragen zudem eine Burka, wenn sie das Haus verlassen.

Seit ihrer Rückkehr an die Macht haben die Taliban immer strengere Vorschriften für das öffentliche Leben erlassen. So sollen Frauen ohne männliche Begleitperson nicht weiter als 45 Meilen (etwa 72 Kilometer) reisen. Mädchen dürfen keine weiterführenden Schulen besuchen, Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Während der ersten Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 waren Frauen und Mädchen praktisch vollständig von Bildung und Arbeit ausserhalb ihres Hauses ausgeschlossen. Westliche Länder machen eine Anerkennung der Taliban-Regierung unter anderem von Fortschritten bei Frauenrechten abhängig.

(sda/dpa)

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Hidschab & Co. – Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka
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Hidschab & Co. – Verhüllungen vom Kopftuch bis zur Burka
Hidschab: Wird vor allem als Bezeichnung für ein Kopftuch verwendet, das Haar und Ohren vollständig bedeckt, das Gesicht indes frei lässt. Meist werden zusätzlich die Halsregion, der Ausschnitt und eventuell die Schultern bedeckt.
quelle: shutterstock
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«Dinge, die man einer Burka-tragenden Frau nicht sagen sollte»
Video: watson
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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schlaf
07.05.2022 22:13registriert Oktober 2019
Schon fraglich wie man drauf sein muss, um sich rein durch den Anblick einer Frau provozieren zu lassen.

Arme Würstchen, dieses talibanische Gesocks und alle Gleichgesinnten.
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Garp
07.05.2022 19:31registriert August 2018
Die Schweiz soll sofort die Beziehungen abbrechen oder massiv Druck machen! Es war eh eine Schande wurden die Taliban in der CH empfangen. Die ändern sich nie!
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Der Eggu
07.05.2022 21:29registriert Januar 2017
Mit Volldampf zurück ins Mittelalter... Und es gibt niemanden, die diese rückständige "Regierungs"-Clique daran hindert, ihr böses Unwesen zu treiben. Statt MIT ihren Frauen ein neues Afgahanistan aufzubauen, fahren sie dieses Land GEGEN ihre Frauen ungebremst an die Wand. Diese "Männer" sind soo rückständig und stur, dass es kaum Worte dafür gibt. Was sie treiben, ist genährt von Frauen-Hass und Frauen-Verachtung, in diesem Sinne ist dieses "Regieren" zutiefst rassistisch. Nach meiner persönlichen Ansicht sogar verbrecherisch.
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