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Machtkampf in Kabul: USA streichen eine Milliarde

Die US-Regierung handelte ein Abkommen mit den Taliban aus. Gleichzeitig tobt in der afghanischen Regierung ein Machtkampf. Den will die US-Regierung nun beenden – indem sie den Geldhahn zudreht.



Wegen des Machtkampfs in der Regierung in Kabul streicht die US-Regierung Afghanistan eine Milliarde Dollar an Hilfsgeldern. Nach einem Besuch in Kabul teilte US-Aussenminister Mike Pompeo am Montagabend (Ortszeit USA) mit, der Machtkampf «hat den amerikanisch-afghanischen Beziehungen geschadet und entehrt traurigerweise jene Afghanen, Amerikaner und Koalitionspartner, die ihr Leben und ihre Finanzen im Kampf für den Aufbau einer neuen Zukunft für dieses Land geopfert haben». Pompeo drohte zugleich damit, die Hilfsgelder im kommenden Jahr um eine weitere Milliarde Dollar zu reduzieren.

epa08266360 Afghan President Ashraf Ghani speaks to supporters in Jalalabad, Afghanistan, 03 March 2020. Reports state Ghani says his government has not pledged to free Taliban prisoners, as declared in an agreement reached by the US and Taliban officials. The agreement included cease-fire, withdrawal of foreign forces, intra-Afghan negotiations and counterterrorism assurances.  EPA/GHULAMULLAH HABIBI

Aschraf Ghani Anfang März in Kabul. Bild: EPA

Hintergrund ist der Streit zwischen dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani und seinem ehemaligen Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah. Abdullah war bei der Präsidentschaftswahl im September 2019 gegen Ghani angetreten. Beide beanspruchen den Sieg für sich.

Die Wahlkommission hatte Ghani im Februar mit 50.64 Prozent der Stimmen zum Sieger erklärt. Danach setzte Ghani Abdullah als Regierungsgeschäftsführer ab. Pompeo war am Montag in Kabul sowohl mit Ghani als auch mit Abdullah zusammengekommen.

U.S. Secretary of State Mike Pompeo, left, stands with Abdullah Abdullah the main political rival of President Ashraf Ghani at the Sepidar Palace, in Kabul, Afghanistan, Monday, March 23, 2020. Pompeo was in Kabul on an urgent visit Monday to try to move forward a U.S. peace deal signed last month with the Taliban, a trip that comes despite the coronavirus pandemic, at a time when world leaders and statesmen are curtailing official travel. (Sepidar palace via AP)
Mike Pompeo,Abdullah Abdullah

Mike Pompeo und Abdullah Abdullah am Montag in Kabul. Bild: AP

Bereits nach der Präsidentenwahl 2014 hatten die beiden Rivalen über den Sieg im Streit gelegen. Als Kompromiss wurde damals mit Vermittlung der USA nach Monaten eine Einheitsregierung gebildet.

Die USA und die Taliban - die die afghanische Regierung bekämpfen - hatten Ende Februar ein Abkommen unterzeichnet, das einen schrittweisen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan vorsieht. Zugleich soll es den Weg für innerafghanische Friedensgespräche ebnen.

Pompeo teilte am Montagabend mit, Ghani und Abdullah hätten ihm deutlich gemacht, dass sie sich dieses Mal nicht auf eine Einheitsregierung hätten verständigen können. Die USA seien darüber enttäuscht. «Die Vereinigten Staaten sind weiterhin überzeugt, dass eine politische Einigung die einzige Lösung des Konflikts ist.»

Bei seiner Rückreise traf Pompeo im Golfemirat Katar auch den Taliban-Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar. Beide Seiten hätten in Doha die innerafghanischen Gespräche und einen dauerhaften Waffenstillstand angesprochen, hiess es in einer Mitteilung der Taliban.

Am Sonntag hatten Vertreter der afghanischen Regierung und der militant-islamistischen Taliban zwei Stunden über einen geplanten Gefangenenaustausch unter Vermittlung der USA und Katars in einer Videokonferenz diskutiert. Der Gefangenenaustausch sorgt seit Tagen für Streit zwischen der Regierung und den Taliban.

Die Taliban hatten am 29. Februar in Doha mit den USA ein Abkommen unterzeichnet. Die Freilassung von Gefangenen war laut Abkommen Vorbedingung für die Gespräche. Diese sollten ursprünglich am 10. März beginnen, kamen aber bisher nicht zustande. (sda/dpa)

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