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A farmer's son cries out as he is surrounded by desert locusts while trying to chase them away from his crops, in Katitika village, Kitui county, Kenya Friday, Jan. 24, 2020. Desert locusts have swarmed into Kenya by the hundreds of millions from Somalia and Ethiopia, countries that haven't seen such numbers in a quarter-century, destroying farmland and threatening an already vulnerable region. (AP Photo/Ben Curtis)

Kenia erlebt die schlimmste Heuschreckenplage seit 70 Jahren. Bild: AP

Wirbelstürme und Krieg haben den Heuschrecken den Weg bereitet

Die gefrässigen Insekten sind weiterhin auf dem Vormarsch. Die Welternährungsorganisation zeigt sich besorgt.

Niklaus Salzmann / ch media



Eine Wüstenheuschrecke frisst gerade Mal zwei Gramm pro Tag. Doch ihre Schwärme sind so gross, dass sie zur verheerenden Plage werden können. In Kenia, Äthiopien und Somalia, im Süden der arabischen Halbinsel sowie in Pakistan und Indien fressen sie die Felder leer. Somalia und Pakistan haben den Notstand ausgerufen.

«Das ist ein sehr seltenes Phänomen», sagte Keith Cressman, Heuschreckenexperte der Welternährungsorganisation, gegenüber CBS News. «Aber wenn es auftritt, wird es extrem bedrohlich für die Ernährungssicherheit.» Das Risiko sei sehr hoch, dass in den nächsten Tagen Schwärme in weiteren Ländern wie Uganda auftauchen würden.

Die Insekten fressen dabei nicht nur direkt den Menschen die Nahrung – zum Beispiel Hirse – weg, sondern räumen auch die Weiden der Nutztiere kahl. Sie werden nun hauptsächlich von Flugzeugen aus mit Pestiziden bekämpft.

Bild

grafik: ch media

Heuschreckenplagen kommen mindestens seit dem Altertum immer wieder vor, im Alten Testament ist eine Invasion in Ägypten beschrieben. Während bei anderen Insekten – etwa Maikäfern – die Bestände einem mehr oder weniger regelmässigen Zyklus folgen, sind Prognosen bei der Wüstenheuschrecke kaum möglich, da die Entwicklung vom Wetter gesteuert wird. Die letzten grossen Plagen hatte es in den Achtziger- und Sechzigerjahren gegeben.

Die Insekten profitierten von Wirbelstürmen

Meist führen Wüstenheuschrecken ein harmloses einzelgängerisches Dasein in Wüsten und Halbwüsten. Nur selten finden sie ein feuchtes Stückchen Erde, in das sie ihre Eier legen können. Wenn Larven schlüpfen, braucht es nochmals Regen, der Grünes spriessen lässt, von dem sie sich ernähren können. Sie entwickeln sich dann innert einigen Wochen zu ausgewachsenen Heuschrecken mit Flügeln. Nur bei üppigem Nahrungsangebot vermehren sie sich stark und bilden Schwärme.

A desert locust sits on a maize plant at a farm in Katitika village, Kitui county, Kenya Friday, Jan. 24, 2020. Desert locusts have swarmed into Kenya by the hundreds of millions from Somalia and Ethiopia, countries that haven't seen such numbers in a quarter-century, destroying farmland and threatening an already vulnerable region. (AP Photo/Ben Curtis)

Ein einzelnes Tier ist harmlos, im Schwarm kann die Wüstenheuschrecke dem Menschen gefährlich werden, indem sie seine Ernte zerstört. Bild: AP

Die aktuelle Plage nahm ihren Anfang im Jahr 2018, als Wirbelstürme vom Indischen Ozean aus Regen in die Wüste Arabiens brachten. Im Jemen wurden die Insekten wegen des Bürgerkriegs kaum bekämpft. Im vergangenen Jahr überquerten sie das Rote Meer und tauchten in Äthiopien und Somalia auf.

Dort sind die Winter in der Regel trocken, was die Heuschreckenbestände eindämmt. Doch erneut kam ihnen ein Wirbelsturm zu Hilfe. Im Dezember brachte er den Regen, den sie zum Brüten brauchten.

Heuschrecken in Zahlen

Bis 7.5 cm gross sind ausgewachsene Wüstenheuschrecken.
20-mal grösser kann ein Heuschreckenbestand innert dreier Monate werden, wenn die Bedingungen gut sind.
50 Millionen Insekten fliegen auf einem Quadratkilometer in einem Schwarm. Ein einzelner Schwarm kann mehrere hundert Quadratkilometer gross sein.
150 Kilometer können die Heuschrecken mit dem Wind pro Tag fliegen.
20 Prozent des gesamten Landes weltweit kann während einer Heuschreckenplage betroffen sein. (aargauerzeitung.ch)

Äthiopien und Somalia erleben die schlimmsten Heuschreckenplage seit 25 Jahren, in Kenia war es zuletzt vor 70 Jahren so gravierend. Bei der aktuellen Plage soll ein Schwarm in Kenia 40 Kilometer lang und 60 Kilometer breit gewesen sein, was mehreren Milliarden Insekten entspricht.

Von allen Wanderheuschreckenarten wird die Wüstenheuschrecke am meisten gefürchtet, da ihre Bestände sehr rasch anwachsen können und sie bei günstigem Wind grosse Strecken zurücklegt. In früheren Jahrhunderten wurde auch Mitteleuropa hin und wieder von Heuschreckenplagen heimgesucht.

Die Europäische Wanderheuschrecke ist aber inzwischen in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Die Feuchtgebiete und sandigen Wiesen, die sie für ihre Vermehrung braucht, sind im 20. Jahrhundert der Landwirtschaft gewichen.

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Heuschreckenplage in Ostafrika

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ninibu 06.02.2020 10:47
    Highlight Highlight marokko hatte die auch
    lösung: die marokkaner fingen an die heuschrecken zu essen
    schmecken supper mit honig plus kann man sie auch als tiernahrungsmittel verwenden. mit pestizieden rottet man gleich alle anderen insekten mit aus.
  • Pümpernüssler 06.02.2020 08:53
    Highlight Highlight Gratis Protein fliegt umher und keiner kommt auf die Idee, die zu essen?
  • Citizen321 06.02.2020 08:39
    Highlight Highlight Wieso nicht einfach die Heuschrecken essen? Sollen ja sehr reichhaltig sein.
  • sir_kusi 06.02.2020 08:29
    Highlight Highlight „Pech gehabt“, würden die Trinkwasserinitiative-Befürworter wohl sagen. Oder was wäre ihr Plan bei einem solchen Szenario?
  • Glücksbringer 06.02.2020 07:23
    Highlight Highlight Heuschrecken kann man essen. Hab selber schon viele gegessen. Gegrillt schmecken sie sehr gut und sie sind sehr nahrhaft.
  • Domimar 06.02.2020 06:21
    Highlight Highlight Durch welchen natürlichen Umstand verschwinden sie wieder? Wenn es nichts mehr zu Essen gibt? Wenn es zu Heiss ist?
    • Hosesack 06.02.2020 07:42
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