International
Afrika

Krieg in Äthiopien tobt weiter – jetzt droht eine humanitäre Krise

Krieg in Äthiopien tobt weiter – jetzt droht eine humanitäre Krise

12.11.2020, 10:0212.11.2020, 13:55
Mehr «International»
FILE - In this Tuesday, May 12, 2013 file photo, Egyptian Army soldiers patrol in an armored vehicle backed by a helicopter gunship during a sweep through villages in Sheikh Zuweyid, north Sinai, Egyp ...
Die Offensive gegen Tigray vertreibt Tausende.Bild: AP/AP

Wegen der andauernden Militäroffensive der Regierung von Äthiopien gegen die Regierungspartei der Region Tigray warnen Helfer vor einer humanitären Katastrophe. «Tigray ist von allen Nachschubwegen abgeschottet», sagte der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Äthiopien, Matthias Späth, der Deutschen Presse-Agentur. In der Region im Norden Äthiopiens gebe es ohnehin mindestens 600 000 chronisch mangelernährte Menschen; diese – sowie der Rest der Bevölkerung dort – seien nun für Helfer nicht erreichbar. Man könne nur mutmassen, wo die schweren Kämpfe stattfänden und wo Hilfskorridore eingerichtet werden könnten, sagte Späth und betonte: Daher «gehen wir vom Schlimmsten aus».

Äthiopiens Regierung hatte nach Monaten der Spannungen mit der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vor einer Woche eine Offensive gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei von Tigray begonnen. Wenig ist über die Lage vor Ort bekannt, da Internet und Telefonverbindungen unterbrochen und laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Strassen blockiert und die Stromversorgung gekappt sind.

Dem UNHCR zufolge sind bereits 7000 Menschen ins Nachbarland Sudan geflüchtet. «Wir gehen davon aus, dass grosse Ströme von Tigray nach Amhara und Afar schwappen», sagte Späth mit Blick auf die zwei an Tigray angrenzenden äthiopischen Regionen. Die Welthungerhilfe versuche sich darauf vorzubereiten, indem etwa Auffanglager identifiziert würden. In Tigray leben laut des UN-Nothilfebüros ohnehin rund 200 000 Binnenflüchtlinge und Flüchtlinge. Die Welthungerhilfe ist Späth zufolge nicht direkt in Tigray im Einsatz, allerdings in den Regionen Amhara und Afar. Und die Welthungerhilfe sei in Netzwerken mit anderen Organisationen verbunden, die in Tigray aktiv seien.

Die TPLF war die dominante Partei in der Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regierte. Doch als Regierungschef Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam, entfernte er im Zuge von Reformen viele Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei ohne die TPLF. Die TPLF und viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und wünschen sich grössere Autonomie. Unter Abiy – der im Vorjahr den Friedensnobelpreis erhielt – haben die ethnischen Konflikte in dem Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern zugenommen. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
Mindestens 16 Tote bei Hochhausbrand in China
Bei einem Hochhausbrand in China kommen mindestens 16 Menschen ums Leben.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, brach das Feuer am Mittwochabend (Ortszeit) in einem 14-stöckigen Gebäude in der südwestchinesischen Stadt Zigong (Provinz Sichuan) aus. Ersten Ermittlungen zufolge wurde das Feuer in einem Kaufhaus in einem Teil des Gebäudes durch Bauarbeiten ausgelöst.

Zur Story