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epa07501427 Awad Ibn Auf, the Sudanese Defense Minister speaking in Khartoum, Sudan, 27 February 2019, issued 12 April 2019. Reports state that Awad Ibn Auf, the Sudanese Defense Minister Vice President and Chief of Sudan’s new ruling Council since 11 April 2019  announced that Sudan's President Omar al-Bashir has been ousted and arrested by the military after nearly 30 years in power and that the future would be decided by the protesters who took to the streets.  EPA/STR

Awad Ibn Auf. Bild: EPA/EPA

Nur ein Tag im Amt – Chef des Militärrats im Sudan verkündet seinen Rücktritt



Nur einen Tag nach dem Putsch im Sudan hat der Präsident des militärischen Übergangsrates, Awad Ibn Auf, seinen Rücktritt verkündet. Ibn Auf kündigte am Freitagabend in einer kurzen Fernsehansprache an, dass der ranghohe Militär Abdel Fattah Burhani die Leitung des Übergangsrates übernehmen solle.

Ibn Auf war erst am Donnerstagabend als Präsident des militärischen Übergangsrates vereidigt worden und damit faktisch auf Omar al-Baschir gefolgt, der nach fast 30 Jahren als Präsident des Landes am Donnerstagmorgen für abgesetzt erklärt und festgenommen worden war. Ibn Auf war zuvor Verteidigungsminister al-Baschirs.

Al-Baschir wurde festgenommen. Ihm soll im Sudan der Prozess gemacht werden. Eine Auslieferung an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, der ihn wegen Kriegsverbrechen während des Darfur-Konfliktes im Westsudan sucht, lehnt das Militär ab.

Der Übergangsrat soll zwei Jahre im Amt bleiben und Wahlen vorbereiten. Die Opposition, die mit ihren Strassenprotesten zum Sturz al-Baschirs beigetragen hatte, drängt aber auf einen schnelleren Wandel.

epa07499932 (FILE) - Sudanese President Omar al-Bashir  seen during the 'Family photograph' taken at the AU Summit in Sandton, Johannesburg, South Africa, 14 June 2015, reissued 11 April 2019. Media reports on 11 April 2019 state that Sudan's President Omar al-Bashir has been ousted and arrested by the military after nearly 30 years in power.  EPA/KIM LUDBROOK

Wurde festgenommen: Der langjährige Machthaber Omar al-Baschir. Bild: EPA/EPA

Proteste ohne Ende

Oppositionsgruppen hatten den Putsch verurteilt und eine zivile Übergangsregierung gefordert. Auch nach der Absetzung al-Baschirs setzten sich die Massenproteste fort, und erneut gingen in der Hauptstadt Khartum am Freitag tausende Menschen des muslimisch geprägten Landes auf die Strassen, forderten eine zivile Regierung und riefen zu Massengebeten auf.

Zuvor hatten viele die Nacht in Zelten vor dem Verteidigungsministerium verbracht und sich damit der vom Militär verhängten Ausgangssperre widersetzt.

Demonstrators gather in Sudan's capital of Khartoum, Friday, April 12, 2019. The Sudanese protest movement has rejected the military's declaration that it has no ambitions to hold the reins of power for long after ousting the president of 30 years, Omar al-Bashir. (AP Photo)

Sie wollen eine zivile Regierung: Demonstranten am Freitag in Khartum. Bild: AP/AP

Dialog versprochen

Omar Sain al-Abdin, der dem politischen Komitee des Militärrates vorsitzt, versprach einen Dialog mit den politischen Gruppierungen. Auch mit den Demonstranten vor dem Ministerium, auf dessen Gelände sich die Präsidentenresidenz befindet, sollten Gespräche geführt werden. Seinen Worten zufolge sollen ferner diejenigen vor Gericht gestellt werden, die Demonstranten töteten.

Aus dem Ausland kamen nach dem Putsch mahnende Worte: «Ich rufe die Regierung auf, auf die Forderungen der Menschen einzugehen», sagte Uno-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet. «Es müssen gemeinsame Anstrengungen unternommen werden, unter sinnvoller Beteiligung der Zivilgesellschaft, um die beklagten Missstände zu beseitigen.»

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini erklärte am Donnerstagabend, nur ein «glaubwürdiger» politischer Prozess könne den Erwartungen der sudanesischen Bevölkerung gerecht werden.

Und die USA riefen die neuen Machthaber auf, Zivilisten an der Regierung zu beteiligen. Nach Angaben des Aussenministeriums legten die USA Gespräche mit Khartum auf Eis, in denen es darum ging, ob der Sudan von einer Liste von Staaten genommen wird, denen eine Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen wird.

Schwere Wirtschaftskrise

Auslöser der Massenproteste war im Dezember eine Erhöhung der Benzin- und Brotpreise gewesen. Der Sudan mit rund 41 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Länder der Welt und befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise.

Seit vergangenem Samstag spitzten sich die Demonstrationen mit einer Sitzblockader Zehntausender vor der Militärzentrale und Residenz al-Baschirs in Khartum zu. Tausende wurden festgenommen. Nach Angaben des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte kamen bei den Protesten seit Dezember schon bis zu 70 Menschen ums Leben. (cma/sda/dpa/afp/reu)

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