Eine Rebellengruppe in der Demokratischen Republik Kongo hat nach eigenen Angaben Goma, die grösste Stadt im Osten des Landes, unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gruppe M23 verkündete die Einnahme der Stadt in der Nacht zum Montag kurz vor Ablauf eines Ultimatums an Soldaten der kongolesischen Armee, die sie aufgefordert hatte, ihre Waffen niederzulegen.
Kongos Aussenministerin Thérèse Kayikwamba Wagner warf dem Nachbarland Ruanda, das als Unterstützer der Rebellengruppe gilt, eine «Kriegserklärung» gegen ihr Land vor. Die direkte Aggression Ruandas verstecke sich nicht länger hinter diplomatischen Manövern, sagte sie dem UN-Sicherheitsrat.
Ruandas UN-Botschafter Ernest Rwamucyo äusserte sich nicht direkt zu den Vorwürfen. Er sagte aber, die Krise hätte verhindert werden können, wenn die Regierung des Kongo sich eindeutig zu einer friedlichen Lösung bekannt hätte.
VIDEO: Images of a street in the besieged Congolese city of Goma.
— AFP News Agency (@AFP) January 27, 2025
AFPTV records Congolese soldiers on a road in Goma as the provincial capital of eastern Democratic Republic of Congo awakens at the mercy of the M23 and the Rwandan army.
Diplomatic efforts to end the fighting… pic.twitter.com/rrVvd07u7P
Zwei Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Goma sagten der Nachrichtenagentur AP, dass auch am Montagmorgen noch Schüsse in der Stadt zu hören waren. Die Rebellen riefen die Bewohner auf, Ruhe zu bewahren. Verbliebene Soldaten sollten in einem Sportstadion ihre Waffen abgeben.
Die Offensive der M23-Rebellen im Herzen der rohstoffreichen Region droht, einen der am längsten andauernden Konflikte Afrikas dramatisch zu verschärfen. Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge war mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Provinz Nord-Kivu, in der sich Goma befindet, bereits vor der Einnahme der Stadt aus ihren Häusern vertrieben worden. Die M23-Rebellen hatten Goma im Jahr 2012 schon einmal unter ihre Kontrolle gebracht, waren aber nach internationalem Druck auf Ruanda wieder abgezogen. (dpa/AP)
Die sich zuletzt zuspitzende Situation löste eine Massenflucht der Zivilbevölkerung aus. Binnen drei Wochen sind nach UN-Angaben von Ende vergangener Woche 400'000 Menschen vertrieben worden.
Der jüngste Konfliktverlauf löste auch in der Region und international Besorgnis aus. Kenias Präsident William Ruto, derzeit Vorsitzender der ostafrikanischen Staatengemeinschaft EAC, kündigte am Sonntagabend einen Sondergipfel innerhalb von 48 Stunden an, um über die Situation zu beraten. Zugleich forderte er eine sofortige Einstellung der Kämpfe. Sowohl Ruanda als auch die Demokratische Republik Kongo sind EAC-Mitglieder.
Sowohl die Regierung in Kinshasa als auch UN-Experten werfen dem Nachbarland Ruanda vor, die M23 zu unterstützen und auch eigene Truppen im Ostkongo zu haben. In Berichten des UN-Expertenteams zur DR Kongo ist seit vergangenem Sommer von einer Präsenz von mehr als 1600 ruandischen Soldaten auf kongolesischem Boden die Rede.
Auf einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats am Sonntag (Ortszeit) hatte die kongolesische Aussenministerin Thérèse Kayikwamba Wagner das Eindringen ruandischer Soldaten in den Ostkongo eine «Kriegserklärung» genannt und erneut Sanktionen gegen Ruanda gefordert, darunter ein Embargo auf Mineralienexporte aus dem Land.
In einer Stellungnahme des Aussenministeriums Ruandas wird dagegen eine defensive Haltung des Landes zum Schutz seiner Sicherheit und territorialen Integrität betont, die durch die Kämpfe nahe seiner Grenze bedroht seien.
Die Truppen aus der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda haben über ihre gemeinsame Grenze hinweg in der ostkongolesischen Stadt Goma, wo von Ruanda unterstützte Rebellen eine Offensive gestartet haben, aufeinander geschossen, teilten zwei UN-Quellen am Montag mit.
Die meisten Hilfsorganisationen, die in Goma arbeiten, haben ihr internationales Personal aus der Stadt abgezogen. «Unsere lokalen Mitarbeiter vor Ort sprechen von einer Horrornacht in Goma», sagte Ursula Langkamp, Leiterin des Büros der Welthungerhilfe in Goma, der Deutschen Presse-Agentur.
Die ganze Nacht hindurch seien Schüsse und Detonationen zu hören gewesen. Die Menschen hätten sich in ihren Häusern verschanzt und wagten sich weiter nicht auf die Strasse. Auch die meisten Geschäfte seien geschlossen. Der Sitz des Provinzgouverneurs, der neben dem Büro liege, sei geplündert worden, so Langkamp.