DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Politisches Vakuum im Sudan: Ministerpräsident tritt zurück

02.01.2022, 23:1603.01.2022, 04:15

Im nordostafrikanischen Krisenstaat Sudan ist Ministerpräsident Abdullah Hamdok überraschend zurückgetreten. «Ich habe beschlossen, meinen Rücktritt bekanntzugeben und Platz für andere zu machen», sagte Hamdok am späten Sonntagabend im Staatsfernsehen. Er habe sein Versprechen, eine politische Katastrophe in dem Land am Horn von Afrika zu verhindern, nicht einhalten können, sagte er zur Erklärung. In dem Land gibt es seit Monaten immer wieder Demonstrationen gegen die Beteiligung des Militärs an der Übergangsregierung.

Das Militär hatte Ende Oktober bei einem Putsch die Macht an sich gerissen und Hamdok gestürzt. Erst nach Druck aus dem In- und Ausland war er dann wieder als Regierungschef eingesetzt worden, nachdem er mit dem Militärmachthaber General Abdel Fattah al-Burhan eine Vereinbarung für eine neue Übergangsregierung unterzeichnet hatte.

Nach Angaben des Zentralkomitees der sudanesischen Ärzte wurden seit dem Putsch 56 Zivilisten bei Protesten getötet - zwei davon seien am Sonntag von Sicherheitskräften getötet worden. US-Aussenminister Antony Blinken hatte das Vorgehen der Sicherheitskräfte vergangene Woche verurteilt. Die USA seien bereit, «denen zu antworten, die die Bestrebungen des sudanesischen Volkes nach einer zivil geführten, demokratischen Regierung blockieren», erklärte Blinken am Samstag. Die Demonstranten fordern eine Machtübergabe des Militärs an eine zivile Regierung und warfen Hamdok Verrat vor.

Abdullah Hamdok
Abdullah HamdokBild: keystone

Schon dem Putsch am 25. Oktober waren monatelange Proteste vorausgegangen, in denen Menschen politische und wirtschaftliche Reformen und den Rückzug des Militärs aus der Übergangsregierung forderten. Am 21. November wurde Hamdok dann in dem Land mit 44 Millionen Einwohnern wieder als Regierungschef eingesetzt. Laut seiner Vereinbarung mit dem General Al-Burhan durfte Hamdok ein Kabinett mit zivilen Vertretern bilden. Als Anführer des Souveränen Rats stand Al-Burhan jedoch gemeinsam mit Hamdok an der Spitze der neuen Übergangsregierung. Dem Souveränen Rat gehören auch Vertreter des Militärs an, denen schwere Menschenrechtsverstösse und Korruption vorgeworfen werden.

Der Rücktritt Hamdoks versetzt den Sudan in ein politisches Vakuum. Es blieb am Sonntagabend unklar, ob ein ziviler Politiker oder ein Militärvertreter Hamdoks Posten übernehmen wird.

Der Sudan wurde fast 30 Jahre lang von Omar al-Baschir mit harter Hand regiert. Der Langzeit-Machthaber wurde im April 2019 durch monatelange Massenproteste und einen Militärputsch aus dem Amt getrieben. Daraufhin einigten sich das Militär und die zivile Opposition auf eine Übergangsregierung, die den Weg zu demokratischen Wahlen 2022 ebnen sollte. Zudem waren umfangreiche Wirtschaftsreformen geplant, durch die das Militär erhebliche ökonomische Verluste hätte hinnehmen müssen. Das Militär war auch gegen die von Hamdok vorangetriebene Aufarbeitung von Menschenrechtsverstössen. (saw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Terror in Somalia

1 / 22
Terror in Somalia
quelle: epa / said yusuf warsame
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wie ein Buch das Leben dieser Schweizerin auf den Kopf stellte und sie nach Afrika führte

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Tonga: Beeinflusst der Vulkanausbruch das Schweizer Wetter?
Gewaltige Vulkanausbrüche wie jener auf den Tonga-Inseln können das Klima- und das Wetter weltweit beeinflussen. Die Druckwellen der Eruption des Hunga Tonga-Hunga Ha’apai hat Meteo Schweiz sogar in Zürich gemessen.

Die Aschewolke ist riesig, die der Unterwasservulkan Hunga Tonga-Hunga Ha’apai in den Himmel geschossen hat. Seit Jahrzehnten hat es keinen derartig gewaltigen Vulkanausbruch mehr gegeben. Es sei 500 Mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima. Der Inselstaat Tonga ist nach dem Ausbruch und dem nachfolgenden Tsunami von der Aussenwelt abgeschnitten. Gemäss dem Roten Kreuz haben die Vulkanasche und Salzwasser-Flutwellen das Trinkwasser verunreinigt.

Zur Story