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Jubelstimmung im Sudan: Präsident verhaftet ++ Militär übernimmt Kontrolle



Massenproteste im Sudan: Präsident al-Baschir verhaftet

Nach fast 30 Jahren an der Macht hat das Militär im Sudan Präsident Omar al-Baschir abgesetzt. Für zwei Jahre werde es zunächst eine von den Streitkräften geführte Übergangsregierung geben, dann Wahlen.

Das sagte der bisherige Verteidigungsminister Awad Ibn Auf in einer Fernsehansprache am Donnerstag. In der Übergangsphase solle der Weg für Wahlen bereitet und sichergestellt werden, «dass die Menschen im Sudan in Würde leben können», sagte er einer englischen Übersetzung zufolge.

Der neue starke Mann im Sudan? Verteidigungsminister Ibn Auf vor den Medien.

Al-Baschir sei festgenommen worden. Er befinde sich an einem «sicheren Ort», erklärte er. Ibn Auf, der bislang unter Al-Baschir auch Vizepräsident war, wird die neue Militärregierung anführen.

Ausnahmezustand und Ausgangssperre

Für drei Monate gelte zunächst der Ausnahmezustand und für einen Monat eine nächtliche Ausgangssperre von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens, erklärte der Minister weiter. Der sudanesische Luftraum sei für 24 Stunden geschlossen. Alle politischen Gefangenen würden freigelassen. Zudem erklärte er eine Waffenruhe im ganzen Land - dies würde wohl auch die Unruheregion Darfur einschliessen.

Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen: Im Dezember gingen die Menschen auf die Strasse, um gegen die Erhöhung von Benzin- und Brotpreisen zu protestieren, schon bald forderten die Demonstranten aber auch den Rücktritt Al-Baschirs. Den Protesten hatten sich erstmals breite Bevölkerungsschichten angeschlossen.

Seit Samstag war es zu einer Sitzblockade vor der Militärzentrale in der Hauptstadt Khartum gekommen, die auch gleichzeitig die offizielle Residenz von Al-Baschir ist. Tausende Menschen protestierten friedlich. Zunächst gingen die Sicherheitskräfte hart vor, noch am Wochenende wurden rund 2500 Menschen festgenommen.

Protesters rally at a demonstration near the military headquarters, Tuesday, April 9, 2019, in the capital Khartoum, Sudan. Activists behind anti-government protests in Sudan say security forces have killed at least seven people, including a military officer, in another attempt to break up the sit-in outside the military headquarters in Khartoum. A spokeswoman for the Sudanese Professionals Association, said clashes erupted again early Tuesday between security forces and protesters who have been camping out in front of the complex in Khartoum since Saturday. (AP Photo)

Tausende Sudanesen versammelten sich täglich zu einer Sitzblockade vor der Zentrale der Streitkräfte. Bild: AP/AP

Einem Ärzteverband zufolge kamen mindestens 21 Menschen ums Leben. Doch diese Woche gab es erste Zeichen, dass Teile der Sicherheitskräfte die Demonstranten gewähren liessen - ein Hinweis auf Risse im Machtsystem Al-Baschirs.

Putschist weg geputscht

Noch im Februar hatte der 75-jährige Al-Baschir einen Ausnahmezustand verhängt, löste seine Regierung und jene der Bundesstaaten auf und erklärte, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Doch es war zu wenig und zu spät.

Sudanese celebrate after officials said the military had forced longtime autocratic President Omar al-Bashir to step down after 30 years in power in Khartoum, Sudan, Thursday, April 11, 2019. (AP Photo)

Sudanesen feiern auf den Strassen Khartums. Bild: AP/AP

Die Lage entschärfte sich dadurch nicht, seine Massnahmen gaben den Demonstranten eher Rückenwind. Al-Baschir hatte sich 1989 an der Spitze einer Gruppe von Offizieren unblutig an die Macht geputscht.

In den Strassen Khartums herrschte am Donnerstag freudige Stimmung über den sich abzeichnenden Wechsel. Es blieb jedoch unklar, ob alle Demonstranten eine militärische Übergangsführung akzeptieren oder weiter protestieren würden. Einige Demonstranten vor der Militärzentrale sagten einem Reporter der Nachrichtenagentur DPA, sie würden ihren Protest fortsetzen.

Demonstranten versammelten sich vor dem Armee-Hauptquartier

Völkermord und Kriegsverbrechen

Die Zukunft Al-Baschirs war zunächst ebenfalls ungewiss. Er wird per Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. Ihm werden im Darfur-Konflikt, in dem Regierungskräfte und Milizen ab 2003 brutal gegen Volksgruppen im Westen des Landes vorgingen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Der Sudan ist kein Mitgliedsstaat des Gerichts, ob Al-Baschir ausgeliefert werden wird, schien deshalb ungewiss. Ein Prozess in Den Haag dürfte vermutlich nicht das sein, was sich die neuen Militärmachthaber wünschen, zumal wohl auch ihre Rolle untersucht würde.

Sudanesische Protestierende rissen Bilder von Omar al-Bashir runter.

In etlichen anderen Ländern der arabischen Welt haben in den vergangenen Jahren Massenproteste zum Sturz langjähriger Herrscher geführt: in Tunesien, Ägypten, Libyen, im Jemen und zuletzt in Algerien.

Ölfelder verloren

Der Sudan ist einem Uno-Index zufolge eins der 25 ärmsten Länder der Welt. Bis zur Abspaltung des Südsudans war die Wirtschaft stark vom Öl abhängig, das der Weltbank zufolge die Hälfte der Staatseinnahmen und 95 Prozent der Exporte ausmachte.

Doch 2011 verlor der Sudan die meisten Ölfelder. 2019 wird dem Internationalen Währungsfonds zufolge mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 2,3 Prozent gerechnet. In dem Land im Nordosten Afrikas leben rund 40 Millionen Menschen. (sda/dpa)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Miicha 11.04.2019 17:28
    Highlight Highlight Dieser Titel wäre noch geiler wenn statt Sudan USA stehen würde 😆
  • Chili5000 11.04.2019 15:48
    Highlight Highlight Same same, but different reloaded...
  • T13 11.04.2019 14:34
    Highlight Highlight Auf die pest folgt cholera.
    Macht- und geldgier.
    Solche länder werden leider nie frieden haben.
    • JaneSoda*NIEwiederFaschismus 11.04.2019 16:16
      Highlight Highlight Die Hoffnung stirbt zuletzt!
  • DerMedicus 11.04.2019 09:44
    Highlight Highlight Nur brachten Militärputschs in der Vergangenheit ja auch nicht gerade besseres..😑 im Gegenteil
    • TheRealSnakePlissken 11.04.2019 10:51
      Highlight Highlight In manchen Ländern halt die einzige Möglichkeit, dass sich was ändert. - Hoffentlich irgendwann (= möglichst bald) mal als Meldung aus Nordkorea....
    • Dr. Zoidberg 11.04.2019 14:48
      Highlight Highlight @medicus

      es gibt rühmliche ausnahmen, hoffen wir mal das beste für die sudanesen. viel schlimmer kanns eh nicht werden.

      @snake

      nö, das willst du nicht lesen. ein militärputsch wäre ziemlich sicher der auftakt für einen neuen krieg auf der halbinsel und das willst du nicht. in nordkorea wird sich erst was ändern, wenn china das land nicht mehr supported.
    • TheRealSnakePlissken 11.04.2019 15:55
      Highlight Highlight Die Chinesen wären sicher froh, wenn die irrlichternde Kim-Dynastie zu einem Ende käme und es zu einem Reformprozess ähnlich dem ihrigen unter Deng Xiaoping käme. Die Partei bliebe an der Macht, aber der Personenkult würde beendet. Das wäre immerhin ein Anfang.

  • Aurum 11.04.2019 08:19
    Highlight Highlight Klingt nach "beruigungsmassnahmen" durch das militär.
    • Freebee 11.04.2019 14:25
      Highlight Highlight Viel schlimmer als unter al Baschir kanns wohl nicht kommen. Also schon mal ein Schritt in due richtige Richtung...
    • Aurum 11.04.2019 16:45
      Highlight Highlight Naja, al Baschir kam ja durch einen Militärputsch überhaupt an die Macht, oder?
    • Freebee 11.04.2019 17:49
      Highlight Highlight Trotzdem ist das systematische Abschlachten von einer halben Million Menschen und Vertreiben von vielen Millionen mehr wohl nur schwer zu toppen, oder?

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