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Analyse

Widerstand gegen Donald Trump wächst: US-Republikaner wenden sich ab

Trump erstickt seine eigene Partei. Bild zeigt US-Präsident Donald Trump wie er in seiner Faust den Elefanten auf dem Logo der G.O.P. zerdrückt
Bild: watson/keystone
Analyse

Trump erwürgt seine eigene Partei

Jetzt regt sich selbst bei den Republikanern Widerstand.
26.05.2026, 15:3126.05.2026, 15:31

Ken Paxton ist nicht wirklich ein Mann mit einer weissen Weste. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Texas wurde angeklagt, impeached und betrügt angeblich auch seine Frau. Sein Sündenregister ist sehr lang. Er wurde beschuldigt, Investoren betrogen zu haben, seine eigenen Mitarbeiter haben ihn beim FBI angezeigt, weil er seine Geldgeber gesetzeswidrig bevorteilt haben soll. Mitglieder seiner eigenen Partei, der Grand Old Party, haben ihn deswegen impeached, allerdings erfolglos.

All dies ist an Paxton abgeperlt, denn die Republikaner können sehr gut damit leben, dass ihre Anführer sich einen Deut um Gesetz und Verfassung kümmern. So gesehen ist es auch nicht verwunderlich, dass Donald Trump jetzt Paxton in den heute stattfindenden Vorwahlen für einen Sitz im Senat unterstützt und einen langjährigen geachteten bisherigen Senator, John Cornyn, aussen vor lässt.

FILE - President Donald Trump walks with Texas Attorney General Ken Paxton, left, at Austin-Bergstrom International Airport in Austin, on Wednesday, Nov. 20, 2019. (AP Photo/Evan Vucci, File)
Donald T ...
Seelenverwandt: Ken Paxton und Donald Trump.Bild: keystone

Diesmal scheint Trump einen Schritt zu weit gegangen zu sein. Selbst hartgesottene Anhänger des Präsidenten sind empört, beispielsweise Ron Johnson. «Jemand hat dies als einen galaktischen Fehltritt bezeichnet, und ich denke, er hat Recht», liess der Senator aus Wisconsin verlauten. Cynthia Lummis, republikanische Senatorin aus Wyoming, erklärte derweil, sie sei ganz einfach «sehr traurig».

Die Republikaner haben auch allen Grund, traurig zu sein. Mit seiner Unterstützung von Paxton hat Trump die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Demokraten zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder einen Senator aus Texas stellen können, und mit James Talarico verfügen sie über einen jungen und charismatischen Vertreter, der es tatsächlich schaffen könnte.

Talarico kann – wenn überhaupt – nur mit einer Geldwalze gestoppt werden. Insider schätzen, dass mindestens 100 Millionen Dollar nötig sein werden, um Paxton in den Senat zu hieven. Dieses Geld wird den republikanischen Kandidaten in anderen Bundesstaaten fehlen.

Die Unterstützung von Paxton war bloss der erste Schlag von Trump ins Kontor der GOP. Der zweite war sein Schmiergeld-Fonds in der Höhe von rund 1,8 Milliarden Dollar. Rechtlich gesehen spottet dieser Fonds jeglicher Beschreibung, und die Tatsache, dass Trump die Kapitolstürmer nicht nur pauschal begnadigt hat, sondern ihnen nun auch noch Entschädigungen in sechsstelliger Höhe in Aussicht stellt, löst selbst bei Republikanern Empörung aus.

Sen. Tom Cotton, R-Ark., speaks to reporters following a classified briefing for top congressional lawmakers overseeing national security as they investigate how Defense Secretary Pete Hegseth handled ...
Übt Kritik an Trump: Tom Cotton.Bild: keystone

Tom Cotton, ein sehr konservativer Senator aus Arkansas, beispielsweise, erklärt ungehalten: «Wer denkt, das sei eine gute Idee? Wer hat den Zeitpunkt dafür ausgeheckt?» Thomas Tillis, ein republikanischer Senator aus North Carolina, erklärt gar, das sei «eine Belohnung für Punks» und «eine Dummheit auf Stelzen». Tillis tritt allerdings nicht mehr zur Wiederwahl an und kann sich Widerstand gegen den Präsidenten leisten.

Den dritten Schlag versetzt Trump seiner eigenen Partei mit seiner erratischen Iran-Politik. Sein jüngster, inzwischen wieder verworfener Friedensplan ist eine politische Katastrophe. Selbst Ted Cruz, der Hardliner aus Texas, bezeichnet ihn als schrecklichen Fehler, denn er würde den Iran «ermächtigen, weiterhin Uran anzureichern und nukleare Waffen zu entwickeln und ebenso die Strasse von Hormus zu kontrollieren».

Auch Lindsey Graham, Trumps Speichellecker vom Dienst und Kriegstreiber, ist entsetzt, denn selbst wenn die US-Streitkräfte soeben ein paar Schläge gegen den Iran ausgeführt haben, sind diese eher symbolischer Natur. «Niemand glaubt, dass Trump noch einmal einen richtigen Krieg entfachen will», stellt der Historiker Robert Kagan im «Atlantic» fest und bezeichnet das Endgame des Präsidenten unmissverständlich als «Kapitulation».

Als vierten Schlag kann man die Endlos-Geschichte um die Epstein Files bezeichnen. Die Demokraten haben inzwischen den Begriff «Epstein-Klasse» entdeckt und werden diesen im Wahlkampf bis zum Geht-nicht-mehr auskosten. Indem er in einem Interview erklärt hatte, die finanzielle Lage der Amerikanerinnen und Amerikaner «kümmert mich überhaupt nicht», hat Trump ihnen dazu einen Steilpass der Sonderklasse geliefert.

Rep. Thomas Massie, R-Ky., gives a thumbs-up on stage during an election night watch party after losing the Republican party's nomination at the Marriott Cincinnati Airport, Tuesday, May 19, 2026 ...
Abgewählt und trotzdem happy: Thomas Massie.Bild: keystone

Die Demokraten können jetzt zwei Feindbilder verknüpfen: die Pädophilen und die Superreichen. Trump habe endlich die Wahrheit gesagt, erklärt denn auch Jim McCovern, ein demokratischer Abgeordneter aus Massachusetts, in der «Financial Times». «Die Milliardäre der Epstein-Klasse haben ihre eigenen Interessen, und sie unterschreiben die Schecks für den Wahlkampf. Ihnen geht es blendend, aber für alle anderen im Land ist die Trump-Wirtschaft eine Katastrophe.»

Trump hat es geschafft, viele seiner einst engsten Verbündeten gegen sich aufzubringen. Der Abgeordnete Thomas Massie, der wegen Trump seine Vorwahlen verloren hat, wettert nun beim Podcast von Tucker Carlson gegen den Präsidenten und seine superreichen Unterstützer. «Das sind die Leute, die jetzt das Ohr des Präsidenten haben. Das sind die Milliardäre, und das sind auch die Leute, deren Namen wir in den Epstein Files finden.» Ähnliche Töne hört man auch von Marjorie Taylor Greene oder von einflussreichen Podcastern wie Joe Rogan und Megyn Kelly.

Zu all dem gesellt sich ein wachsender Unmut über die grenzenlose Korruption des Trump-Clans und die Allmachtsphantasien des Präsidenten, der sich nur noch um seine Eitelkeits-Projekte (Ballroom, Triumphbogen, etc.) zu kümmern scheint. Dass sein Gesundheitszustand inzwischen an jenen seines Vorgängers erinnert, und er bereits seinen dritten medizinischen Check über sich ergehen lassen muss, macht das Ganze nicht besser. Vieles deutet deshalb darauf hin, dass selbst alles Gerrymandering der Welt, die willkürliche Aufteilung von Wahlkreisen, und alle schmutzigen Tricks einen Sieg der Demokraten bei den kommenden Zwischenwahlen nicht verhindern werden.

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Commonsense4053
26.05.2026 15:56registriert August 2025
Hoffen wir das Beste. Leider scheinen viele zu vergessen, dass Trump & Co. eine Bande ultrareicher Krimineller sind. Ohne Skrupel, ohne soziale Moral und mit mehr oder weniger voller Kontrolle auf allen sozialen Netzwerke. Dieses Pack loszuwerden, wird anstrengend und gegebenfalls blutig. Umso wichtiger, dass wir das hier endlich erkennen und den hiesigen trumpschen Speichellecker wo immer möglich (privat, öffentlich, politisch) einen Riegel schieben.
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goodbunny
26.05.2026 15:52registriert Februar 2026
Es fällt einem schwer, die Republikaner zu bemitleiden. Geliefert wie bestellt würde ich sagen.
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TommyGun
26.05.2026 16:14registriert Oktober 2020
Naja erstmal abwarten, bevor man den Untergang der Trump Partei hervorsagt. Man sollte niemals den amerikanischen Wähler überschätzen. Die Amerikaner haben es immerhin geschafft Trump 2 mal zu wählen, obwohl er bereits in der ersten Amtszeit eine katastrophale Bilanz hinterlassen hat. Gerrymandering, die Unterminierung der Justiz und Big Tech Money werden sicher auch eine Rolle spielen. Fraglich sowieso ob es überhaupt Midterm Wahlen geben wird. Könnte ja irgendwie einen ganz spontanen Notstand geben.
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