Wie Trump die 250-Jahr-Feier versaut
1776 erhoben sich die Amerikaner gegen ihre Kolonialmacht Grossbritannien, weil sie die Schnauze voll hatten von einem allmächtigen und willkürlichen König. Es entbehrt daher nicht einer perversen Ironie, dass 250 Jahre später ein krankhaft narzisstischer US-Präsident die Feiern zu dieser erfolgreichen Revolution in einen Anlass verwandelt, der einzig zum Ziel hat, seine Person zu glorifizieren. Doch genau dies ist der Fall.
Der Zufall will es, dass Donald Trump am 14. Juni das Licht der Welt erblickt hat, und dass er ausgerechnet im laufenden Jahr 80 Jahre alt wird. Das macht es möglich, dass er seinen runden Geburtstag zum Anlass nimmt, die 250-Jahr-Feier einzuläuten. Er tut dies auf die Art der alten römischen Imperatoren: Vor dem Weissen Haus hat er einen riesigen Käfig aufbauen lassen, in dem sich Männer im Stil von Gladiatoren bekämpfen werden.
Zwar ist es Trump versagt, wie einst Nero, Caligula & Co. am Schluss den Daumen rauf oder runter zu zeigen. Doch anders als bei den gefakten Showkämpfen der WWE geht es bei den Fights der Männer der UFC richtig und blutig zur Sache. Es ist eine Brot-und-Spiele-Veranstaltung der übelsten Sorte.
Weiter geht es dann mit der Freedom-250-Party, einer Art Staats-Chilbi, die mehrere Wochen dauert. Den Auftakt hätte dabei ein Monsterkonzert mit prominenten Künstlern wie dem Rapper Young MC, der Soulgruppe Commodores und der Country-Music-Sängerin Martina McBride bilden sollen. Weil sie realisiert haben, dass sie politisch missbraucht werden, haben jedoch mittlerweile alle ihre Zusagen zurückgenommen.
Trump reagiert auf diese Absage, wie Trump halt reagiert, wenn er Widerstand spürt: wie ein trotziges Kleinkind. Auf seiner Plattform Truth Social postete er: «Anstatt überbezahlte Sänger, die niemand mehr hören will und deren Musik langweilig ist, und die nichts anderes tun als sich beklagen, sollten wir die 250-Jahr-Feier in eine gigantische MAKE AMERICA GREAT AGAIN RALLY verwandeln.»
Mit anderen Worten: Wenn die Freedom-Party am 24. Juni steigt, werden die Amerikanerinnen und Amerikaner nicht in den Genuss der Darstellung von renommierten Künstlern kommen. Stattdessen wird ein greiser Politstar seine sattsam bekannten Oldies herunterbeten, begleitet von seinen ebenfalls bekannten Showeinlagen wie der Imitation einer Transgender-Frau, die Hanteln stemmt, und seinen zur YMCA-Hymne ausgeführten spastischen Bewegungen, die er für Tanzen hält.
Die Verwandlung einer historischen Feier in eine dröge MAGA-Party ist nicht die einzige seltsame Sumpfblüte, die Trumps krankhafter Narzissmus treibt. So will er neuerdings sein Konterfei auf einer 250-Dollar-Note verewigen lassen, obwohl die Verfassung ausdrücklich verbietet, dass ein noch lebender Präsident sein Bild auf einer Banknote oder Münze abdrucken darf.
Auch sein 1,8-Milliarden-Dollar-Schmiergeldfonds ist aus der gleichen korrupten Geisteshaltung entstanden. Doch auch hier regt sich Widerstand. Selbst in den Reihen der Republikaner beginnen prominente Mitglieder zu motzen. So hat soeben der ehemalige Vizepräsident Mike Pence, der einst an Unterwürfigkeit nicht zu überbieten war, im «Wall Street Journal» Trump beschuldigt, die konservativen Ideale zu verraten.
Schmerzhafter für den Präsidenten dürfte es sein, dass er die Mehrheit im Senat zu verlieren droht. Die beiden Senatorinnen Susan Collins und Lisa Murkowski haben ihn bisher meist widerwillig unterstützt. Beim Schmiergeldfonds könnten sie hingegen ihre Zustimmung verweigern. Zu ihnen gesellen könnten sich der ehemalige Anführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, und der Libertäre Rand Paul. Weil sie von Trump bei den Vorwahlen im Stich gelassen wurden, könnten auch Bill Cassidy und John Cornyn ihre Gefolgschaft verweigern. Damit hat der Präsident keine Mehrheit mehr im Senat und kann auch seine Anliegen nicht mehr durchbringen.
Widerstand erwächst schliesslich einmal mehr auch an der juristischen Front. So hat ein Bundesrichter angeordnet, dass Trumps Name wieder vom Kennedy Center entfernt werden muss. Erneut reagierte der Präsident wie ein trotziges Kind. Er wolle nichts mehr mit dem Kulturzentrum zu tun haben, so Trump. «Deshalb werde das Kennedy Center jetzt zusammenbrechen, sowohl strukturell als auch finanziell.»
Der «verrückte König Trump» hinterlässt politisch gesehen immer mehr verbrannte Erde. Seine öffentlichen Kabinettsitzungen sind inzwischen so peinlich, dass die «New York Times» ihre Leserinnen und Leser darüber abstimmen lässt, wer sich am meisten blamiert hat. (Gewonnen hat übrigens Marco Rubio.)
Der Aussenminister, der einst zumindest als halberwachsenes Mitglied der Regierung gegolten hat, ist im Begriff, die letzten Reste seiner Autorität zu verlieren. Er wird, genau wie Vize J. D. Vance, in regelmässigen Abständen von Trump gedemütigt und kleingehalten, denn der Präsident erlaubt keine Götter neben sich, nicht einmal seinen eigenen Sohn. Deshalb ist er auch dessen Hochzeit mit fadenscheinigen Gründen ferngeblieben.
Wie der Teufel das Weihwasser meidet der Präsident jegliche Anspielungen auf einen möglichen Nachfolger. In der «Financial Times» stellt Jemima Kelly deshalb fest: «Eine Diskussion darüber, wer auf ihn folgen könnte, ist für das Ego dieses Mannes inakzeptabel. Es kann nur einen Präsidenten Trump geben. Und wie die goldene Statue, sein vergoldeter Ballroom und seine Witze darüber, dass er auch nach 2028 an der Macht bleibe, aufzeigen, will er ewig leben.»
