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«Die Kugel traf die gesamte Nation» – Frau bei Myanmar-Protest erschossen

Der Kampf für die Demokratie in Myanmar hat sein erstes Opfer gefordert. Mya Thwe Thwe Khaing ist gestorben, nachdem ihr an einem Protest wenige Tage zuvor in den Kopf geschossen wurde.



Was ist passiert?

Ein Video, das auf den Sozialen Medien kursiert, welches wir nicht zeigen möchten, hält den fatalen Moment fest.

Es zeigt eine Gruppe von Menschen, welche während des Protests vom 9. Februar Deckung in einem Wartehäuschen sucht. Unweit davon sind Polizisten mit Schutzschildern und Schlagstöcken zu sehen.

Mya Thwe Thwe Khaing an den Protesten am 9. Februar 2021 in Myanmar

Mya Thwe Thwe Khaing ist im roten T-Shirt und Helm zu sehen. Bild: screenshot

Dann beginnen sich die Polizisten vorwärts zu bewegen und Wasser zu versprühen. Schüsse sind zu hören. Plötzlich fällt Mya Thwe Thwe Khaing zu Boden.

Mya Thwe Thwe Khaing wurde an den Protesten in Myanmar erschossen.

Scheinbar aus dem Nichts stürzt die junge Frau zu Boden. Bild: screenshot

An der Hand hielt sie ihre Schwester, Mya Tha Toe Nwe, die gegenüber BBC Burmese sagte:

«Wie man online sehen kann, versteckten wir uns da hinten. Als ich die Schüsse hörte, dachte ich, sie würden nach oben schiessen. Doch das war der Moment, an dem sie getroffen wurde.»

Was waren die Folgen?

Im ersten Moment realisierte die Mya Tha Toe Nwe nicht, dass ihre Schwester von einer Kugel getroffen worden war. Erst nachdem ihr Leute zu Hilfe geeilt waren und der zusammengesackten Frau den Helm ausgezogen hatten, sah sie das Blut und realisierte, dass es sich um eine Schusswunde handelte. Sofort wurde Mya Thwe Thwe Khaing von der Menge weggetragen. Sie wurde ins Spital gebracht, wo erhebliche Hirnschäden festgestellt wurden. Kurz darauf kursierten im Internet die Neuigkeiten, dass sie gestorben sei.

Zu diesem Zeitpunkt wurde sie zwar als hirntot erklärt, war aber noch an das Beatmungsgerät angeschlossen.

Zwei Tage nach dem fatalen Ereignis, am 11.2. wurde sie 20 Jahre alt, heute um 11:15 Uhr (Ortszeit) wurden die lebenserhaltenden Geräte ausgeschaltet:

Wie war das möglich?

Die Armee behauptet, während den Protesten stets nur Gummigeschosse und keine richtigen Kugeln zu verwenden. Doch sowohl Mya Thwe Thwe Khaings Kopfwunde, als auch ein mutmassliches Bild ihres Helms stellen dies infrage.

Die forensische Expertin Dr. Kate Hewins glaubt nicht, dass es sich in diesem Fall um Gummigeschosse gehandelt habe, wie sie gegenüber BBC erklärte:

«Ausgehend von den verfügbaren Bildern, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass ein handelsübliches Gummigeschoss diesen Helm so durchdringen würde, wie dies auf dem Bild zu sehen ist.»

Auch die Art und Weise wie sie gestürzt sei, weise darauf hin, dass es sich um einen Schuss mit Kleinwaffenmunition gehandelt habe. Ein Aufprall oder Schock durch ein nicht-tödliches Projektils hätte sich anders ausgewirkt.

Wer hat geschossen?

Ausgehend vom vorliegenden Video, scheint es so, als sei das Geschoss aus der Richtung der Polizei abgefeuert worden. Dies löste im Internet eine grosse Fahndung nach dem Verantwortlichen aus. Die Wut konzentrierte sich dabei vor allem auf einen Mann, der ein Maschinengewehr mit sich getragen hatte, wie das Foto eines Reuters-Fotografen zeigt.

Er war allerdings nicht der Einzige, welcher an diesem Tag bewaffnet war, weshalb eine eindeutige Identifikation nicht möglich ist. Nichtsdestotrotz tauchten innerhalb kürzester Zeit zwei Namen auf, welche von Internet-Detektiven als die vermeintlichen Schützen verdächtigt wurden. Von den Verdächtigten wurden Fahndungsplakate erstellt und ihre Facebookseiten wurden Zielscheibe wütender Kommentare. Während der eine Mann die Anschuldigungen bestritt, ging die Facebookseite des anderen nach kurzer Zeit offline.

Wie reagiert die Bevölkerung?

Als erstes bekanntes Todesopfer der Proteste in Myanmar erlangt Mya Thwe Thwe Khaing traurige Bekanntheit. Noch bevor sie offiziell für tot erklärt wurde, fanden sich zahlreiche Menschen zusammen, um ihrer zu gedenken.

Auch im über 300 km entfernten Yangon (auch Rangun genannt) fand eine Gedenkfeier für sie statt:

Diese Person erinnert sich an ähnliche Szenen im Jahr 1988 als das Schulmädchen Ma Win Maw Oo bei Protesten der demokratischen Bewegung ums Leben kam:

Die Kugel sei nicht nur in den Kopf von Mya Thwe Thwe Khaing gedrungen, sondern in die Köpfe der gesamten Nation, schreibt diese Twitter-Userin. Nur CDM – die zivile Ungehorsamkeits-Bewegung – könne diese Kugel wieder entfernen:

Auch die Schwester der verstorbenen Mya Thwe Thew Khaing denkt nicht ans aufgeben, wie sie gegenüber BBC Burmese sagte:

«Wir müssen bis zum Ende gegen die Militärdiktatur kämpfen. Wir brauchen Hilfe aus anderen Ländern, darum möchte ich bitten.»

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