DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Rohingya-Flüchtlinge verklagen Facebook auf 150 Milliarden Dollar

07.12.2021, 03:04

Rohingya-Flüchtlinge haben die US-Plattform Facebook auf 150 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. Ihre Anwälte argumentierten, Facebooks Algorithmen hätten Gewalt gegen die myanmarische Volksgruppe befördert.

In der Klage, die am Montag bei einem Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien eingereicht wurde, heisst es, die Algorithmen des US-Unternehmens förderten Desinformation und extremistisches Gedankengut, das zu Gewalt in der realen Welt führe. Dies habe die Leben hunderttausender Rohingya zerstört.

Rohingya Flüchtlinge in Bangladesh warten auf Schiffe, die sie zur Bhasan Char Insel bringen, wo sich ein riesiges Flüchtlingscamp befindet.
Rohingya Flüchtlinge in Bangladesh warten auf Schiffe, die sie zur Bhasan Char Insel bringen, wo sich ein riesiges Flüchtlingscamp befindet.Bild: keystone

«Facebook ist wie ein Roboter, der mit einer einzigen Aufgabe programmiert wurde: zu wachsen», heisst es in dem Gerichtsdokument. «Die unbestreitbare Realität ist, dass das Wachstum von Facebook, das durch Hass, Spaltung und Fehlinformationen angeheizt wird, hunderttausende zerstörte Leben der Rohingya hinterlassen hat.»

Verbrechen an Rohingya in Myanmar

Video: srf/Roberto Krone

Über die Grenze getrieben

Die mehrheitlich muslimische Volksgruppe ist in Myanmar weit verbreiteter Diskriminierung ausgesetzt. Die Rohingya werden als Eindringlinge angesehen, obwohl sie schon seit Generationen in dem asiatischen Land leben.

In einer militärischen Kampagne, die nach Ansicht der Uno einem Genozid gleichkam, wurden 2017 hunderttausende Rohingya über die Grenze nach Bangladesch getrieben. Dort leben sie seither in riesigen Flüchtlingslagern unter prekären Bedingungen. Zahlreiche in Myanmar verbliebene Rohingya sind dort Gewalt sowie staatlicher Unterdrückung durch die regierende Militärjunta ausgesetzt.

US-Recht schützt Facebook

In der Klage wird argumentiert, dass die Algorithmen von Facebook anfällige Nutzer dazu bringen, sich immer extremeren Gruppen anzuschliessen. Dies könne «von autokratischen Politikern und Regimen ausgenutzt» werden. Bürgerrechtsbewegungen werfen Facebook seit langem vor, nicht genug zu tun, um die Verbreitung von Desinformationen und Hass im Internet zu verhindern. Auftrieb bekam die Debatte zuletzt durch die Enthüllungen der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen.

Nach US-Recht sind Facebook und dessen Mutterkonzern Meta weitgehend vor der Haftung für von ihren Nutzern geposteten Inhalten geschützt. Die Rohingya-Klage, die diese Verteidigung vorwegnimmt, argumentiert, dass gegebenenfalls die Gesetze von Myanmar – die keinen solchen Haftungsausschluss kennen – in diesem Fall Vorrang haben sollten. (saw/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Rohingya in Burma: Flüchtling im eigenen Land

1 / 9
Rohingya in Burma: Flüchtling im eigenen Land
quelle: epa/epa / nyunt win
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das ganze Ausmass der Rohingya-Verzweiflung

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ghislaine Maxwells Anwälte verlangen einen neuen Prozess – wegen Geschworenen-Aussage

Rund drei Wochen nach dem Schuldspruch gegen die Ex-Partnerin des gestorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, haben ihre Anwälte offiziell eine Neuauflage des Prozesses beantragt. Das ging aus einem Schreiben der Juristen an die New Yorker Bundesrichterin Alison Nathan vom Mittwoch (Ortszeit) vor Ablauf einer entsprechenden Frist hervor.

Zur Story