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International
Asien

Indonesien: Bali kämpft gegen Abfallberge

Er kämpft gegen den Plastikalbtraum der Trauminsel: Der Müllheld von Bali

02.02.2021, 08:0302.02.2021, 13:12

Die Bilder sorgten Anfang des Jahres für Entsetzen. An den Stränden der indonesischen Trauminsel Bali türmten sich Tonnen von Plastikmüll: eine Flut aus Flaschen und Bechern, Verpackungen und kaum noch identifizierbarem Unrat – trotz des fehlenden Tourismus aufgrund der Corona-Pandemie.

Die Müll-Misere ist zu einem jährlich wiederkehrenden Phänomen geworden, ausgelöst durch vom Monsun beeinflusste Meeresströmungen, zunehmende Verschmutzung der Ozeane, Massenkonsum und einer schlecht funktionierenden Müllentsorgung.

News Themen der Woche KW02 News Bilder des Tages January 17, 2021, Badung, Bali, Indonesia: A man walks on Kedonganan Beach coastal line among the rubbish. Tons of rubbish reportedly dumped in the riv ...
Der Strand von Badung in Bali ist bedeckt von Abfällen.Bild: www.imago-images.de

Nicht nur Balis Strände sind verschmutzt, auch in Wäldern, an Flussufern, rund um Tempelanlagen und am Strassenrand finden sich vielerorts Abfälle. Aber es gibt Bestrebungen, die «Insel der Götter» vom Müll zu befreien. Wayan Aksara ist ein balinesischer «Trash Hero», ein waschechter Müllheld – und ein Vorbild für viele Mitbürger.

«Früher habe ich als Reiseleiter gearbeitet, und wie viele Kollegen hörte ich oft Klagen der Touristen über die vielen Abfälle», sagt der 50-Jährige. «Das hat mich dazu bewogen, etwas für Balis Umwelt zu tun, zu einer Zeit, als es noch kaum ein Bewusstsein dafür gab.»

Im Jahr 2017 schliesst er sich der in der Schweiz gegründeten Initiative «Trash Hero» an. Bei den «Müllhelden» handelt es sich um eine weltweit tätige Freiwilligenbewegung von gemeindebasierten Organisationen, die Menschen zusammenbringt, um Abfälle zu sammeln, der Natur zu helfen und das Bewusstsein für Umweltschutz zu stärken.

«Indem sie ein paar Stunden damit verbringen, Müll aufzusammeln, gewinnen die Menschen ein tiefgründiges Verständnis für die Konsequenzen, die der achtlose Umgang mit Abfall mit sich bringt», heisst es auf der Webseite der Bewegung.

So war das auch bei Aksara – sein Engagement fing klein an und wurde schnell riesengross: Am Anfang sammelte er in einem kleinen Grüppchen bestehend aus seinen beiden Kindern und ein paar Freunden Abfälle am Saba Beach ein – einem Strand aus schwarzem Sand an der Ostküste, ganz in der Nähe seines Heimatortes Banjar Buruan.

«Um mehr Leute zum Mitmachen zu bewegen, habe ich beschlossen, einen Umweltverband für Saba zu gründen, und schliesslich bin ich dann der grossen Trash-Hero-Familie beigetreten.» Nur ein Jahr später wurde Aksara Vorsitzender von Trash Hero Indonesien und organisiert mit Dutzenden Ortsverbänden landesweite Aktionen im weltgrössten Inselstaat.

Denn Müll ist nicht nur ein balinesisches Phänomen. «Plastikabfälle gibt es auf der ganzen Welt, aber das öffentliche Bewusstsein dafür ist auf Bali und in ganz Indonesien noch verbesserungsbedürftig», sagt Aksara.

Dafür sprechen auch die Statistiken, nach denen Indonesien einer der grössten Verschmutzer der Weltmeere mit Plastik ist. Auch wenn es Bestrebungen gibt, das in grossem Rahmen zu ändern, tun die Müllhelden bereits heute ihren Teil. Das Motto lautet: «Wir machen sauber, wir bilden, wir bringen Veränderung.»

Einmal pro Woche – speziell am Wochenende – treffen sie sich und sammeln, was das Zeug hält. Eine kleine Anti-Abfall-Armee, die voller Tatendrang und ausgestattet mit gelben T-Shirts, Müllzangen und grossen Gewebesäcken Bali vom Unrat befreit. Auch viele Jugendliche machen mit, und vor Corona schlossen sich immer wieder auch Urlauber der Initiative an.

Bisher hätten allein am Saba Beach mehr als 9000 Menschen mitgesammelt, darunter 875 Kinder, ist auf der Facebook-Seite der Gruppe «Trash Hero Saba» zu lesen. Das Resultat: rund 24 Tonnen Abfall weniger in der herrlichen Natur – Tendenz steigend. «Aber einer der wichtigsten Punkte sind unsere Bildungsprogramme für Kinder: Wir versuchen sie schon in jungen Jahren dazu zu bewegen, fürsorglicher mit der Umwelt umzugehen», so Aksara.

Nun könnte man meinen, dass durch die Corona-bedingte Tourismusflaute weit weniger Müll produziert würde und die Insel sich eigentlich in ihrem schönsten Gewand präsentieren müsste. Aber weit gefehlt: «Nein, es gibt jetzt fast noch mehr Müll», erklärt Aksara.

Das liege unter anderem daran, dass viele Balinesen ihre Jobs verloren und sich mit kleinen Geschäftsideen selbstständig gemacht hätten. Kochen etwa und Lieferservices. «Dabei werden viel mehr Einmalverpackungen verwendet als vorher.» Hinzu kämen unzählige Corona-Einmalmasken, die regelmässig entsorgt werden müssten.

Natürlich sind die «Trash Heroes» nicht die einzigen, die versuchen, Bali sauberer zu machen. So manche Organisation hat sich Abfallentsorgung auf die Fahnen geschrieben, denn an Müll mangelt es auf der Insel nie. Auch viele Yogis, die zu einem Retreat auf die Insel kommen, haben sich schon an Aufräumaktionen beteiligt. «Karma Yoga» heisst diese spirituelle Praxis, ein selbstloses Dienen also, das sich unter anderem im Müllsammeln manifestiert.

Es sei ein langer Prozess, eine Zivilisation zu schaffen, die sich um die Umwelt sorge, meint Aksara. «Natürlich ist ein hohes Mass an Engagement und Beständigkeit nötig, um dies zu erreichen.» Er sei aber fest davon überzeugt, dass es mit der Zeit einen echten Wandel geben werde. Für Bali, das so lange unter der Last des Massentourismus und der Müllmassen gelitten hat, wäre dies ein Segen.

Und auch auf der politischen Bühne in Jakarta ist längst Bewegung in die Sache gekommen: Die indonesische Regierung hat sich verpflichtet, bis 2025 den Plastikmüll im Land um 70 Prozent zu reduzieren. (saw/sda/dpa)

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Wer auf Bali gegen die Maskenpflicht verstösst muss... naja, seht am besten selbst

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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PrinzessinFantaghirò
02.02.2021 08:47registriert Dezember 2018
Finde ich sehr schön, bravo! Nur wenn man es den Kindern von Anfang an beibringt, kann das Problem grundlegend behoben werden. Ich kann es in den Ferien auch nicht sein lassen, den Strand mindestens um uns herum zu säubern. Dabei schauen mich andere Badegäste an als käme ich vom Mond. Ich kann echt nicht verstehen, wie man davon laufen und z. Bsp. schmutzige Windeln da lassen kann... Mein fast fünf Jahre alter Sohn ist inzwischen auch sensibilisiert und nennt die Abfallsünder “maleducati” (italienisch = schlecht erzogen) 😉
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Inflatio
02.02.2021 09:17registriert Februar 2020
Wir waren 2016 auf Bali. Nicht nur die Strände und das Meer sind verschmutzt. Die ganze Insel ist ein riesiger Müllhaufen. Die Bewohner werfen alles in den Wald oder zünden den Abfall einfach hinter dem Haus an. Denpasar ist eine einzige stinkende Rauchwolke.
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HartinderHard
02.02.2021 08:35registriert Mai 2019
Auch ich habe bei einem Urlaub dort beobachtet, dass es enorm viel Abfall im Wasser hat. Am Strand wurde immer aufgeräumt, aber kaum ist man einige Meter rausgeschowmmen war man umgeben von Abfall. Der Abfall wurde vielerorts im Land gesammelt, aber es schien mir als könnte er nirgens korrekt entsorgt (verbrannt) werden.
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