In Australien strömen Touristen zu einer Sehenswürdigkeit, die es gar nicht gibt
Der australische Bundesstaat Tasmanien erlebte einen Tourismus-Boom der ungewohnten Sorte. Wie CNN berichtet, wollten zahlreiche Leute die Weldborough Hot Springs besuchen – nur gibt es diese Thermalquellen gar nicht.
Kristy Probert, eine Besitzerin eines örtlichen Hotels sagt gegenüber dem US-Sender, sie sei zunächst verwirrt gewesen, als Personen Fragen zur ihr unbekannten Ortschaft stellten. «Anfangs waren es nur ein paar Anrufe», sagt sie. Doch danach seien die Leute «in Scharen» gekommen. «Ich bekam bestimmt fünf Anrufe am Tag, und mindestens zwei bis drei Leute kamen ins Hotel und suchten danach», berichtet sie. Dies kenne man so nicht – Weldborough ist eine abgelegene Gegend auf der Insel.
Hier liegt Weldborough:
Auf Anfragen habe sie jeweils geantwortet: «Wenn ihr diese heissen Quellen findet, gehen die Biere auf mich.» Es gebe zwar tatsächlich einen Fluss in der Nähe, doch dieser sei «eiskalt». Der werde grundsätzlich nur von Goldsuchern aufgesucht.
Fehler entstand durch KI
Verursacht wurde dieser Boom durch einen Fehler auf einem Blog auf der Webseite von Tasmania Tours. Dieser wird gemäss Angaben der Betreiber mit Material eines Drittanbieters bespielt. Dabei kam offenbar Künstliche Intelligenz zum Einsatz – welche kurzerhand die Weldborough Hot Springs erfand. So wurde ein falsches Bild generiert und als «ruhige Oase» und «Lieblingsort für Wanderer» angepriesen.
Weldborough Springs does not exist.
— luke @ locase (@locaseco) January 22, 2026
Tour company published AI-generated content about non-existent locations in Tasmania. People showed up. Wild goose chase ensued.
Worth double-checking AI content before it goes live on your site.https://t.co/vsgfzftcMn
«Unsere KI hat komplett versagt», so Scott Hennessey, der Inhaber des Unternehmens Australian Tours and Cruises, das Tasmania Tours betreibt, gegenüber ABC. Grundsätzlich überprüfe er jeden Beitrag, der im Blog veröffentlicht werde. Zum Zeitpunkt des Fehlers habe er sich aber im Ausland befunden.
Dass es nun so weit kam, bedauert Hennessey. «Wir sind keine Betrüger», sagt er. Sein Unternehmen versuche, «mit den Grossen mitzuhalten». Dafür müsse man seine Inhalte ständig aktualisieren und neu gestalten.
Wie er weiter berichtet, leidet sein Unternehmen nun unter dem Fehler. «Der Online-Hass und die Schädigung unseres geschäftlichen Rufs waren absolut zermürbend», sagt er. Man wolle nun versuchen, die ganze Sache hinter sich zu lassen.
Hotelbesitzerin Probert, welche die verwirrten Touristen empfing, sieht die Sache hingegen gelassen. «Es ist schwierig, als kleines Unternehmen alles aktuell und relevant zu halten», sagt sie. Zudem hätten sich die Verantwortlichen bei ihr gemeldet. «Sie scheinen nette Leute zu sein», so Probert, «wir alle machen Fehler. Ich finde, dieser hier war ziemlich amüsant.»
Einen Besuch nach Weldborough empfiehlt sie übrigens trotzdem. «Hier gibt es viel zu unternehmen», sagt sie. Aber halt keine Thermalquellen. (dab)
