Sydney-Attentäter wegen 15-fachen Mordes angeklagt
Drei Tage nach dem verheerenden Anschlag auf ein jüdisches Fest am Bondi Beach in Sydney ist der überlebende der beiden Attentäter wegen 15-fachen Mordes angeklagt worden. Insgesamt werden Naveed Akram 59 Tatbestände zur Last gelegt.
Dazu zählt auch der Vorwurf, eine terroristische Tat begangen zu haben, wie die Polizei im australischen Bundesstaat New South Wales mitteilte. Laut der Zeitung «The Sydney Morning Herald» verweigert der schwer verletzt im Krankenhaus liegende Todesschütze bislang die Aussage.
Den Polizeiangaben zufolge wird ihm auch Körperverletzung mit Tötungsabsicht in 40 Fällen vorgeworfen. Zudem soll er Sprengsätze in oder nahe einem Gebäude angebracht haben. Die Ermittler hoffen, dass der 24-Jährige aussagt und neue Erkenntnisse zu den Hintergründen des Anschlags mit 15 Todesopfern liefert.
Noch 17 Verletzte im Krankenhaus
Der Attentäter war am Tatort von Sicherheitskräften angeschossen und festgenommen worden. Am Dienstag war er aus dem Koma erwacht. Er und sein Vater hatten während des jüdischen Lichterfests Chanukka am Sonntag das Feuer auf eine feiernde Menge am Strand eröffnet. Der Vater wurde von der Polizei erschossen.
Noch immer werden 17 Verletzte im Krankenhaus behandelt. Fünf von ihnen befanden sich bis Mittwochmittag (Ortszeit) in kritischem Zustand, vier davon waren stabil, wie die lokalen Gesundheitsbehörden bekanntgaben. Unklar blieb, ob der überlebende Attentäter dabei eingerechnet wurde.
Erstes Terroropfer beerdigt
Unterdessen wurde das erste der 15 Todesopfer beerdigt. Die Trauerfeier für Rabbi Eli Schlanger fand in den Morgenstunden im jüdischen Gemeindezentrum Chabad of Bondi statt - rund einen Kilometer vom Ort des Anschlags entfernt. Der 41-Jährige war laut Medienberichten Vater von fünf Kindern, darunter ein Neugeborenes. Zu seiner Trauerfeier kamen viele politische Gäste, darunter der ehemalige Premierminister Scott Morrison.
In Australien wird jetzt über Konsequenzen aus dem schwerwiegendsten Anschlag der jüngeren Landesgeschichte diskutiert. Vieles dürfte in den kommenden Tagen und Wochen hinterfragt werden. Dies gilt für das schon jetzt vergleichsweise restriktive Waffenrecht, das die Regierung abermals verschärfen will. Aber auch für die Arbeit der Polizei und Nachrichtendienste und das besonders kontroverse Feld der Einwanderungspolitik.
Zudem geht es um Massnahmen gegen Antisemitismus sowie sozial- und bildungspolitische Programme, die Hass und Hetze nachhaltig den Nährboden entziehen sollen. (sda/dpa)
