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Blutbad in Kanada +++ Mehr als 17 Tote +++ Täter als Polizist getarnt



Entsetzen in der kleinen ländlichen Provinz Nova Scotia im Osten Kanadas: Die beschauliche Region an der Atlantikküste ist am Wochenende Schauplatz einer Gewalttat mit mindestens 17 Toten geworden. Das ganze Ausmass des mutmasslichen Amoklaufs eines 51 Jahre alten Tatverdächtigen sei noch nicht abzusehen, es würden noch mehr Opfer befürchtet, sagte Ermittler Chris Leather am Sonntagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz.

Wenige Stunden später sprach Kanadas oberste Polizeichefin Brenda Lucki beim Sender CBC von mindestens 17 Toten einschliesslich des Tatverdächtigen. Es ist die schlimmste derartige Gewalttat in der Geschichte des Landes. Unter den Opfern ist eine Polizistin mit 23 Dienstjahren.

«Zwei Kinder haben ihre Mutter verloren. Ein Ehemann hat seine Frau verloren. Eltern haben ihre Tochter verloren, und unzählige andere haben eine fantastische Freundin und Kollegin verloren», sagte der stellvertretende Polizeichef Lee Bergerman. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sprach von einem Akt «wahnwitziger Gewalt».

epa08372196 An undated handout photo made available by the Royal Canadian Mounted Police (RCMP) shows a replica Royal Canadian Mounted Police vehicle alleged to have been used by gunman Gabriel Wortman whom reports say killed ten people during a shooting rampage which lasted some 12 hours over several locations in Portapique, Nova Scotia, Canada, Issued 19 April 2020. One police officer was reported killed and the gunman was killed by police to end the rampage which reportedly began with Wortman dressed as an RCMP officer driving in a replica RCMP police vehicle.  EPA/RCMP HALIFAX HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das gefälschte Polizeiauto des Täters. Bild: EPA

Der 51-Jährige war am Sonntagmittag nach einer langen Verfolgungsjagd an einer Tankstelle in dem Ort Enfield von der Polizei gestellt worden. Er wurde dabei getötet, wie Leather sagte. Die Ermittlungen in diesem «tragischen Vorfall» befänden sich in einer frühen Phase, so der Polizeiermittler. Auf einen Schlag habe sich das Leben vieler Familien und Opfer für immer verändert. Sichtlich betroffen sprach er von einer «chaotischen» Szene, die sich den Polizisten geboten habe.

Per Notruf hatte die Royal Canadian Mounted Police Hinweise auf einen bewaffneten Angreifer in der Ortschaft Portapique rund 130 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Halifax erhalten. In einem Haus und auf dem umliegenden Grundstück hätten sie mehrere Leichen entdeckt - von dem Täter keine Spur.

Verfolgungsjagd über mehr als 100 Kilometer

Dies führte zu einer zwölfstündigen Verbrecherjagd durch Nova Scotia. Opfer seien an mehreren Tatorten in der Atlantik-Provinz gefunden worden. An einigen Stellen seien Feuer auf Grundstücken gelegt worden. Laut Radio Canada zog sich die Verfolgungsjagd über mehr als 100 Kilometer hin.

Zum Motiv des Schützen machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Leather zufolge deutet vieles darauf hin, dass der tatverdächtige Mann das Blutbad plante und dabei auch Menschen tötete, die er nicht kannte. Polizeichefin Lucki sagte, der Attentäter könnte möglicherweise anfänglich ein Motiv gehabt haben, das sich dann aber in «Zufälligkeit» gewandelt habe. «Unsere Ermittlungen werden das zeigen. Wir wissen es nicht sicher und wir werden viel Arbeit leisten müssen, um sein Motiv herauszufinden.»

Augenzeugen berichteten von heulenden Sirenen, Schüssen und anderen Schreckensmomenten. Die Polizei forderte Anwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben und die Türen abzuschliessen. Die Behörde warnte vor einem Schützen, der möglicherweise eine Polizeiuniform trage und mit einem Fahrzeug unterwegs sei, das einem Streifenwagen gleiche. Leather bestätigte später, dass der Mann tatsächlich versucht habe, sich als Polizist zu tarnen. Laut Radio Canada benutzte der Mann bei seiner Flucht mehrere Autos, darunter auch ein Polizeifahrzeug.

Anders als im Nachbarland USA sind die Waffengesetze in Kanada vergleichsweise streng. Der zuvor blutigste Amoklauf hatte sich in Kanada 1989 ereignet, als der 25-jährige Marc Lepine an einer Hochschule in Montréal 14 Frauen erschoss und 13 weitere Menschen verletzte, bevor er sich selbst das Leben nahm. In einem Schreiben hatte er seinen Hass auf Feministinnen als Motiv genannt. (sda/dpa)

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stefan Morgenthaler-Müller 20.04.2020 09:04
    Highlight Highlight Intuitiv denkt man bei solchen Headlines "Schon wieder ein Rechtsextremer oder religiöser Fundamentalist". Und wiederholt sind es immer Männer.

    Dass es schlief läuft im Leben, ja diese Erfahrung machen Milliarden von Menschen auf der Welt, aber warum muss man da einfach Leute töten, wenn man am Ende sich ohnehin umbringen will (oder lassen will). Das Leid, dass man erfährt, sollen in ähnlicher Weise andere erfahren? Oder was soll die Logik dahinter sein?
    • pluginbaby 20.04.2020 09:26
      Highlight Highlight Mit Logik ist so eine Tat wohl nicht erklärbar.

      Aber immer gleich seine politische Meinung herumposaunen bevor nur das kleinste über den Täter bekannt ist nervt so unglaublich. Vor ein paar Jahren wurde bei jedem Amoklauf ein Islamist vermutet, heute sind alle gleich Nazis. Wartet doch erst mal ab bis man alles weiss...
    • Hierundjetzt 20.04.2020 09:53
      Highlight Highlight Meine Hypothese ist: wenn es viele Beispiele von Amokläufen und Schiessereien gibt, sinkt die Hemmschwelle es wird „machbar“

      Anders kann ich mir den Unterschied zu Europa nicht recht erklären
    • Stefan Morgenthaler-Müller 20.04.2020 11:08
      Highlight Highlight @Pluginbaby. Woran genau glauben Sie, erkennen zu können darin eine politische Meinung zu sehen? Was denken Sie als erstes, es sei eine Frau mit guten Beruf und glücklichem Leben? Nein, Sie denken auch an einen Mann, bei dem vieles schief gelaufen ist und das nun an anderen Menschen auslässt.

      Leute wie Sie rufen doch immer, bei Themen um Flüchtende/Ausländer nach Meinungsfreiheit geht und jetzt darf man nicht schreiben, was der erste Gedanke ist, nämlich dass man an Rechtsextremisten und Islamisten denkt und man diesem Ressentiment trotzdem kritisch gegenüber steht. Komm runter.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Loeffel 20.04.2020 07:53
    Highlight Highlight „Ein Ehemann hat seine Frau verloren. Eltern haben ihre Tochter verloren, und unzählige andere haben eine fantastische Freundin und Kollegin verloren“

    War nur eines der Opfer eine Tochter oder Sohn? 🧐

    Manchmal sollte man in solch traurigen Momenten als Polizei-Pressesprecher einfach mal weniger sagen. Das tue ich nun auch und schweige.
    • T13 20.04.2020 11:55
      Highlight Highlight Bei der Ansprache des "Polizei - Pressesprechers" geht es nur um die getötete Polizistin.
      Diese ist die Tochter von jemandem, die Frau von jemandem, vielleicht auch die Mutter von jemandem und die Freundin oder Kollegin von jemandem.

      Die Aussage ist also korrekt.
      Text lesen und verstehen.
    • ridega 20.04.2020 11:56
      Highlight Highlight Wurden eigentlich wieder nur Frauen ermordet?

      Beim Amaklauf in 1989 stand, dass er Frauen umbringen wollte. Hier eigentlich nichts.
    • Juliet Bravo 20.04.2020 14:17
      Highlight Highlight Hab ich zuerst auch gedacht. Die Aussage des Stv. Polizeischefs hat sich womöglich aber nur auf den Verlust seiner Polizistenkollegin bezogen.
  • SJ_California 20.04.2020 07:33
    Highlight Highlight Oh mann. Traurige Nachricht!
    • P.Rediger 20.04.2020 08:15
      Highlight Highlight 2 Blitzer? Was läuft falsch mit euch?
    • Unicron 20.04.2020 09:27
      Highlight Highlight Amok Läufer werden in einigen Ecken des Internets regelrecht als Helden gefeiert.
      Oder Leute die alles feiern was "das System durchrüttelt", oder allgemein Polizisten hassen und und und.
      Es gibt viele shitty people.
    • Yummy 20.04.2020 09:48
      Highlight Highlight Vielleicht einen Blitz gegeben weil der Kommentar keinen Mehrwert bietet?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hansruedi Müller 20.04.2020 07:23
    Highlight Highlight Schrecklich.
    Sowas muss in Zukunft unter allen Umständen verhindert werden. Die einfachste Lösung ist, Waffen breiter in der Bevölkerung zu verteilen, damit jeder eine Möglichkeit hat, im Notfall einen solchen Serientäter zu stellen.
    • Unicron 20.04.2020 10:25
      Highlight Highlight Obvious troll is obvious.
    • Jonaman 20.04.2020 11:11
      Highlight Highlight @Unicron Das hat der Hansruedi sicher sarkastisch gemeint. Oder etwa nicht?
    • Unicron 20.04.2020 11:50
      Highlight Highlight @Jonaman
      Falls das so ist, dann macht es keinen Sinn, da es hier um Kanada geht und nicht um die USA.

      In den USA kommen solche Forderungen, da würde es passen.
    Weitere Antworten anzeigen

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