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Bodyguards use umbrella to protect Serbia's Prime Minister Aleksandar Vucic during unrest at a ceremony marking the 20th anniversary of the Srebrenica massacre in Potocari, near Srebenica, Bosnia and Herzegovina July 11, 2015. Serbian Prime Minister Aleksandar Vucic was chased out of a ceremony marking the 20th anniversary of the Srebrenica massacre on Saturday by a crowd throwing stones and bottles. It was not clear whether Vucic had left the site altogether, but his delegation was seen running for their cars on a hill above the cemetery.    REUTERS/Stoyan Nenov   TPX IMAGES OF THE DAY

Aleksandar Vucic entfernt sich im Schutz seiner Bodyguards. Bild: STOYAN NENOV/REUTERS

Serbiens Regierungschef mit Steinen von Gedenkfeier in Srebrenica vertrieben



Was als Geste der Versöhnung gedacht war, endete mit einem Eklat: Aufgebrachte Demonstranten haben den serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic am Samstag beim Gedenken zum 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica angegriffen und ihn vertrieben.

Vucic, der Anfang der 90er Jahre ein führender Verfechter der grossserbischen Kriegspolitik gewesen war, legte gerade ein Blumengebinde am Mahnmal nieder, als Demonstranten unter «Allahu Akbar»-Rufen begannen, Steine nach ihm zu werfen.

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Vucic wird von der Gedenkstätte vertrieben YouTube/MECA Cazin

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tanjug traf ein Stein den serbischen Regierungschef am Kopf, seine Brille zersplitterte. Abgeschirmt von seinen Leibwächtern musste er vom Gedenkort fliehen.

In einer ersten Reaktion auf den Zwischenfall erklärte der serbische Aussenminister Dacic, nicht nur Vucic sei angegriffen worden, «sondern ganz Serbien und seine Politik des Friedens und der regionalen Zusammenarbeit».

Serbia's Prime Minister Aleksandar Vucic meets Munira Subasic, the president of Mothers of Srebrenica association as she arrives to attend a ceremony marking the 20th anniversary of the Srebrenica massacre in Potocari, near Srebenica, Bosnia and Herzegovina July 11, 2015. Abandoned by their U.N. protectors toward the end of a 1992-95 war, 8,000 Muslim men and boys were executed by Bosnian Serb forces over five July days, their bodies dumped in pits then dug up months later and scattered in smaller graves in a systematic effort to conceal the crime. REUTERS/Antonio Bronic

Vor dem Eklat unterhielt sich Vucic mit Opfer-Müttern. Bild: ANTONIO BRONIC/REUTERS

Schon bei seiner Ankunft in Srebrenica war Vucic von Demonstranten ausgebuht worden. Er setzte seinen Besuch jedoch zunächst fort, trug sich in das Kondolenzbuch ein und unterhielt sich mit einigen Opfer-Müttern. Eine der Frauen umarmte ihn lange.

Begriff «Genozid» vermieden

Vucic wollte ursprünglich als Geste der Aussöhnung an der Feier teilnehmen. Kurz vor seiner Teilnahme hatte er das Massaker in einem offenen Brief als «monströses Verbrechen» verurteilt. Es sei seine «Pflicht, sich vor den Opfern zu verneigen».

Das Massaker von Srebrenica hat Vucic zwar wiederholt verurteilt, es jedoch stets als Tat einzelner Verbrecher eingestuft. Auch in seinem offenen Brief vermied er den Begriff «Genozid».

In den vergangenen Jahren nahmen serbische Spitzenpolitiker wiederholt an Gedenkfeiern in Srebrenica teil, die Bezeichnung des Verbrechens als «Völkermord» lehnt Belgrad aber ab.

Von UNO-Tribunal als Völkermord eingestuft

Das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 war das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und wurde vom UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag als Völkermord eingestuft.

Kurz vor dem Ende des Bosnienkriegs waren damals bosnisch-serbische Milizen in die damalige UNO-Schutzzone einmarschiert und hatten an den leichtbewaffneten niederländischen UNO-Blauhelmsoldaten vorbei rund 8000 muslimische Jungen und Männer verschleppt und getötet.

Mehr als 6200 der Opfer sind inzwischen in der Srebrenica-Gedenkstätte bestattet, am Samstag wurden dort 136 weitere, erst kürzlich identifizierte Opfer beigesetzt.

Massaker von Srebrenica

An der Gedenkzeremonie in der bosnischen Kleinstadt nahmen zehntausende Menschen teil, darunter auch zahlreiche Politiker aus dem Ausland wie der damalige US-Präsident Bill Clinton, die ehemalige US-Aussenministerin Madeleine Albright und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu.

Versagen der Niederlande eingeräumt

Die ehemalige Batteriefabrik, in welcher die Zeremonie stattfand, hatte den niederländischen UNO-Soldaten damals als Hauptquartier gedient. Sie hatten das Massaker nicht verhindern können, obwohl die Vereinten Nationen Srebrenica zur «sicheren Schutzzone» erklärt hatten.

Erstmals sprach zum Jahrestag auch ein niederländischer Aussenminister. Bert Koenders räumte offen das Versagen seines Landes in Srebrenica ein und sagte den Opferfamilien: «Alle Niederländer trauern mit Ihnen.»

epa04842034 Former US President Bill Clinton makes a speech at the Potocari Memorial Center in Srebrenica, Bosnia and Herzegovina, 11 July 2015, as 136 newly-identified Bosnian Muslims are buried as part of a memorial ceremony to mark the anniversary of the Srebrenica massacre. July 2015 marks the 20-year anniversary of the Srebrenica Massacre that saw more than 8,000 Bosnians men and boys killed by Bosnian Serb forces during the Bosnian war.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

Der damalige US-Präsident Bill Clinton spricht an der Zeremonie. Bild: VALDRIN XHEMAJ/EPA/KEYSTONE

Dutzende Imame aus dem ganzen Land führten die Trauerfeier an. Die Namen der 136 bestatteten Opfer wurden vorgelesen. Verwandte und Freunde trugen die Särge durch die Menschenmenge. Familienangehörige schaufelten am Ende die Gräber wieder zu.

Die «Mütter von Srebrenica» verteilten an die in- und ausländischen Gäste die «Blume Srebrenicas» als Anstecker. Ihr weisser Blütenkranz soll die Unschuld der Opfer symbolisieren, ihr grünes Zentrum die Hoffnung. (pbl/sda/dpa/afp)

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