International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Festnahmen und Repression zum 30. Jahrestag des Pekinger Massakers



In this photo provided by Xinhua News Agency, the Guard of Honor of the Chinese People's Liberation Army (PLA) perform the national flag-raising duty on Tian'anmen Square in Beijing, China, Monday, Jan. 1, 2018. The PLA is taking over the ceremonial duty from the Chinese paramilitary police for the first time. (Ju Zhenhua/Xinhua via AP)

Bild: AP/Xinhua

Vor dem 30. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking sind zahlreiche Aktivisten und Verwandte von Opfern festgenommen, unter Hausarrest gesetzt oder an andere Orte weggebracht worden. Das berichtete Human Rights Watch am Montag.

Auch die Kontrolle von führenden Mitgliedern der «Mütter von Tian'anmen», einem Netzwerk der Familien, wurde nach Angaben der Menschenrechtsorganisation deutlich verstärkt.

Bei dem Militäreinsatz gegen friedliche Demonstranten in Peking waren in der Nacht zum 4. Juni 1989 einige Hundert Menschen getötet worden. Die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt.

Bilder, die um die Welt gingen:

abspielen

Video: YouTube/CNN

Forscher verweisen auch auf Zahlen des chinesischen Roten Kreuzes, das einst 2600 Tote genannt hatte. Tausende wurden verletzt und inhaftiert. Das Massaker ist bis heute ein politisches Tabu in China. Jedes öffentliche Gedenken wird sofort im Keim erstickt.

Gedenken in Hongkong

Während es am Jahrestag in China still sein dürfte, werden am Abend in Hongkong Zehntausende Menschen zu einer Demonstration erwartet. Seit 1990 findet jeweils im Viktoria-Park eine Kerzenandacht statt, an der nach Angaben der Organisatoren in manchen Jahren sogar 150'000 bis 200'000 Menschen teilgenommen haben.

«Ich denke, die Hongkonger haben das Gefühl, dass wir definitiv die Verantwortung tragen, die Bewegung voranzubringen», sagte Richard Tsoi, Vizevorsitzender der Hongkonger Allianz zur Unterstützung der Demokratiebewegung in China. «Wir haben noch Freiheit in Hongkong, deswegen müssen wir unsere Stimme erheben.»

Anders als die Menschen in der Volksrepublik geniessen die Bewohner der chinesischen Sonderverwaltungsregion grössere politische Freiheiten. Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert.

Mit dem Anwachsen der demokratischen Kräfte hat die kommunistische Führung in Peking allerdings ihren Griff verstärkt. So wurde dem früheren Studentenführer Feng Congde die Einreise nach Hongkong verweigert, wie die «South China Morning Post» berichtete.

Nach der Ankunft am Montag am Flughafen sei der in den USA im Exil lebende Bürgerrechtler wieder in ein Flugzeug zurück nach Tokio gesetzt worden. Der Aktivist habe in dem Vorgehen den Beweis dafür gesehen, dass Hongkong kein unabhängiges Justizsystem mehr habe.

Zensur und Unterdrückung

In China lief die Zensur vor dem Jahrestag auf Hochtouren. Im Internet beseitigte Software alle Hinweise auf das Blutbad. Die Staatssicherheit verschärfte die Überwachung.

Die Möglichkeiten der «Mütter von Tian'anmen», mit der Aussenwelt zu kommunizieren oder sich frei zu bewegen, seien schwer eingeschränkt worden, berichtete Human Rights Watch. Besonders betroffen seien die 82-jährige Ding Zilin und die 81-jährige Zhang Xianling, deren Söhne 1989 getötet worden waren.

Staatssicherheitsagenten brachten den bekannten Pekinger Bürgerrechtler Hu Jia am Freitag in «erzwungene Ferien» in die Hafenstadt Qinhuangdao, wie die Organisation ferner berichtete. Andere seien festgenommen worden.

So am 17. Mai der Filmemacher Deng Chuanbin in der Provinz Sichuan, weil er auf Twitter ein Foto mit Hinweis auf das Pekinger Massaker verbreitet habe. Die Polizei in der Provinz Anhui habe zudem am 16. Mai den Bürgerrechtler und Teilnehmer an der Demokratiebewegung 1989, Shen Liangqing, wegen «Störung der Ordnung» festgenommen.

Wie die Organisation berichtete, sei 2016 die letzte bekannte Person, die seit dem Massaker noch in Haft gewesen sei, nach 27 Jahren auf freien Fuss gekommen. Andere damalige Teilnehmer seien aber wegen ihres anhaltenden Engagements für Demokratie wieder inhaftiert worden. Human Rights Watch schilderte acht konkrete Fälle. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

China baut Riffs zu Stützpunkten aus

Im Todestrakt seit 1995

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Liveticker

SR Technics streicht offenbar 400 Jobs in Zürich +++ Impfstoff schon Ende Jahr?

Artikel lesen
Link zum Artikel