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China

China bezahlte AfD-Politiker Petr Bystron einen Luxustrip nach Peking

AfD-Politiker Petr Bystron soll tschechischen Ermittlern zufolge von russischen Einflussnetzwerken bezahlt worden sein.
Der AfD-Europaabgeordnete Petr Bystron.Bild: imago-images.de

China bezahlte einem AfD-Politiker einen Luxustrip nach Peking

Der AfD-Europaabgeordnete Petr Bystron ist auf Kosten von China nach Beijing geflogen. Die Propaganda-Agentur Xinhua zahlte Flug und Luxushotel.
15.01.2026, 20:3015.01.2026, 20:30
Jonas Mueller-Töwe / t-online
Ein Artikel von
t-online

Reisen nach Russland, in die USA und China haben führende AfD-Politiker zuletzt für medienwirksame Inszenierungen genutzt. Nun stellt sich heraus: Im Windschatten dieser Auftritte unternahm auch der EU-Abgeordnete Petr Bystron einen Trip – allerdings wesentlich weniger öffentlich. Der Grund dafür könnte heikel sein: Bezahlt wurde die Reise nach China Mitte November von einem Tochterunternehmen der staatlichen Propaganda-Agentur Xinhua. Das belegen Bystrons eigene Angaben gegenüber dem EU-Parlament.

Luxushotel und Schiffsrundfahrt

Laut den t-online vorliegenden Dokumenten übernahm der «China Economic Information Service» sowohl die Kosten für den Flug per Business-Class als auch für zwei Übernachtungen im luxuriösen Sheraton Beijing Lize Hotel. Vor Ort nahm Bystron an der «2025 Think Tank Annual Conference on Megacity Governance (Beijing)» teil, die ebenfalls von der staatlichen Nachrichtenagentur organisiert wurde. Dort standen nicht nur Workshops und Vorträge auf dem Programm, sondern auch eine abendliche Schiffsfahrt über den Liangma River. Auf Fragen von t-online zur China-Reise reagierte Bystron nicht.

Bystron in Peking: Die veranstaltende Xinhua zitierte ihn, er erwarte in Zukunft eine verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen der Energieeffizienz, der Anpassung an den Klimawandel und der Digitali ...
Bystron in Peking: Die veranstaltende Xinhua zitierte ihn, er erwarte in Zukunft eine verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen der Energieeffizienz, der Anpassung an den Klimawandel und der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen.Bild: Xinhua

Die aus China finanzierte Reise fällt für die AfD in eine ohnehin durch China- und Russlandaffären überschattete Zeit: Ein Assistent von Bystrons Parteifreund Maximilian Krah wurde Ende September zu fast fünf Jahren Haft verurteilt, weil er für einen chinesischen Nachrichtendienst spioniert hat. Das Gericht sah als erwiesen an, dass Jian Guo zahlreiche Dokumente aus dem Europaparlament an chinesische Führungsoffiziere übergab und die Exil-Opposition ausspähte. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Firmennetzwerke und Diamanten

Gegen Krah selbst läuft derweil ebenfalls ein Ermittlungsverfahren: Als Anwalt erhielt er mindestens 50'000 Euro aus einem Guo zugerechneten Firmennetzwerk, das t-online aufdeckte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden geht dem Verdacht nach, er sei bestochen worden und habe die Herkunft der Gelder verschleiert. Krah bestreitet jedes Fehlverhalten. Der Parteivorstand spielte die Affäre regelmässig herunter.

Jedoch reiste der Spion auch mit den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Rinck und Jan Wenzel Schmidt durch China, wie t-online berichtete. Dabei besichtigten sie eine Fabrik zur Produktion künstlicher Diamanten – während der Lebensgefährte von Schmidts Mutter in Deutschland über Briefkastenfirmen einen Diamantenhandel aufbaute. Eine Visitenkarte wies Schmidt als Vertriebsleiter aus. Guo verfasste dazu ein Dossier mit dem Titel «Projekt künstliche Diamanten».

Diskretes Gespräch in Strassburg

Nun kommt für die AfD offenbar eine weitere Affäre um Bystron hinzu: Bereits im Mai 2025 hatte er im Hilton Hotel Strassburg an einem Empfang der chinesischen Botschaft teilgenommen. Ebenfalls dort anwesend war laut Informationen von t-online der Lobbyist Lin Gai, der über Jahre von China finanzierte Reisen an EU-Abgeordnete vermittelte. Dazu nutzte er eine dubiose «EU-China Friendship Group», in der auch Krah eine Leitungsfunktion hatte.

Ein Foto vom Empfang im Mai zeigt Gai im Gespräch mit dem AfD-Abgeordneten Hans Neuhoff und dem fraktionslosen Abgeordneten Fernand Kartheiser aus Luxemburg. Kartheiser bestätigte t-online im Dezember, der Lobbyist habe ihm eine Reise nach China angeboten. Neuhoff und Bystron reagierten auf Anfragen dazu nicht.

Bystron mit der rumänischen Abgeordneten Diana Șoșoacă beim Empfang: Auch Șoșoacă reiste einige Monate nach dem Empfang nach China.
Bystron mit der rumänischen Abgeordneten Diana Șoșoacă beim Empfang: Auch Șoșoacă reiste einige Monate nach dem Empfang nach China.Bild: Facebook: Diana Șoșoacă

Bemerkenswert: Neuhoff und Kartheiser sowie Bystron und Krah standen auch mit dem russischen Einflussnetzwerk des Oligarchen Viktor Medwedtschuk in Kontakt, das die AfD immer wieder in die Schlagzeilen bringt.

Gegen Bystron ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft München seit Langem, ob er Bestechungsgelder des Netzwerks erhalten hat, was er vehement bestreitet. Gegen Krah wird noch immer in Vorermittlungen ein entsprechender Anfangsverdacht geprüft. Er hatte jahrelang für Medwedtschuk lobbyiert, bestreitet aber, Geld dafür erhalten zu haben.

Zuletzt waren nicht nur mehrere AfD-Abgeordnete zu einer vom Medwedtschuk-Netzwerk organisierten Konferenz nach Russland gereist. Anfang dieses Jahres brach der Parteivorsitzende Tino Chrupalla auch zu einem offiziellen Besuch nach China auf. Mitte 2023 hatte die AfD-Bundestagsfraktion einen ersten gemeinsamen Trip dorthin unternommen. Unter den Reisenden: Alice Weidel und Petr Bystron.

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gerd Müller
15.01.2026 21:17registriert August 2022
Kein Wunder, dass China auf ihn aufmerksam wurde, denn Bystron hat ja fleissig Werbung für sich gemacht.
Nicht umsonst hat das EU-Parlament seine Immunität aufgehoben, damit wegen Geldwäsche und Bestechlichkeit gegen ihn ermittelt werden kann.
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Shelley
16.01.2026 07:05registriert März 2018
Erstaunlich ist lediglich, dass ihre Wähler das offensichtliche nicht sehen wollen. Die extreme Rechte wie in D, F etc. machen auf national-konservativ, wollen aber ihre Länder aus Partikularinteressen an Moskau und Peking verscherbeln.
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