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China

Gericht in Hongkong verurteilt Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft

Gericht in Hongkong verurteilt Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft

Ein Gericht in Hongkong hat den Medienmogul und Demokratieaktivisten Jimmy Lai zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Der 78-Jährige war im Dezember wegen Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften und der Veröffentlichung aufrührerischer Publikationen schuldig gesprochen worden.
09.02.2026, 04:5209.02.2026, 16:02

Schlimmstenfalls drohte ihm zuvor eine lebenslange Haftstrafe. Kritiker betrachteten den Prozess als politisch motiviert und als weiteres Zeichen für den Abbau von Pressefreiheit und politischen Freiheitsrechten in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong.

epa12718875 (FILE) - Hong Kong Apple Daily founder Jimmy Lai Chee-Ying stands outside the West Kowloon Magistrates Courts in Hong Kong, China, 15 October 2020 (reissued 09 February 2026). A court in H ...
Jimmy Lai bei einem Auftritt vor Gericht im Jahr 2020.Bild: keystone

Zur Verkündung des Strafmasses kamen neben Lais Ehefrau, Teresa Lai, auch dessen Unterstützer wie der katholische Kardinal Joseph Zen. Der Prozess hatte seit dem Beginn im Dezember 2023 auch international grosse Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Lai hat die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten. Er sitzt seit 2021 im Gefängnis, nachdem ihn die Justiz zuvor bereits in anderen Verfahren zu zwei Haftstrafen verurteilt hatte.

Hartes Durchgreifen nach Sicherheitsgesetz

Der Verleger besitzt auch einen britischen Pass und ist Gründer der prodemokratischen Hongkonger Zeitung «Apple Daily». Das Blatt wurde 2021 zwangsweise eingestellt, nachdem die Behörden der früheren britischen Kronkolonie wegen mutmasslicher Verstösse gegen das nationale Sicherheitsgesetz ermittelt hatten.

Das Sicherheitsgesetz in Hongkong richtet sich gegen die prodemokratische Opposition sowie gegen Aktivitäten, die Pekings autoritäre Führung als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch einstuft. Es trat 2020 als Reaktion auf grosse Demonstrationen für mehr Demokratie in Kraft. International ist das Gesetz, das Freiheitsrechte in der chinesischen Sonderverwaltungsregion einschränkt, sehr umstritten.

Human Rights Watch: Lange Haft «praktisch ein Todesurteil»

Lais Verteidigung hatte sich zuletzt um eine Strafmilderung bemüht. Medienberichten zufolge ging es dabei vor allem um den Gesundheitszustand des Angeklagten. Lais Verteidiger Robert Pang argumentierte mit gesundheitlichen Problemen seines Mandanten wie Bluthochdruck und Diabetes. Die Anklage hingegen wies Bedenken über eine Verschlechterung von Lais Zustand im Gefängnis zurück und sprach von einer «stabilen» Verfassung.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Haftstrafe scharf. «Die harte 20-jährige Haftstrafe gegen den 78-jährigen Jimmy Lai ist praktisch ein Todesurteil», erklärte die Asien-Leiterin der Organisation Human Rights Watch, Elaine Pearson. Die Strafe sei grausam und völlig ungerecht. Reporter ohne Grenzen (RSF) teilte mit, die Gerichtsentscheidung unterstreiche den «vollständigen Zusammenbruch der Pressefreiheit in Hongkong».

Demokratien wie Grossbritannien und die USA müssten Druck auf Peking und die Behörden in Hongkong ausüben, um sicherzustellen, dass Lai und alle anderen Journalisten aus dem Gefängnis entlassen würden, forderte die Organisation weiter. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf etwa gesagt, er wolle Lai aus dem Gefängnis holen.

US-Aussenminister Marco Rubio kritisierte die Verurteilung als «ungerechten und tragischen Abschluss des Falls». Sie zeige der Welt, dass Peking zu «aussergewöhnlichen Massnahmen» bereit sei, um Menschen zum Schweigen zu bringen, die sich für Freiheit in Hongkong einsetzten. Er forderte die Behörden auf, Lai aus humanitären Gründen auf Bewährung freizulassen.

Britische Aussenministerin fordert Freilassung

Von Beginn an kritisierte auch Grossbritannien das Verfahren gegen den gläubigen Katholiken. Aussenministerin Yvette Cooper betonte nach der Strafmassverkündung, Peking habe Hongkong das nationale Sicherheitsgesetz auferlegt, um Chinas Kritiker zum Schweigen zu bringen. «Ich bleibe zutiefst besorgt um die Gesundheit von Herrn Lai und fordere die Behörden Hongkongs erneut auf, seine entsetzliche Tortur zu beenden und ihn aus humanitären Gründen freizulassen, damit er wieder mit seiner Familie vereint sein kann», sagte sie laut Mitteilung.

Taiwan kritisierte, die Kommunistische Partei (KP) Chinas und Hongkongs Regierung nutzten das nationale Sicherheitsgesetz als Vorwand, um Freiheit und Menschenrechte zu unterdrücken. Die für die Beziehungen mit Festlandchina zuständige Behörde forderte Lais Freilassung und forderte die internationale Gemeinschaft auf, wachsam gegenüber dem sich beschleunigenden Export von Autoritarismus durch die KP zu bleiben.

Behörden weisen Vorwürfe zurück

Die Hongkonger Regierung weist den Vorwurf eines politisch motivierten Verfahrens zurück und betont, das Verfahren habe nichts mit der Pressefreiheit zu tun, sondern diene der Durchsetzung geltenden Rechts. Lais «harte Strafe» von 20 Jahren Haft habe gezeigt, dass Rechtsstaatlichkeit gewahrt und Gerechtigkeit geübt werde, und das sei für alle eine «grosse Erleichterung», sagte Hongkongs Regierungschef John Lee.

Das chinesische Aussenministerium stellte sich hinter die Entscheidung des Hongkonger Gerichts und betonte, Lai sei ein chinesischer Staatsbürger. Sein Handeln habe das Prinzip von «Ein Land, zwei Systeme» ernsthaft untergraben und die nationale Sicherheit gefährdet, sagte Sprecher Lin Jian. Peking kritisierte ausserdem, dass sich andere Länder in den Prozess einmischten. Das Rechtsverfahren sei eine innere Angelegenheit, sagte Lin. Betreffende Länder sollten Chinas Souveränität und Hongkongs Rechtssystem respektieren und keine unvernünftigen Äusserungen über den Prozess tätigen, erklärte er. (sda/dpa)

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mulumbi
09.02.2026 07:37registriert April 2024
Für alle die gerne China als valide Alternative zur USA sehen: Das ist China! Ein repressives Regime.
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