Ketchup-Säckli und Kaffee-Rähmli in der EU bald verboten: So reagieren Migros und Coop
Vor 30, 40 Jahren kosteten sie noch nichts, die Ketchup-Sachets bei McDonald's. Man bekam oft eine Handvoll aufs Tablett – selbst wenn man nicht alle benötigte. Heute kosten sie 30 Rappen. Bei Selbstbedienungsrestaurants wie jenen von Coop und Migros kosten die Thomy- oder Heinz-Beutel zuweilen sogar 70 Rappen.
Doch die EU sagt diesen Mini-Portionen den Kampf an. Der Grund: Ihre Einwegverpackungen sorgen in der Menge für einen grossen Abfallberg. Die EU-Verpackungsverordnung verbietet ab 2030 Restaurants sowie anderen Gastro-Betrieben die Abgabe von kleinen Einwegverpackungen aus Kunststoff. Dazu gehören die Ketchup- und Mayonnaise-Beutel in den Fast-Food-Tempeln. Aber auch die Zucker-Säckli und Rähmli, die es jeweils zum Kaffee gibt.
Das Verbot gilt für den Vor-Ort-Verzehr, nicht aber Take-Away-Bestellungen, wie europäische Medien berichten. Ebenfalls davon ausgeschlossen sind Krankenhäuser und Pflegeheime, die aus hygienischen Gründen darauf angewiesen sind.
«Grundsätzlich eine gute Sache»
Bekannt ist: Was in der EU gilt, könnte schon bald auch in der Schweiz gelten. Wie denken also hiesige Gastrounternehmer über diese neue Regel? CH Media hat sich umgehört.
«Grundsätzlich finde ich das eine gute Sache», sagt Daniel Wiesner, Co-Chef und Mit-Inhaber des Familienunternehmens Wiesner Gastronomie. Dieses führt in der Deutschschweiz über 30 Restaurants, wie Nooch, Negishi oder Miss Miu. Insbesondere für Ketchup und Mayonnaise seien Tuben und Flaschen eine gute, nachhaltigere Alternative. Zudem gebe es Pump-Stationen für Fast-Food-Restaurants.
Dennoch sei er nicht mit allem einverstanden, sagt Wiesner. «Dass auch Kaffeerähmli und Zucker-Säckli verboten werden sollen, finde ich übertrieben.» Gerade beim Kaffeerahm würden die Mini-Portionen durchaus Sinn ergeben. «Denn wenn wir allen ein Kännchen Rahm hinstellen, entsteht mehr Foodwaste, da meistens etwas übrigbleibt.»
Plädoyer für gesunden Menschenverstand
Zudem dürfe man den Hygieneaspekt nicht ausser Acht lassen, sagt Wiesner. «Sonst müsste man bei allen Tischen auch noch Desinfektionsspender aufstellen, und das kann es ja nicht sein.» Es brauche den gesunden Menschenverstand.
Doch was ist mit dem Foodwaste bei den Zucker-Säckli, die oft automatisch mit dem Kaffee mitgeliefert werden und im Abfall landen, wenn sie der Kunde nicht verwendet? «Das stimmt, und das passiert auch in unseren Betrieben manchmal», sagt Wiesner. «Bei uns gilt aber die Weisung, dass man eine Box mit mehreren Zucker-Säckli und Kaffee-Rähmli auf den Tisch stellt, und nicht mit dem Kaffee mitserviert.»
Zu den grössten Gastro-Unternehmen in der Schweiz gehören Migros und Coop mit ihren Restaurants. Bei beiden heisst es auf Anfrage, Einzelportionen für Ketchup, Mayonnaise, Senf, Saucen oder Zucker-Sachets seien wichtig, um den Gästen eine hygienische und praktische Lösung anzubieten.
«Sie werden vor allem geschätzt, da sie eine einfache Dosierung und Flexibilität ermöglichen», sagt Migros-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Gleichzeitig gebe es auch kritische Rückmeldungen aus Nachhaltigkeitsgründen, «da diese Verpackungen oft als unnötiger Abfall wahrgenommen werden». Man prüfe laufend nachhaltigere Alternativen, sagt auch Coop-Sprecher Caspar Frey.
Nachfüllstationen als Alternative
Die Migros begrüsse grundsätzlich Massnahmen, die zur Reduktion von Einwegkunststoffen beitragen und die Nachhaltigkeit fördern, sagt Huguenin-dit-Lenoir. Das EU-Gesetz sei diesbezüglich ein wichtiger Schritt und man bereite sich vor, dass ähnliche Regulierungen auch in der Schweiz eingeführt werden könnten. «Gleichzeitig ist es entscheidend, praktikable Alternativen zu entwickeln, die sowohl den hygienischen Standards als auch den Kundenbedürfnissen gerecht werden.»
Die Migros-Sprecherin hat denn eine Liste bereit für Alternativen: Nachfüllstationen, Mehrwegbehälter und biologisch abbaubare Materialien für Verpackungen, falls Einzelportionen weiterhin benötigt werden. So gibt es in manchen Cafés manchmal den Kaffeerahm in einem Schokolade-Behälter oder Konfitüre in Waffel-Schälchen.
Und wie reagiert die grösste Fast-Food-Kette hierzulande auf die EU-Regel? «Einwegverpackungen sind in der Schweizer Gastronomie nach wie vor ein fester Bestandteil, da sie einem grossen Kundenbedürfnis entsprechen», sagt Béatrice Montserrat, Sprecherin von McDonald’s Schweiz. Negative Rückmeldungen von Gästen in Bezug auf die Saucenverpackungen habe man bislang nicht erhalten.
Nur noch 2 Prozent Plastik bei McDonald's
Gleichzeitig sei es McDonald’s Switzerland ein wichtiges Anliegen, das Verpackungsmaterial, wo immer möglich, zu reduzieren und konsequent auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen, sagt Montserrat. So würden heute rund 98 Prozent der Verpackungen aus erneuerbaren Materialien bestehen. «Lediglich etwa 2 Prozent enthalten noch Plastik.» So gebe es bei McDonald’s inzwischen keine Deckel, Röhrli, Besteck und Salatboxen aus Plastik mehr.
Iris Wettstein, Sprecherin des Branchenverbands Gastrosuisse, verweist auf weitere Aspekte in der Debatte. Denn für die Gastrobetreiber muss am Schluss die Rechnung aufgehen. Man unterstütze ein Plastikverbot für Produkte, «für die es erschwingliche, ausreichend verfügbare und qualitativ vergleichbare Alternativen gibt», sagt Wettstein.
Zudem könnten kunststofffreie Verpackungen schlechtere Schutzeigenschaften aufweisen, wie zum Beispiel gegen Feuchtigkeit. Deshalb ziehe Gastrosuisse den Ausbau des Plastik-Recyclings im Sinne der Kreislaufwirtschaft grundsätzlich den Verboten vor, sagt Wettstein. Hierzu seien Initiativen in der Schweiz am Laufen. Diesen Weg gelte es weiterzuverfolgen. Sollte es doch zu Verboten kommen, plädiert der Verband für angemessene Übergangsfristen. (aargauerzeitung.ch)
