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International
Coronavirus

Drei russische Corona-Ärzte stürzen aus Spitalfenstern

3 russische Corona-Ärzte stürzen innert 10 Tagen aus Fenstern – waren sie zu kritisch?

Der Arzt Alexander Shulepov befindet sich in kritischem Zustand, nachdem er aus einem Gebäude gestürzt ist. Zwei weitere Ärztinnen, die ebenfalls Corona-Patienten behandelt hatten, starben auf ähnliche Weise. Die Fälle geben Rätsel auf.
05.05.2020, 10:4305.05.2020, 14:33
In this photo taken on Saturday, May 2, 2020, doctors work inside the intensive care unit for people infected with the new coronavirus, at a hospital in Moscow, Russia. A Russian epidemiologist says t ...
Medizinisches Personal auf einer Intensivstation in Moskau versorgen einen Corona-Patienten. (Symbolbild)Bild: AP

Alexander Shulepov hat als Arzt für eine Ambulanz-Einheit in der Woronesch-Region im westlichen Russland gearbeitet. Am 22. April klagte er in einem Video die Arbeitsbedingungen vor Ort und den Mangel an medizinischer Ausrüstung an. Er berichtete auch, dass er trotz positivem Covid-19-Testergebnis weiterarbeiten musste.

Zehn Tage später fiel der Mann aus einem Fenster des Krankenhauses. Wie Buzzfeed – gestützt auf lokale Medien – berichtet, war dies der dritte mysteriöse Sturz einer Ärztin bzw. eines Arztes aus einem Fenster innerhalb von zehn Tagen. Alle drei Fachkräfte behandelten Corona-Patienten.

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Im Gegensatz zu seinen beiden Berufskolleginnen überlebte Shulepov den Sturz aus dem zweiten Stockwerk. Der 37-jährige Arzt hat einen Schädelbruch erlitten und befindet sich zurzeit in kritischem Gesundheitszustand.

Rätselhafter Sturz kein Einzelfall

Viele Russinnen und Russen begegnen den rätselhaften Umständen des Vorfalls mit Misstrauen: In den letzten Jahren kam es immer wieder zu tödlichen Stürzen von Personen, die sich kritisch über die russische Regierung geäussert hatten. Darunter auch mehrere investigative Medienschaffende, die über politische Korruption und Kriminalität berichteten.

Shulepovs Arbeitskollege und Vorsitzender der regionalen Corona-Arbeitsgruppe Alexander Kosyakin bestätigte am Wochenende, dass Shulepov aus einem Fenster des Novousmansky-Bezirksspitals gefallen war, in dem dieser gearbeitet hatte und gegen Covid-19 behandelt worden war.

Ausschnitt aus dem Video von Shulepov (links) und Kosyakin (rechts): «Der Chefarzt zwingt uns zu arbeiten».
Ausschnitt aus dem Video von Shulepov (links) und Kosyakin (rechts): «Der Chefarzt zwingt uns zu arbeiten».quelle: video

Kosyakin ist zusammen mit Shulepov im Video zu sehen. Shulepov wurde am 22. April nach einem positiven Testergebnis selbst hospitalisiert, und kurz darauf wieder entlassen zum Weiterarbeiten, nachdem der jüngste Test negativ ausgefallen war. «Der Chefarzt zwingt uns zu arbeiten. Was sollen wir in dieser Situation tun?», fragt Shulepov im Video.

Wenige Tage später zog Shulepov seine Aussagen in einem erneuten Video zurück. Er habe sich in einem emotionalen Zustand befunden, erklärt er gemäss Buzzfeed seine Äusserungen.

Zwei Ärztinnen stürzen tödlich

Am 25. April stürzte die Chefärztin Yelena Nepomnyashchaya aus dem fünften Stock eines Spitals in der sibirischen Stadt Krasnoyarsk. Sie verstarb noch vor Ort. Gemäss der Moscow Times wehrte sich die Ärztin gegen das Vorhaben, ein Gebäude des Krankenhauses für Covid-19-Fälle zu öffnen. Sie kritisierte demnach die fehlende Schutzausrüstung für sich und ihr Personal.

Einen Tag zuvor, am 24. April, starb Natalya Lebedeva nach einem Sturz aus einem Krankenhausfenster in der Nähe von Moskau. Die 48-jährige Chefärztin befand sich selbst in Behandlung, nachdem sie sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatte. Gerüchte über einen möglichen Suizid wurden von der örtlichen Polizei nicht bestätigt.

Gemäss worldometers verzeichnet Russland 155'370 bestätigte Corona-Fälle, 1451 Menschen starben in Zusammenhang mit Covid-19. (adi)

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«Treten Sie 2030 wieder als Präsident an?»

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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insert_brain_here
05.05.2020 11:57registriert Oktober 2019
Das nennt sich "gelenkte Demokratie", es gibt hier nichts weiter zu sehen, gehen Sie weiter!
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lilie ❤ Bambusbjörn
05.05.2020 12:55registriert Juli 2016
Die lassen infizierte Ärzte einfach weiterarbeiten? 😳

Furchtbar. Ich bin echt froh, dass hier seriöser gearbeitet wird.
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Glaubinix
05.05.2020 16:10registriert Januar 2016
"aus dem Fenster gefallen worden"
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Zu viele Antikörper oder zu wenig Cortisol – das sind mögliche Ursachen für Long Covid
Die Langzeiterkrankung Long Covid wird besser diagnostizierbar: Viele der Patienten haben zu wenig Cortisol im Blut. Das begünstigt andauernde Entzündungen im Körper.

Dass die wenigsten Patienten mit Long Covid von den Krankenkassen Unterstützung erhalten und auch nicht von allen Ärztinnen und Ärzten ernst genommen werden, hat vor allem damit zu tun, dass es für die Krankheit noch keinen eindeutigen Marker im Blut gibt. Es existiert also kein sicherer Beweis, um die Krankheit zweifelsfrei zu diagnostizieren. Das ändert sich gerade.

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