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epa09144793 (FILE) - Green Party Chairwoman Annalena Baerbock speaks to the media during her visit of German pharmaceutical company Bayer and the associated Chempark in Leverkusen, Germany, 13 August 2020 (reissued 19 April 2021). The Green Party's federal executive committee announced that Annalena Baerbock will lead the party into the September 2021 federal elections as candidate for chancellor. The candidacy was decided between her and co-chair Robert Habeck.  EPA/SASCHA STEINBACH *** Local Caption *** 56390017

Die 40-Jährige Baerbock kündigte nach der Nominierung durch den Parteivorstand am Montag in Berlin an, das Land grundlegend verändern zu wollen. Bild: keystone

«Kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau»: Deutschlands Grüne setzen auf Baerbock

Erstmals in ihrer Geschichte haben die Grünen in Deutschland eine Kanzlerkandidatin: Parteichefin Annalena Baerbock.



«Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht.» Für die Bundestagswahl am 26. September formulierte sie einen klaren Machtanspruch: «Verändern statt zu versprechen: Jetzt ist die Zeit, in diesem Sinne eine gute Regierung anzuführen», sagte sie. «Ich trete an für Erneuerung. Für den Status quo stehen andere.»

Sollte sie tatsächlich ins Kanzleramt einziehen, wäre sie die jüngste Regierungschefin in der Geschichte der Bundesrepublik.

Mit der Entscheidung für Baerbock gingen monatelange Spekulationen zu Ende. Die Grünen-Chefin muss zwar noch auf einem Parteitag vom 11. bis 13. Juni bestätigt werden. Das gilt aber als Formsache.

«In dieser Situation führt der gemeinsame Erfolg dazu, dass einer einen Schritt zurücktreten muss.»

Robert Habeck

Die Partei hatte die Klärung der Kandidatenfrage ihren beiden Vorsitzenden Baerbock und Robert Habeck (51) überlassen. Die beiden verständigten sich untereinander geräuschlos - nach eigenen Angaben schon vor Ostern. Die Bundestagswahl ist am 26. September.

Habeck sagte: «In dieser Situation führt der gemeinsame Erfolg dazu, dass einer einen Schritt zurücktreten muss.» Trotzdem will er die Grünen zusammen mit Baerbock als Spitzenduo in den Wahlkampf führen.

FILE - In this Monday, March 15, 2021 file photo, the leaders of Germany's Green party Annalena Baerbock, right, and Robert Habeck attend a press conference in Berlin, Germany. On Monday, April 19, 2021 the Green party announced that Annalena Baerbock will run as top candidate for chancellor at the national election in September 2021. (Tobias Schwarz/Pool via AP)

Ein Team: Robert Habeck (links) und Annalena Baerbock. (Archivbild: 15. März 2021) Bild: keystone

Er würdigte seine Co-Vorsitzende als «kämpferische, fokussierte, willensstarke Frau». Baerbock hatte schon seit einiger Zeit als Favoritin für die Kandidatur geholten. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der ersten Frau im Kanzleramt, kamen Glückwünsche.

Wahlkampf gegen zwei Männer

Die Grünen hatten sich angesichts der seit 2018 hohen Umfragewerte erstmals für eine Kanzlerkandidatur entschieden. Derzeit sind sie mit mehr als 20 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CDU/CSU und vor den Sozialdemokraten.

Baerbock ist bei der 20. Bundestagswahl seit 1949 erst die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich ums höchste Regierungsamt bewirbt. Sie wird bei der Wahl gegen zwei Männer antreten: Die SPD hat Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz nominiert. Die Union schwankte bis Montag noch zwischen den Vorsitzenden von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder.

Die anderen drei Bundestagsparteien stellen Spitzenkandidaten auf, die sie aber nicht Kanzlerkandidaten nennen wollen. Für die liberale FDP wird das Partei- und Fraktionschef Christian Lindner sein. Bei der rechtspopulistischen AfD und Linken gibt es noch keine Entscheidung.

Keine Koalitionspräferenzen

Anders als bei CDU und CSU gab bei den Grünen weder Streit noch grössere öffentliche Diskussionen über die Kandidatenkür. Deswegen wird auch auf dem Parteitag grosse Zustimmung erwartet.

«Wir trotten nicht anderen hinterher»

Annalena Baerbock

Baerbock kündigte an, eine Politik «für die Breite der Gesellschaft» machen zu wollen. Klimaschutz solle Massstab für alle Bereiche werden. Bei allen harten Entscheidungen, die zu treffen seien, wolle sie Politik «menschlich und empathisch» machen.

Eine Koalitionspräferenz will Baerbock im Wahlkampf nicht zeigen. «Wir trotten nicht anderen hinterher», sagte sie. Nach den aktuellen Umfragen könnten die Grünen Juniorpartner in einer Koalition mit der Union werden, aber auch für eine Ampel-Koalition unter Führung der Grünen mit SPD und FDP oder eine grün-rot-rote Koalition mit SPD und Linken könnte es rechnerisch reichen.

«Ich werde weiterhin Mutter bleiben»

Baerbock wuchs in der Nähe von Hannover (Bundesland Niedersachsen) auf dem Dorf auf und studierte Politikwissenschaften und Völkerrecht in Deutschland und London. Bei den Grünen machte sie schnell Karriere: 2009 Vorstand der europäischen Grünen und Landesvorsitzende im Bundesland Brandenburg; 2013 Einzug in den Bundestag; 2018 Bundesvorsitzende, gemeinsam mit Habeck.

Ihre fehlende Regierungserfahrung sehe sie nicht als Manko, sagte Baerbock. Dafür bringe sie «Entschlossenheit, Durchsetzungskraft und einen klaren Kompass und Lernfähigkeit» mit.

Die Mutter von zwei Töchtern im Kita- und Grundschulalter betonte, dass auch ihre Familie die Kandidatur unterstütze. «Ich werde weiterhin Mutter bleiben, auch als Spitzenpolitikerin. Meine Kinder wissen, wo mein Zuhause und mein Herz ist.»

Bisher haben in der Regel nur CDU/CSU und SPD Kanzlerkandidaten nominiert, mit einer Ausnahme: 2002 stellte die FDP Guido Westerwelle auf, wurde dann aber mit 7.4 Prozent nur viertstärkste Kraft im Bundestag hinter SPD, CDU/CSU und Grünen.

Die Grünen erzielten ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl 2009 mit 10.7 Prozent. Bei der Wahl 2017 kamen sie nur auf 8.9 Prozent und sind derzeit die kleinste von sechs Fraktionen im Bundestag.

Laschet und Scholz versprechen fairen Wahlkampf

Die Konkurrenz sagte Baerbock einen fairen Wahlkampf zu. «Wir wissen aus den USA, was es bedeutet, polarisierte Wahlkämpfe zu führen. (...) Das sollten wir uns in Deutschland ersparen», sagte CDU-Chef Armin Laschet.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz schrieb auf Twitter: «Ich freue mich auf einen spannenden und fairen Wettstreit um das beste Konzept für die Zukunft unseres Landes.» CSU-Chef Markus Söder schloss eine schwarz-grüne Regierungskoalition nicht aus. «Schwarz-Grün wäre dann möglicherweise die nächste GroKo.» (sda/dpa)

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Das Gala-Dinner an der Seite von Angela Merkel

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quelle: ap/ap / michael sohn
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