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Schwanger zu Lockdown-Zeiten – wenn Vorfreude und Sorge Ping-Pong spielen

Julia Dombrowsky / watson.de



Wer schwanger ist, freut sich oft sehr, doch gleichzeitig kommen völlig neue Ängste auf: Bleibt mein Baby gesund? Wie schmerzhaft wird die Geburt? Wenn Sorge und Vorfreude so richtig schön miteinander Ping-Pong spielen, ist das anstrengend. Schlimmer ist nur: Wenn noch eine Pandemie obendrauf kommt ...

Caro (36) ist Redakteurin in Hamburg und im 8. Monat. Für watson.de erzählt sie uns, wie es ist, sich ausgerechnet zu Corona-Zeiten auf eine Geburt vorzubereiten.

Wenn Baby-Vorfreude durch Angst ersetzt wird

Ich wollte schon vor Jahren schwanger werden, doch es war lange ein Zittern und ein Kampf. Als der Arzt uns die Schwangerschaft im November verkündete, konnte ich es gar nicht glauben. Ich hab mich so gefreut, dass ich die klassischen drei Monate Stillschweigen über Bord geschmissen habe und direkt meine Eltern anrief.

Gerade weil es bei uns mit dem Schwanger-Werden gedauert hat, war ich anfangs trotzdem skeptisch, ob alles gut gehen würde. Aber ab Februar hatte ich endlich diese Zuversicht: OK, los geht's! Ich hab mich aufs Schwimmengehen gefreut, Schwangerschaftsyoga und Geburtsvorbereitungskurse. Alles eben, was dazu gehört. Ich wollte diese Zeit so richtig geniessen – tja ... und dann kam plötzlich Covid-19.

«Irgendwie ist es auch egal, wenn andere sagen: 'Mensch. Soweit man weiss, sind Schwangere doch gar nicht gefährdet!' Die Sorge ist trotzdem da.»

Caro zu watson

Ich stand anfangs echt unter Schockstarre. Noch kurz davor hatte ich es auf der Arbeit erzählt. Meine Kolleginnen haben sich mit mir gefreut und mir Sachbücher mitgebracht. Überall Vorfreude. Ausserdem hatten mein Mann und ich den Plan, noch ein letztes Mal zu zweit Urlaub zu geniessen, den Babymoon auszukosten. Und dann war plötzlich Schluss mit schön.

Diese ganzen Nachrichten kamen auf mich zu, gefühlt wurde es jeden Tag schlimmer. Und zwischendurch ploppen immer Meldungen auf: Kleines Kind an Corona gestorben'. ,Schwangere gestorben. Ich nehme das alles viel stärker wahr. Sind vielleicht auch die Hormone ... Aber irgendwie ist es auch egal, wenn andere sagen: Mensch. Soweit man weiss, sind Schwangere doch gar nicht gefährdet! Die Sorge ist trotzdem da – man ist eben verletzlicher als sonst.

Nach dem Motto: «Corona, but make it fashion.»

Die Hormone spielen im Lockdown wild

Mein Arbeitgeber hat mich sehr schnell ins Homeoffice geschickt, ausserdem gilt für alle Kurzarbeit. Mein Mann ist Kardiologe und war den ganzen Tag in der Klinik, noch mehr als sonst. Ich sitze komplett alleine zuhause und habe so richtig Zeit für Kopfkino: «Oh Gott, gerade jetzt weniger Geld. Verliere ich meinen Job am Ende ganz?!» All solche Sachen schwirren da in mir herum, wenn ich nachts im Bett liege. Die eine oder andere Träne ist da schon geflossen.

«Dass mir meine eigene Mutter nicht ein einziges Mal die Hand auf den Bauch legen darf, die kleinen Tritte spüren kann, das macht mich extrem traurig.»

Caro zu watson

Diese besondere Zeit ist jetzt überschattet von Angst. Und was mich hätte ablenken können, brach nach und nach weg. Der Schwangeren-Yogakurs wurde nach zwei Terminen beendet. Das gleich galt für den Geburtsvorbereitungskurs – ohne Ersatz abgesagt. Ich sitze jetzt in der immer gleichen Leggings in der Wohnung und wenn ich mal rausgehe, dann traut sich kaum jemand mal zu helfen, wenn mir das Portemonnaie runterfällt. Eigentlich ist eine Schwangerschaft ja etwas, worüber sich das Umfeld freut, worauf einen ältere Damen ansprechen. Das fällt für mich alles weg, es fühlt sich sehr einsam an.

In meinem Fall wird es schlimmer dadurch, dass mein Mann nun zusätzlich bei sogenannten Corona-Schichten mithilft. Damit bin ich einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Bei Vorsorge-Terminen beim Frauenarzt darf er aber nicht dabei sein, wie es sonst für Väter selbstverständlich ist.

Normalerweise hätte ich diese Zeit mit meiner Familie in Hessen teilen wollen. Aber nun erleben mich meine Eltern überhaupt nicht schwanger. Dass mir meine eigene Mutter nicht ein einziges Mal die Hand auf den Bauch legen darf, die kleinen Tritte spüren kann, das macht mich extrem traurig.

Die erste Geburt – und keiner darf dabei sein

Aber all das ist nix zu meiner Angst, wenn ich erstmal anfange, über die Geburt nachzudenken. Um ehrlich zu sein, habe ich das nie als «kraftvolles Erlebnis» gesehen, sondern als Horror, durch den man durch muss. Aber die Vorstellung, dass wegen der Corona-Regelungen niemand auch nur meine Hand halten kann, versetzt mich wirklich in Panik.

«Es ist viel Angst, Einsamkeit und Stress dabei, was noch vor einem halben Jahr kein Thema gewesen wären.»

Caro zu watson

Jede Klinik hat da offenbar andere Leitlinien und während ich am Anfang noch in einer möglichst guten Klinik sein wollte, mit der ich mich wohlfühlte, schaue ich jetzt nur noch, wo die Regelungen am lockersten sind ... Ich hätte meinen Mann gerne bei der Geburt dabei, aber momentan dürfen Väter erst in den letzten Momenten dazu und später dann auch nur eine Stunde am Tag zu Besuch kommen. Er kann mir also weder zur Seite stehen, noch sein Kind richtig kennenlernen, solange ich im Krankenhaus bin.

Da kommt in mir schon die Angst hoch. Was, wenn ich plötzlich jemanden brauche? Wenn es mir oder dem Kind schlagartig schlecht geht und ich irgendwelche Entscheidungen treffen soll? Ich hätte meinen Mann gerne als Fürsprecher im Kreisssaal. Aber laut dem Stand jetzt werde ich wohl die meiste Zeit alleine daliegen und das Beste hoffen.

Das Frustrierende ist, dass wir es nicht verstehen. Ich werde in der Klinik meines Mannes entbinden – da läuft er ja eh stundenlang rum, aber zu mir dürfte er dann trotzdem nicht rein. Ich weiss, dass ihn das wütend macht. Er würde die Geburt seines ersten Kindes gerne ganz miterleben.

Im Wochenbett geht das Problem weiter. Die Hebammen, mit denen ich sprach sind verunsichert, ob sie noch Hausbesuche machen dürfen. Man kommt sich ja sehr nah. Alternativ wäre es toll, wenn wenigstens unsere Eltern nach der Geburt zu Besuch kämen. Aber momentan ist das natürlich verboten. Sie könnten nicht bei uns wohnen und die Hotels sind zu. Und selbst bei einem Spaziergang dürften sie ihr Enkelkind nicht mal hochnehmen oder knuddeln. Diese ersten Momente, die fehlen werden, gibt uns keiner zurück.

Klar. Meine Oma hat ein Kind nach dem Krieg bekommen. Mir ist bewusst, dass es sehr viel prekärere Situationen als meine gibt, aber es ist trotzdem traurig. Es ist viel Angst, Einsamkeit und Stress dabei, was noch vor einem halben Jahr kein Thema gewesen wäre.

«Ich hätte meinen Mann gerne als Fürsprecher im Kreisssaal. Aber laut dem Stand jetzt werde ich wohl die meiste Zeit alleine daliegen und das Beste hoffen.»

Caro zu watson

Ich hoffe, dass die Pandemie bis zur Geburt im Juli beendet ist, dass das Ganze zu einer Anekdote wird, die ich meiner Tochter erzählen kann, wenn sie gross ist. Aber wenn ich mich so umhöre, scheint das ja unwahrscheinlich. Mein Horror ist, dass es diese zweite Welle gibt, von der nun so viele Virologen sprechen – und alles noch schlimmer wird.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mexx 04.05.2020 11:55
    Highlight Highlight Wir hatten vorletzte Woche unsere Kleine bekommen. Es wurde immer klar kommuniziert, dass der Mann bei der Geburt dabei sein darf!

    Erst nach der Geburt gab es Einschränkungen bezüglich Besuche. Dies scheint jedoch von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich gehandhabt zu werden. Und ganz ehrlich, nicht gleich die gesamte Verwandtschaft im Zimmer zu haben, war auch toll.
  • duidui 04.05.2020 11:39
    Highlight Highlight Es ist wie es ist. Jammern auf so hohem Niveau, für mich unverständlich. Ich bin selbst Risikopat., im 7. Monat, ohne Partner.
    Sie spricht von einem gesunden Baby, einem Zuhause & von 2 Einkommen. Von einem besorgten Ehemann, liebenden Eltern & guten Freunden. Alle scheinen gesund zu sein. Wieso Angst und Sorge so viel Macht geben, solange es keinen Grund dazu gibt & das Glück beiseite steht? Der Virus hat Einschränkungen gebracht, ja. Was noch bei weitem keinem Freiheitsentzug gleich kommt & in diesem Fall keine Tragödie ist. Denn es ist nicht viel, auf was wir verzichten müssen.
  • Rüebliraupe 03.05.2020 20:12
    Highlight Highlight Liebes Watson-Team
    So ganz ohne Information darüber, wie die Situation im Moment in der Schweiz ist, wenn ein Kind zur Welt kommt, finde ich ich diesen Artikel sehr fragwürdig. Nicht, dass ich die Ängste nicht nachvollziehen könnte, aber es schürt mehr Angst, als das hier an Information gewonnen wird. Ich fände es gut, wenn erwähnt werden würde, wohin sich Schwangere wenden können, wenn sie Unterstützung brauchen. Oder wie die Situation in der Schweiz aussieht, wie die Besuchsregeln sind und welche alternativen Möglichkeiten es gibt bei einer Geburt/ im Wochenbett (ambulante Geburt z.b.).
  • ch.vogel 03.05.2020 19:40
    Highlight Highlight Dass der Mann bei der Geburt (und davor/danach) nicht dabeisein kann, verstehe ich nun wirklich nicht. Insbesondere wenn es die erste Geburt ist! Schliesslich handelt es sich um zwei Personen aus dem gleichen Haushalt und die Wahrscheinlichkeit, dass genau zum Geburstermin nur der Mann infiziert ist dürfte minimal sein, insbesondere wenn er die Wochen davor im Homeoffice arbeiten konnte.
    Und wieso Besuchszeiten auf 1h limitiert werden (aber trotzdem täglich besucht werden darf) verstehe ich schon gar nicht...
  • Kimbim 03.05.2020 18:16
    Highlight Highlight Ihr werdenden Eltern habt in dieser Krise mein ganz grosses Mitgefühl. Ich kann jede Zeile nachvollziehen und kann mir nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, hätte ich als Papa nicht ab dem ersten Augenblick jeden Atemzug meines Sohnes beobachten und jedes kleine Piepsen hören können.
    Ich wünsche euch allen viel Kraft und Zuversicht!❤️
  • andy y 03.05.2020 17:51
    Highlight Highlight Ist doch alles Shizopren. Beispiel Deutschland. 6 Wochen, in der kritischsten Zeit, mussten die Kassierrinnen ihr Kunden ohne Masken, Anfang sogar ohne Plexiglas bedienen. Jetzt wo die Zahlen fallen werden sie auf einmal gezwungen Masken zu tragen.
  • Elina87 03.05.2020 17:46
    Highlight Highlight Ich im 6. Monat schwanger, kann vieles einfach unterschreiben. Am schlimmsten finde auch ich die Vorstellung, dass mein Partner nicht bei mir sein kann, gerade wenn ich ihn doch so sehr brauche. Ich hoffe einfach, dass im Sommer alles besser wird...
    • NiSpy 03.05.2020 19:05
      Highlight Highlight In vielen Spitälern darf der Mann bei der Geburt dabei sein, da würde ich mir nicht zu viele Sorgen machen.

      In unserem Spital ist lediglich der Besuch nachher sehr eingeschränkt.
  • Bonjourayn 03.05.2020 17:29
    Highlight Highlight Liebe Julia, ich kann deine Ängste und auch deine Entäuschung gut verstehen. Ich würde aber versuchen, der Situation auch ein paar positive Dinge abzugewinnen: Niemand fasst dir ungefragt an den Bauch. Home-Office in der Schwangerschaft ist doch super, ich fand den Arbeitsweg hochschwanger sehr anstrengend. Im Spital ist kein Besuch erlaubt, somit erhältst du auch keinen unerwünschten. Und das Wochenbett ähnelt sowieso einem persönlichen Lockdown, da ändert dann nicht mehr so viel. Ich wünsche dir alles Gute und dass dein Mann bei der Geburt dabei sein darf.
  • luegeLose 03.05.2020 16:45
    Highlight Highlight Ich fühle mit Ihnen und drücke Ihnen ganz fest die Daumen.
  • Häsli 03.05.2020 16:21
    Highlight Highlight Liebe Julia,
    Ich verstehe dich total. Bin Risikopatientin und im 6. Monat schwanger. Es ist sehr traurig, wenn man diese schönen Momente nicht mit seiner Familie und Freundinnen teilen kann.
    Ich hoffe fest, dass dein Mann bei der Geburt dabei sein kann. Alleine in den Wehen zu liegen ist meine absolute Alptraumvorstellung. Gute Gesundheit euch dreien!
  • Fräulein Flamingodingo 03.05.2020 16:18
    Highlight Highlight Wir hatten vor zwei Wochen unser 2. Kind geboren. Ich verstehe die Frau. Finde aber ihre Ängste auch sehr extrem irgendwie. Unsere grösste Angst war auch, dass ich alleine gebären muss. Musste ich dann aber nicht und die Hebamme kommt ganz normal zu uns. Wochenbett ohne Besuche ist sogar empfehlenswert.
    • Lululuichmagäpfelmehralsdu 03.05.2020 17:07
      Highlight Highlight Ja den besuch, von mir und der zimmerpartnerin habe ich soo sehr gehasst... so sehr das ich mir bei den folgenden kindern ein upgrade gegönnt habe.
    • Miicha 03.05.2020 17:09
      Highlight Highlight Deutschland hat vielleicht noch andere Regelungen als die Schweiz, bzw. die Kantone. Wird überall wieder was anderes sein.
    • p4trick 03.05.2020 19:06
      Highlight Highlight Wir hatten vor 5 Wochen geboren. Alles easy. Ich durfte bei der Geburt und 3h danach dabei sein. Dann hatte meine Frau 3 Tage Bonding Time ganz alleine mit dem Baby kein Besuch nix. Klar war es ein bisschen traurig dass ich meine 2 Liebsten 3 Tage nicht sehen durfte aber es gibt ja Videochat.
  • Zing1973 03.05.2020 15:49
    Highlight Highlight Es gibt viele widersprüchliche Angaben, ob Schwangere zur Risikogruppe gehören. Es ist daher besser, vorsichtig zu sein und weniger oft raus zu gehen, auch wenn es schwierig ist.
  • weissauchnicht 03.05.2020 15:35
    Highlight Highlight Ich werde Vater im August, und kenne das.

    Manchmal dünkt mich, dass der Lockdown nicht nur heisst, dass man nicht mehr sterben soll, sondern idealerweise auch mit dem Gebären zuwartet. Geht leider nicht. Tod und Geburt gehören gleichermassen zum Leben und bleiben unberechenbar. Das ist irgendwie trotz allem auch gut so. Wünschte mir deshalb einfach auch etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Corona. Gerade was die Rechte der Väter im Zusammenhang mit der Geburt betrifft.

    Gleichzeitig bin ich froh, dass die 70-jährige Schwiegermutter ihren Aufenthalt in der Coronastation gut überstanden hat.
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 03.05.2020 15:28
    Highlight Highlight Hausgeburt oder Gerburtshäuser, wären auch noch zwei weiter Alternativen. Da könne ihr Mann sicher dabei sein, oder liege ich da total daneben?
    Mich würde es auch stressen wenn der Kindsvater nicht da wäre!
    • Fräulein Flamingodingo 03.05.2020 18:32
      Highlight Highlight Im Geburtshaus darf der Vater dabei sein, wenn keine Symptome (aktueller Stand Schweiz-haben vor 2 Wochen so geboren.)
    • p4trick 03.05.2020 19:09
      Highlight Highlight Der Vater darf bei der Geburt dabei sein im Spital.
      Geburtshäuser und Hausgeburt ist das Risiko hoch, kenne 2 Stories da musste die gebärende Mutter mit Blaulicht in ein Spital. Dieses Risiko ist es echt nicht wert!
  • Stiggu LePetit 03.05.2020 15:16
    Highlight Highlight Ich bin froh sind meine Frau und ich locker geblieben und nahmen jeden Tag so wie er kam. Wir mussten beide noch bis zum Geburtstermin arbeiten (sozialer Bereich). Zudem haben wir uns schon lange vor Corona im Geburtshaus angemeldet. Damals wurde unsere Entscheidung kritisch hinterfragt, nun wollen alle in ein Geburtshaus. Mitten im Lockdown kam unser Sohn ganz wohlauf zur Welt. Bisschen Gelassenheit schadet nicht ;)
    • Fräulein Flamingodingo 03.05.2020 18:33
      Highlight Highlight Bei uns genau gleich! :)

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