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epa05286180 Joerg Meuthen (L) and Frauke Petry (R), co-spokespersons of Alternative for Germany (AfD) party, smile aty the closing of the AfD party convention in Stuttgart, Germany, 01 May 2016. The AfD members were expected to pass a manifesto for the party's anti-Islam and anti-refugees policies.  EPA/MARIJAN MURAT

Da war die Welt noch in Ordnung: Meuthen und Petry am Parteitag vom 1. Mai 2016.  Bild: EPA/DPA

Rechtspopulisten tun, was sie am besten können: AfD-Fraktion in Stuttgart zerfleischt sich selbst

Im Streit um die Antisemitismus-Vorwürfe gegen den AfD-Politiker Wolfgang Gedeon ist die Fraktion der Partei Alternative für Deutschland im baden-württembergischen Landtag zerbrochen.



Der Fraktionschef und AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sowie zwölf weitere Abgeordnete verliessen am Dienstag die Fraktion im Stuttgarter Landtag. Grund sei der Konflikt um Gedeon. Bei einer neuen Abstimmung über den Rauswurf des Abgeordneten aus der Fraktion sei die nötige Zweidrittelmehrheit nicht zusammengekommen. Am Abend verkündete der umstrittene Abgeordnete Gedeon den Austritt aus der AfD-Fraktion.

«Der Fraktionsbruch ist rechtskräftig», sagte Meuthen der Nachrichtenagentur DPA am Abend nach der Erklärung Gedeons.

An diesem Mittwoch sollen die Abgeordneten zusammenkommen, um über eine mögliche Neugründung der AfD-Fraktion zu tagen, wie Meuthen ankündigte. «Wenn nun mindestens fünf Abgeordnete überlaufen zu uns, dann kann die andere Gruppe nicht als Fraktion existieren. Dann gibt es eine neue AfD-Fraktion frei von Antisemitismus», betonte Meuthen.

Kritik an Frauke Petry

Meuthen kritisierte die Einmischung seiner Co-Vorsitzenden auf Bundesebene, Frauke Petry, in die Angelegenheiten der baden-württembergischen Landespartei. «Ich frage mich, wie Frau Petry reagieren würde, wenn ich in Sachsen so agieren würde wie sie hier», sagte Meuthen. Petry hatte nach Gesprächen in Stuttgart verkündet, mit dem Austritt Gedeons sei die Spaltung der AfD-Fraktion in Baden-Württemberg abgewendet.

Die rechtspopulistische AfD hat 23 der 143 Sitze im Stuttgarter Parlament. Die Partei hatte bei der Landtagswahl im März 15,1 Prozent der Stimmen erzielt und zwei Direktmandate errungen.

Frauke Petry, chairwoman of the anti-immigration party Alternative for Germany (AfD) types a message into her smartphone during the second day of the AfD party congress in Stuttgart, Germany, May 1,  2016. REUTERS/Wolfgang Rattay

Kritik an Frauke Petry: Sie soll sich zu sehr in baden-württembergische Angelegenheiten eingemischt haben. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Der AfD-Bundesvorstand unterstützte Meuthen, der auch Co-Vorsitzender der Partei ist. In einer einstimmig beschlossenen Erklärung der Parteispitze vom Dienstag hiess es: «Der Bundesvorstand distanziert sich von denjenigen Mitgliedern der Fraktion, die nicht mit Jörg Meuthen die Fraktion verlassen.»

Als Vertreter der AfD im Landtag von Baden-Württemberg werde nur die Gruppe um Meuthen anerkannt. Die Co-Vorsitzende der AfD, Petry, nahm an der Besprechung des Bundesvorstandes dem Vernehmen nach nicht teil.

Meuthen soll zu lasch gewesen sein

AfD-Chef Meuthen sah sich in den letzten Wochen Vorwürfen ausgesetzt, in den eigenen Reihen Antisemitismus nicht entschieden genug zu bekämpfen. Er hatte zuerst mit Rücktritt gedroht, sollte Gedeon nicht ausgeschlossen werden aus der Fraktion. Dann blieb er aber zunächst doch. Gedeon hatte vor zwei Wochen erklärt, seine Mitgliedschaft in der Fraktion bis September ruhen zu lassen.

Eigentlich wollte die AfD die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Gedeon zuletzt durch Gutachter klären lassen. Es seien bereits zwei Gutachten angefertigt worden, sagte Meuthen. Diese seien zu dem Schluss gekommen, dass die Äusserungen von Gedeon antisemitisch seien.

epa05381170 (Alternative for Germany) delegate Wolfgang Gedeon (C) delivers a statement after a party fraction meeting in Stuttgart, Germany, 21 June 2016. The AfD state parliamentary fraction ruled against Gedeon in their decision to expel him due to accusations of anti-Semitism. Gedeon will hold his seat in the AfD state parliamentary fraction until the reportis issued on the accusations.  EPA/DANIEL MAUERER

Vorwurf des Antisemitismus: Wolfgang Gedeon. Bild: EPA/DPA

Gedeon sieht sich Kritik ausgesetzt, Holocaust-Leugner zu unterstützen. Er hatte sie als «Dissidenten» – Gegner in autoritären Regimes – gewürdigt. Auch Gedeons Satz «Das Talmud-Judentum ist der innere Feind des christlichen Abendlandes» wurde von einigen AfD-Politikern als hinreichender Beleg für antisemitisches Gedankengut gewertet. Gedeon hatte überdies den Holocaust als «gewisse Schandtaten» bezeichnet.

Zudem hält der Politiker die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion, aus denen Antisemiten Theorien über eine angebliche jüdische Verschwörung ableiten, für «eher» keine Fälschung. Nach Einschätzung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) sind diese Papiere aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und dienen der falschen Untermauerung von Ressentiments gegen Juden. (kri/sda/dpa)

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Hypnos350
06.07.2016 05:45registriert August 2015
"Es seien bereits zwei Gutachten angefertigt worden..."
Ernsthaft?
Die gewöhnen sich sich aber sehr schnell an die Unerschöpflichen Steuereinnahmen 😂
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TheCloud
06.07.2016 08:42registriert January 2016
Die AFD soll nicht so empfindlich tun. Zum braunen Sumpf AFD,PEGIDA,NPD,SVP,FPÖ etc. gehört der Antisemitismus dazu.
In der Schweiz gehen wir mit dem Thema viel entspannter um. Zitat Blocher "... Holocaust und solcher Quatsch ..." und niemand stört sich daran.
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