Nach tödlichem Angriff: Deutsche Bahn sagt mehr Bodycams zu
Die Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, will noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausstatten.
Das ist eine der Sofortmassnahmen zum Schutz der Bahnbeschäftigten, die Palla auf einem von ihr einberufenen Sicherheitsgipfel in Berlin bekannt gemacht hat, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Die Bahn verwies auf Nachfrage auf eine Pressekonferenz am Nachmittag.
An dem Sicherheitsgipfel nehmen seit dem Morgen Vertreter von Bund und Bundesländern sowie Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern für den öffentlichen Nahverkehr teil. Er war nach einem tödlichen Angriff auf einen 36 Jahre alten Zugbegleiter am 2. Februar einberufen worden.
Der Fall sorgte deutschlandweit für grosses Entsetzen. Der Zugbegleiter wurde von einem Fahrgast angegriffen, der kein Ticket hatte und daher des Zuges verwiesen werden sollte. Dabei erlitt der 36-Jährige so schwere Kopfverletzungen, dass er in einer Klinik starb. Der mutmassliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt in Untersuchungshaft.
Gewerkschaft fordert zudem Doppelbesetzungen in Regionalzügen
Palla nimmt mit der Massnahme eine Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf. Diese fordert flächendeckend den Einsatz von Bodycams auch mit Tonaufnahme. Damit sollen auch verbale Übergriffe auf Mitarbeiter besser dokumentiert und nachverfolgbar werden. Schon jetzt können Beschäftigte mit Kundenkontakt im Regionalverkehr Bodycams erhalten und tragen.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt zudem darauf, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer.
Den Angaben der Deutschen Bahn zufolge kam es im vergangenen Jahr zu insgesamt rund 3'000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte des eigenen Konzerns. Das war zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Jahr davor. Doch das Sicherheitsgefühl innerhalb der Belegschaft habe sich deutlich verschlechtert, betonte die EVG. Sie verweist auf eine eigene Umfrage unter rund 4'000 Mitarbeitenden aus dem vergangenen Jahr. (hkl/sda/dpa)
