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Antisemitismus-Vorwurf von Gil Ofarim: Video aus Hotel wirft Fragen auf

Protestierende versammeln sich vor dem Hotel Westin in Leipzig, nachdem der Sänger Gil Ofarim dem Hotel Antisemitismus vorwarf.
Protestierende versammeln sich vor dem Hotel Westin in Leipzig, nachdem der Sänger Gil Ofarim dem Hotel Antisemitismus vorwarf. Bild: keystone

Video aus Hotel wirft neue Fragen zu Antisemitismus-Eklat in Leipzig auf

17.10.2021, 14:2517.10.2021, 16:34
Jennifer Ullrich / watson.de

Anfang Oktober sorgte ein Instagram-Video von Gil Ofarim für Aufsehen. Der Sänger beschrieb einen antisemitischen Vorfall, der sich angeblich in einem Leipziger Hotel ereignete. Demnach soll ihm der Check-in verwehrt worden sein, weil er seinen Davidstern um den Hals trug. Ein Mitarbeiter habe ihn aufgefordert, die entsprechende Kette abzunehmen, erst dann könne der 39-Jährige ein Zimmer beziehen. Gegen den besagten Mitarbeiter erstattete er am 12. Oktober Anzeige.

Nun liegen der «Bild» Aufnahmen der Überwachsungskameras aus dem Hotel von eben jenem Abend vor. Die Bilder werfen Fragen auf, denn Ofarims Davidstern ist hier nicht sichtbar. Der Sänger selbst äusserte sich bereits.

Aufnahmen zeigen Gil Ofarim im Hotel

Das Video zeigt Ofarim beim Betreten des Hotels, bei einem Gespräch an der Rezeption sowie auch beim Verlassen des Gebäudes. Er trägt eine schwarze Lederjacke offen, darunter ist ein T-Shirt zu erkennen – nicht jedoch der relativ grosse Davidstern, den der gebürtige Münchner später bei Instagram in die Kamera hielt.

Dies sorgt nun für Irritationen, denn nach Ofarims ersten Angaben klang es so, als sei er speziell aufgrund des Davidsterns im Hotel diskriminiert worden. Jemand «aus der Ecke» habe ihm sogar auch zugerufen: «Pack deinen Stern ein!»

Laut «Bild»-Informationen hat die Leipziger Polizei mittlerweile «ernst zu nehmende Zweifel» am ursprünglich geschilderten Ablauf der Situation. Ofarim habe in seiner Vernehmung ausgesagt, er sei sich nicht sicher, ob er die Kette mit dem Davidstern an dem Abend für andere sichtbar trug.

Das Hotelpersonal äusserte im Anschluss, der Rezeptionist habe drei Gäste vorgelassen, woraufhin der Musiker wütend geworden sei. Nach einem «Wortgefecht» sei Ofarim schliesslich gebeten worden, das Hotel zu verlassen.

Gil Ofarim bezieht Stellung

Gil Ofarim selbst hat schon zu den Aufnahmen der Überwachungskameras Stellung bezogen. Nun gibt er an: «Der Satz, der fiel, kam von hinten. Das heisst, jemand hat mich erkannt. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Grösseres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt.»

Weiter erklärt er, er habe erst wenige Tage vor dem Vorfall im Hotel bei der ZDF-Veranstaltung «Happy Birthday, Giora Feidmann» zu Ehren des jüdischen Musikers auf der Bühne gesessen. Zu diesem Anlass habe er die Kette getragen, die er im Übrigen «so gut wie nie» ausziehe. Schliesslich hält er fest:

«Aber es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht. Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin.»
Gil Ofarim

Derweil laufen die Ermittlungen weiter. Im Raum steht nicht nur die Anzeige von Gil Ofarim, sondern auch eine des beschuldigten Hotelangestellten wegen Verleumdung und Bedrohung. Ein Unbeteiligter wiederum stellte eine weitere Anzeige gegen den Hotelangestellten wegen Volksverhetzung.

(ju)

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Antisemitismus-Eklat um jüdischen Sänger – Hotel-Mitarbeiter beurlaubt

Video: watson

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61 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Andrew Duke
17.10.2021 14:47registriert Oktober 2020
Er hat sich ausdrücklich daran gestört, dass jemand ihn aufgrund seiner Kette diskriminiert, und nun soll es seiner Meinung nach plötzlich irrelevant sein, ob er die Kette getragen hat? Ernsthaft????
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Joe Smith
17.10.2021 16:37registriert November 2017
Ein Bilderbuchbeispiel, wie ein Shitstorm funktioniert. Da postet jemand etwas auf Instagram, und alle, wirklich ALLE Medien – von der NZZ über Watson bis zum Postillon – kolportieren die Geschichte ungeprüft weiter. Von den Kommentarspalten gar nicht zu reden. Kritischer Journalismus? Fehlanzeige! Kritische Leser? Fehlanzeige! Dabei müsste doch jedem unaufgeregt denkenden Menschen klar sein, dass ein Hotelrezeptionist so einen Satz eher nicht sagt. Unmöglich ist es natürlich nicht, aber äusserst unwahrscheinlich. Und was lernen wir daraus? Meine Erfahrug sagt mir leider: Vermutlich nichts.
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Rivka
17.10.2021 17:20registriert April 2021
Nun, ich muss sagen, dass ich seine Aussage schon ein wenig komisch fand oder besser gesagt, dass sich keine anderen Gäste, die laut seiner Aussage anwesend waren, als Zeugen bei der Polizei gemeldet haben. Und die ganze Sache mit dem Antisemitismus wird langsam aber sicher lächerlich. Es kann nicht sein, dass gewisse Leute für banale Situationen, die sie erlebt oder verursacht haben, sofort 'Antisemitismus' als Vorwand oder Ausrede benutzen. Das ist nicht okay!
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