Wal Timmy: Die Geschichte seines langen Sterbens
Das Drama um den wiederholt in der Ostsee gestrandeten Wal Timmy hat Deutschland wochenlang beschäftigt. Nun herrscht Gewissheit: Der Buckelwal, der in einer umstrittenen Aktion in Richtung Nordsee geschleppt wurde, hat es nicht überlebt. Die tödliche Odyssee des Meeresgiganten:
3. März: Im Hafen von Wismar wird ein grosser Wal gesichtet, der sich in einem schätzungsweise 50 Meter langen Stellnetz verheddert hat. Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd können den grössten Teil entfernen. Danach verlässt der Wal den Hafen. Ein Boot von Sea Shepherd versucht, ihn zu begleiten.
10. März: Der Wal gerät bei Steinbeck, 20 Kilometer nordwestlich von Wismar in ein Fischernetz. Beim Einholen des Netzes durch den Fischer wird es laut Polizei durchtrennt, das Tier schwimmt begleitet von einem Polizeiboot in Richtung der offenen See davon und verschwindet.
14. und 15. März: Der Wal wird wiederholt an der Ostseeküste westlich von Wismar gesichtet – bei Boltenhagen, Warnkenhagen und erneut Steinbeck.
19. und 20. März: Der Wal schwimmt weiter westlich in der Lübecker Bucht. Er wird unter anderem bei Timmendorfer Strand und Scharbeutz gesichtet, Experten von Sea Shepherd entfernen weitere Netzreste.
Erste Strandung von Wal Timmy
23. März: In der Nacht zum 23. März strandet der Säuger auf einer Sandbank bei Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Schiffe versuchen vergeblich, dem Wal mit künstlichen Wellen zu helfen. Experten stufen den Gesundheitszustand des Tiers als «besorgniserregend» ein.
26. März: Eine grössere Befreiungsaktion mit einem Schwimmbagger und weiteren Baggern beginnt. Diese graben eine Rinne durch die Sandbank.
27. März: In der Nacht zum 27. März schwimmt sich der Wal durch die Rinne frei und kreuzt in der Lübecker Bucht. Versuche, ihn mit Booten ins offene Meer zu dirigieren, scheitern aber.
Wal Timmy strandet erneut in der Wismarer Bucht
28. März: Der von Medien inzwischen Timmy genannte Wal strandet bei der Insel Walfisch in der Wismarer Bucht. In der Nacht kommt er frei.
29. März: Das Tier schwimmt sich wenig später erneut in der Wismarer Bucht fest. Es wird weiterhin von Behördenvertretern und Experten der Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Sea Shepherd begleitet. Ihnen zufolge verschlechtert sich sein Zustand.
30. März: Nach einem akustischen Mobilisierungsversuch durch Helfer schwimmt sich der Wal am Abend frei. Zunächst nimmt er Kurs auf die offene See, kommt jedoch in die Wismarer Bucht zurück.
31. März: Der Wal schwimmt in eine flache Seitenbucht vor der Insel Poel und setzt erneut in seichtem Wasser auf. Dort bleibt er liegen.
Experten sehen keine Chancen für Timmy mehr
1. April: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) und die an der Rettung beteiligten Experten geben bekannt, dass sie das Tier als sterbend betrachten und auf weitere aktive Hilfsversuche verzichten.
5. bis 7. April: Es werden doch wieder Rettungsoptionen diskutiert. In einem Expertengutachten wird dies als aussichtslos eingestuft. Der Wal zeige kaum noch Reaktionen, heisst es.
15. April: Nach emotionalen öffentlichen Diskussionen gibt Backhaus bekannt, dass die Behörden den Rettungsversuch einer Privatinitiative dulden. Sie will das Tier mit einem System aus Luftkissen und Pontons anheben und in die Nordsee schleppen.
Aktivisten starten umstrittene Rettungsmassnahmen
16. bis 18. April: Die massgeblich von den Unternehmern Karin Walter-Mommert und Walter Gunz finanzierte Initiative beginnt mit Vorbereitungen. Unter anderem wird der Boden um das Tier weggespült.
20. April: Nach wochenlanger weitgehender Regungslosigkeit schwimmt der Wal während ungewöhnlich hoher Wasserstände auf. Er setzt aber wenig später auf einer Sandbank in einem noch flacheren Bereich der Bucht auf. Der ursprüngliche Rettungsplan wird daraufhin verworfen.
23. April: Die Initiative beginnt mit dem Bau einer 110 Meter langen Rinne, um den Wal aus dem flachen Bereich bringen zu können. Parallel wird ein neues Rettungskonzept mit einem Speziallastkahn entwickelt, in dem das Tier schwimmend wie in einem Becken abtransportiert werden soll.
26. und 27. April: Der von der Initiative gecharterte Lastkahn erreicht den Einsatzort beim Wal. Backhaus zufolge ist das Tier in «einem relativ guten Zustand». Die Kritik von Experten hält aber an, sie halten das Tier für nicht mehr überlebensfähig.
28. April: Der Buckelwal wird durch die Rinne in den Lastkahn dirigiert. Dieser wird dann von einem Schlepper aus der Wismarer Bucht heraus in Richtung Nordsee gezogen.
Wal Timmy findet sein Ende vor der dänischen Küste
29. und 30. April: Der Schlepper-Zug mit dem Wal passiert Gewässer im Kattegat zwischen der dänischen Insel Jütland und der schwedischen Westküste.
1. Mai: Am Skagerrak nahe der Nordspitze Jütlands kommt es bei hohem Wellengang zu einer schwierigen Situation, da der Lastkahn dafür nicht ausgelegt ist. Die Fahrt wird unterbrochen, der Konvoi pausiert in ruhigerem Wasser zurück in der Ostsee.
2. Mai: Die Fahrt wird im Skagerrak nördlich von Skagen zunächst fortgesetzt. In einer Aktion, die von der Rettungsinitiative als überstürzt und voreilig hingestellt wird, wird der Wal nach deren Angaben von der Schiffsbesatzung in die Nordsee bugsiert. Bilder zeigen später einen schwimmenden Wal beim Atmen nach einem Tauchgang. Positionsdaten werden trotz eines noch im Lastkahn an dem Buckelwal befestigten Peilsenders nicht übermittelt.
14. Mai: Vor der dänischen Insel Anholt im Kattegat zwischen Dänemark und Schweden wird ein toter Buckelwal entdeckt. Gewebeproben sollen klären, ob es Timmy ist.
16. Mai: Die dänische Umweltschutzbehörde EPA bestätigt, dass es sich bei dem Walkadaver um Timmy handelt.

