Buckelwal Timmy ist frei
Der aus einer flachen Ostsee-Bucht an der Insel Poel geborgene Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen Privatinitiative und nach Bildern des Livestream-Anbieters News5 in der Nordsee freigesetzt worden. Der Wal sei gegen 9.00 Uhr nicht mehr im Lastkahn gewesen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur. Der Konvoi befand sich am Morgen etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerak.
Auf News5-Drohnenaufnahmen war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen – ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, liess sich nicht gesichert sagen.
Ob es Senderdaten gebe, sei bisher unklar, sagte Schwarck. Es gab zudem keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde. Laut Bild soll der Kapitän die Freilassung angeordnet haben. Eine Tierärztin, die Timmy begleitete, postete kurz darauf ein Video auf Facebook: «Er ist draussen! Go Team Timmy! Go Timmy!», jubelt sie darin.
Auch Sergio Bambaren, Schriftsteller, Umweltschützer und Begleiter von Timmy, postete ein Video auf Facebook. Darin ist Timmys Fontäne zu sehen. Bambaren zufolge ist der Peilsender aktiviert. «Jetzt können wir nur warten und beten», schreibt er dazu.
Wetter machte Rettern Strich durch die Rechnung
Der Lastkahn mit dem mehrfach an deutschen Ostsee-Küsten gestrandeten Buckelwal hatte am Freitag nach tagelanger Reise die Nordsee schon fast erreicht – drehte jedoch etwa 20 Kilometer vom nördlichsten Punkt Dänemarks entfernt ab. An diesem Punkt nahe der Stadt Skagen fliessen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird.
Im Bereich dieses Übergangs hatte es über Stunden hohen Wellengang gegeben. In ruhigerem Wasser – wieder ein Stück zurück in der Ostsee – wurde am Nachmittag das Absperrnetz an der Rückseite des Lastkahns entfernt. Der Wasserstand in der Barge sei zunächst nicht verändert worden, hiess es aus dem Team der Initiative. Trotz des nun offenen Ausgangs hatte der Wal den Lastkahn über viele Stunden nicht verlassen.
Vor dem Freisetzen soll noch ein GPS-Sender angebracht worden sein, mit dem sich der künftige Standort des Wals erkennen liesse. Ob das gelang und der Sender Daten liefert, war zunächst unklar.
Noch ist unklar, ob Timmy überlebt
Als gerettet gilt der Wal auch nach dem Freisetzen nicht. Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: «Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.»
Nach Einschätzung unter anderem von WDC und Internationaler Walfangkommission (IWC) hat der Wal kaum langfristige Überlebenschancen. Ohne funktionierenden Sender droht allerdings unbemerkt zu bleiben, würde das geschwächte Tier binnen Tagen oder Wochen nach dem Freisetzen verenden.
Die Allgemeinheit wird seinen Weg ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, gesagt. (vro/sda/dpa)
