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Deutsche Regierung streicht Gelder für Anti-Extremismusprojekt

epa12848537 German Chancellor Friedrich Merz answers questions during a government question time at the German parliament 'Bundestag' in Berlin, Germany, 25 March 2026 EPA/FILIP SINGER
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz wurde von der Gründerin der Organisation «Radikale Töchter» kritisiert.Bild: keystone

Nach Kritik an Merz: Deutsche Regierung streicht Gelder für Anti-Extremismusprojekt

25.03.2026, 15:5525.03.2026, 15:55

Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) fördert Demokratieprogramme in Deutschland. Dazu gehört eigentlich auch die Organisation «Radikale Töchter», die in Deutschland Anti-Extremismusprojekte auf dem Land durchführt. Junge Menschen sollen zu demokratischer Mitbestimmung motiviert werden, wodurch rechtsextreme Gruppierungen geschwächt werden sollen.

Nun hat das deutsche Bundesinnenministerium die Fördergelder für die Organisation gestrichen – der Grund ist allerdings unklar. Die «Radikalen Töchter» beantragten – wie auch schon die Jahre zuvor – die Gelder für 2025 und 2026 aus dem Bundesprogramm «Zusammenhalt durch Teilhabe», das vom Innenministerium verantwortet wird. Der Antrag wurde nach wochenlanger Prüfung genehmigt, die Organisation erfüllte offenbar alle inhaltlichen Anforderungen. Das zeigen interne Unterlagen, die «Report Mainz» vorliegen.

Da die Innenminister aufgrund der Neuwahlen in Deutschland 2025 ausgewechselt worden sind, konnten die Mittel förmlich zunächst nicht bewilligt oder ausgezahlt werden. Die «Radikalen Töchter» könnten trotzdem mit ihren Workshops weitermachen, hiess es. Die rund 300'000 Euro (umgerechnet knapp 274'900 Franken) würden folgen.

Das Geld kam bei der Organisation jedoch nicht an. Das Innenministerium verschickte am 5. Januar 2026 einen Erlass an die BPB, in dem es heisst, dass das Projekt keine Bewilligung von Fördermitteln erhalten solle. Eine Begründung lieferte das Ministerium laut «Report Mainz» nicht.

Bundesministerium des Innern, f�r Bau und Heimat, Hauptsitz Berlin *** Federal Ministry of the Interior, for Building and Homeland Affairs, Head Office Berlin Copyright: xx
Das deutsche Bundesinnenministerium genehmigte die Fördermittel nicht.Bild: IMAGO / Herrmann Agenturfotografie

Personen, die mit den Vorgängen betraut sind, sprechen gegenüber «Report Mainz» von einem «einmaligen Vorgang» und vermuten politische Hintergründe. Denn: Die Gründerin der Organisation protestierte im Oktober vergangenen Jahres gegen die deutsche Bundesregierung. Zu dieser Zeit wurde Kritik an Kanzler Friedrich Merz laut, da er ein «Problem im Stadtbild» aufgrund von Migration sah. Daraufhin warfen die «Radikalen Töchter» Merz Rassismus sowie «eine Nazi-Rhetorik, die an Goebbels erinnert», vor. Wenige Wochen später erfolgte der Erlass des Innenministeriums.

Die zuständige Referatsleiterin machte in einer E-Mail deutlich, dass sich Zuwendungsempfänger politisch positionieren dürften. In einem Brief der Behördenleitung an das Innenministerium wird von einem möglichen «Verstoss gegen Willkürverbot» gesprochen, berichtet «Report Mainz».

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sonja Eichwede findet es «verwunderlich», dass einzelne Projekte aus dem Förderprogramm entfernt werden. Gegenüber «Report Mainz» sagt sie:

«Wir sollten uns nicht vorwerfen lassen müssen, dass wir uns nicht genehme Projekte oder bestimmte politische Meinungsäusserungen unterbinden wollen.»

Die Opposition kritisiert den Vorgang ebenfalls. «Niemals darf der Eindruck von Willkür entstehen», sagt der Grüne Innenpolitiker Konstantin von Notz. Das Bundesinnenministerium äusserte sich gegenüber «Report Mainz» nicht. (hkl)

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48 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fribourgeoise
25.03.2026 16:08registriert Dezember 2022
So wird Deutschland die AfD mit Sicherheit nicht los. Und Merz ist Nachtragend. Er ist ein wenig wie Trump: Kritik an seiner Person, da reagiert er empfindlich. Die Satiresendung "heute show" hat da auch schon selber zu spüren bekommen.
Und Innenminister Dobrindt ist eh ein getreuer Fusssoldat von Merz und Söder.
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Drosera
25.03.2026 17:03registriert Dezember 2025
Der Staat hat sich auf seine Aufgaben von Recht und Ordnung sowie wirtschaftliche Prosperität zu beschränken. Erziehung der Bürger ist keine staatliche Aufgabe.
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Christoph P.
25.03.2026 17:12registriert März 2026
Man kann noch so lange versuchen zu demokratisieren um den Rutsch nach rechts einzudämmen, der Rutsch nach rechts wird aber aus wie stärker und als wie Stärke weil die bisherigen Regierungen seit zehn Jahren total versagt haben insbesondere die Links Grünen
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