Putin will jetzt Gerhard Schröder als Ukraine-Vermittler
Wladimir Putin sieht ein Ende seines Angriffskrieges gegen die Ukraine kommen – und wartet mit einer Überraschung auf. Der Kremlherrscher hat den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler für Verhandlungen mit der EU ins Gespräch gebracht.
Im Anschluss an die Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau am Samstag sagte Putin, er glaube, «dass sich die Angelegenheit dem Ende zuneigt». Zugleich berichtete er, der slowakische Ministerpräsident Robert Fico habe ihm mitgeteilt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einem persönlichen Treffen bereit sei – in einem Drittland, sofern vorab ein dauerhaftes Friedensabkommen vereinbart werde. Putin hatte zuvor auf Gespräche in Russland bestanden.
Auf die Frage nach möglichen Gesprächen mit europäischen Regierungen nannte Putin Gerhard Schröder als seinen bevorzugten Gesprächskanal. Ob dieser Vorstoss mit Schröder abgestimmt ist und ob sich die EU auf ihn als Vermittler einlassen würde, blieb zunächst offen.
Schröder hat enge Kontakte zu Putin
Der 82-jährige Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und pflegte danach enge Beziehungen zu Putin sowie zu russischen Energiekonzernen. Beide haben sich immer wieder auch privat getroffen, Schröder war bei Putins Geburtstag. Der Kremlherrscher selbst sprach von einer «persönlichen Freundschaft».
Spätestens nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 stand er dafür scharf in der Kritik. Innerhalb der SPD gab es mehrere Anträge auf einen Parteiausschluss – Schröder blieb jedoch Mitglied.
Die deutsche Regierung äusserte sich am Freitag zurückhaltend. Ein Sprecher erklärte, er wolle nicht spekulieren, wann Gespräche möglich sein könnten. Aktuell zeige Russland «offensichtlich kein Interesse an ernsthaften Verhandlungen». Wichtig sei ein abgestimmtes europäisches Vorgehen gemeinsam mit der Ukraine.
Die «Financial Times» hatte bereits am Donnerstag berichtet, EU-Staats- und Regierungschefs bereiteten sich auf mögliche Gespräche mit Moskau vor. Der Kreml hatte zuletzt betont, Europa müsse den ersten Schritt machen – schliesslich habe es die Kontakte nach Moskau nach Kriegsbeginn 2022 selbst gekappt.
Verwendete Quellen:
- Nachrichtenagentur Reuters

