«Hat alle Experten überrascht» – trotzdem zieht Biologe im Fall Timmy traurigen Schluss
Der auf den Namen Timmy getaufte Buckelwal steckt weiterhin in der Ostsee fest. Helferinnen und Helfer versuchen, den Wal so gut wie möglich vor dem sinkenden Wasserspiegel zu retten. Ragt Timmy zu weit aus dem Wasser, wird das Gewicht auf seine Organe zu gross.
Dafür hat das Rettungsteam nun einen Bagger auf einem Ponton zum Wal gebracht. Damit soll mittels Rohren Sand unter dem Tier weggespült werden, damit er wieder weniger hoch im Wasser zu liegen kommt. Der deutsche Biologe und Wal-Experte Fabian Ritter findet in der «Bild» nun deutliche Worte:
Er ist überzeugt, dass Timmy diese Position absichtlich einnimmt: «Der Fakt ist, dass er sich zum fünften Mal eine solche Position aussucht. Das macht er bewusst.» So bleibe er an der Oberfläche und könne weiter atmen.
Experten überrascht
Die aktuellen Bilder des Wals zeigen, dass die letzten Wochen ihre Spuren hinterlassen haben. Die Haut des Tieres ist verfärbt und hat sich teilweise abgelöst. Dass Timmy weiterhin überlebt, habe laut Ritter «alle Experten überrascht».
Dennoch schätzt der Wal-Experte Timmys Überlebenschancen als gering ein: «Ich sehe im Moment einen apathischen, sich quälenden Wal, der sich durchstreckt und krümmt», sagt Ritter zur deutschen Zeitung. Auch der deutsche Naturschutzbund (Nabu) zieht aktuell einen traurigen Schluss:
Vor Ort gehen die Arbeiten derweil weiter. Immer wieder fahren Boote zu Timmy, um Taucher oder Material vor Ort abzusetzen.
Niedrigwasser bleibt Problem
Doch das Niedrigwasser bleibt ein Problem. Messdaten des deutschen Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie zeigen am Mittwochmittag, dass der Wasserstand aktuell etwa 10 Zentimeter unter dem normalen Niveau liege.
Aktuell sinkt dieser aber wieder. Das Bundesamt rechnet damit, dass gegen 18 Uhr mit 20 Zentimetern unter dem Normalpegel ein Tiefstand erreicht wird. Schafft es Timmy durch diesen Tiefpunkt, gibt es kurzfristig Hoffnung: Am Donnerstagmittag soll der Pegel wieder etwa auf 20 Zentimetern über dem Normalpegel zu liegen kommen. Das Wasser steigt im Vergleich zum Mittwochmittag also um fast 40 Zentimeter.
Sender am Wal angebracht
Der Wal war – nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte – am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.
Inzwischen wurde laut des Umweltministers des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, ein Sender am Tier angebracht – falls es sich also doch befreien und davonschwimmen sollte, könnte sein Weg verfolgt werden. (leo mit Material der sda und dpa)
