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Propaganda für China: Twitter hat mehr als 20.000 Twitter-Konten geschlossen, die in staatlicher Mission Stimmung in der Corona-Krise gemacht haben sollen. Montage: t-online.de

Tausende Konten gesperrt: China liess Fake-Nutzer in Coronakrise Stimmung machen

Chinas Regierung lässt Trolle auf westliche Netzwerke los: Wissenschaftler gehen davon aus, dass chinesische Stellen mit Tausenden Accounts in der Corona-Krise Propaganda gemacht haben. Gepostet wird zu Pekinger Bürozeiten.

Lars Wienand / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Die kommunistische Führung in China setzt offenbar verstärkt auf westliche soziale Netzwerke. Twitter hat 23'000 Accounts gesperrt, die das Unternehmen Kampagnen des chinesischen Staats zugeordnet hat. Zwei Forschungseinrichtungen haben die Daten analysiert und kommen zum Schluss: China versucht zunehmend, mit Fake-Accounts die Stimmung zu beeinflussen. 

Von den Konten wurden fast 350'000 Nachrichten abgeschickt. Diese Tweets und die dazugehörigen Accounts hat Twitter dem «Internet Observatory» der Universität Stanford und der Denkfabrik «Australian Strategic Policy Institute» (ASPI) zur Analyse zur Verfügung gestellt. ASPI wurde von der australischen Regierung gegründet und wird zum Teil vom Verteidigungsministerium finanziert.

Keine Follower, wenig Infos

Ein grosser Teil der Accounts hatte keine Follower und wenig Infos: «Es wurde minimaler Aufwand betrieben, die Accounts echt aussehen zu lassen», so die ASPI-Forscher. Masse und Schnelligkeit ging offenbar über Qualität, Tweets seien auch voller Fehler gewesen, Übersetzungen ins Englisch offenbar durch Programme gelaufen.

Einige wenige Accounts mit vielen Followern waren auch Konten, die gehackt oder gekauft worden sein könnten: So war einer der grössten Accounts mit einer hübschen Chinesin im Profilbild vorher vorgeblich von einem Mann in Bangladesch betrieben worden, berichtet ASPI. Das zeige, dass den Betreibern Vertrauen, Fähigkeit und Glaubwürdigkeit gefehlt habe,  selbst höherwertige Accounts aufzubauen.

Auch Erdogan-Fans erwischt

Twitter hat neben den chinesischen auch türkische und russische Konten gesperrt. Bei rund 1000 russischen Konten sei es vor allem um Kampagnen gegen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny gegangen. In der Türkei stiess Twitter auf gehackte Konten und Fake-Accounts, die aus dem Umfeld der AKP-Jugend heraus für AKP-Politik und Präsident Erdogan Stimmung machten. 7340 Konten wurden gesperrt.

Und: Zwar gaben viele der Accounts Standorte in den USA an – manche sogar in Deutschland – es war aber verräterisch, wann sie vor allem aktiv waren: Am meisten werktags zwischen 8 und 17 Uhr Pekinger Zeit. Für seine Bürger hat China Twitter blockiert, wenn sie nicht zu technischen Tricks greifen.

Erst Hongkong, dann Corona

Zum Teil waren die Accounts schon 2017 angelegt worden. Im August 2019 hatte Twitter schon einmal 936 Accounts gesperrt, die in chinesischem Auftrag in Hong Kong Stimmung gemacht haben sollen.

Die nun gesperrten Accounts wurden richtig aktiv im Herbst 2019 zu Protesten in Hongkong . Demonstranten wurden etwa als Kakerlaken dargestellt. Nach einem kurzen heftigen Strohfeuer zur Wahl in Taiwan begann Ende Januar das Propaganda-Twittern rund ums Coronavirus

Die Forscher aus Stanford stellten fest, wie die Strategie sich während der Corona-Krise änderte: Erst Verharmlosen und Kritikern Dramatisieren vorwerfen, dann, als es nichts mehr zu verharmlosen gab, Chinas entschlossenes Handeln loben. Mit der Zuspitzung der Lage in Europa und  in den USA wurde China als Vorbild hingestellt, von dem die USA hätten lernen sollen, statt «politisch voreingenommen» China zu verurteilen. In Tweets wurde Chinas Hilfe in anderen Ländern gepriesen und der EU Versagen vorgeworfen. 

China baut Riffs zu Stützpunkten aus

Kooperation mit serbischen Helfern?

Eine frühere Analyse des Digital Forensic Centers war bereits zu dem Verdacht gekommen, dass es in Serbien eine koordinierte Kampagne mit Fake-Accounts gegeben hatte: Serbisch-chinesische Freundschaft wurde gepriesen, die EU verdammt. Auch der Account der chinesischen Botschaft in Italien soll künstliche Unterstützung bekommen haben. Hilfslieferungen aus China stellten sich zum Teil als untauglich heraus.

Ausgerichtet haben die nun gesperrten Propaganda-Accounts nach Einschätzung der Experten aus Stanford und vom ASPI wenig: «Organisches Engagement mit der Kampagne erscheint sehr niedrig», so die ASPI-Forscher. Entsprechende Beobachtungen wollen sie auch auf Facebook gemacht haben, ohne dort wie bei Twitter Datensätze dazu haben. 

Die Nachrichten erreichten also kaum Nutzer ausserhalb des Netzwerks der betroffenen Accounts. Allerdings waren von dort genutzte Hashtags zeitweise in den Twitter-Trends, offenbar weil auch Retweets bei entsprechenden Anbietern von Netzwerken gekauft worden waren. 

Russische Taktiken kopiert

Die Autoren von ASPI sehen Anzeichen, dass Chinas Kommunistische Partei sich Taktiken und Auswirkungen russischer Desinformation abschaut. Dass es jetzt wenig Effekt hatte, bedeutet demnach wenig: «Die Online-Experimente machen es dem Propaganda-Apparat möglich, seine Bemühungen neu zu justieren, um Publikum auf westlichen Plattformen zu beeinflussen.»

Chinas Aussenministerium kritisierte am Freitag Twitters Entscheidung. China sei «das grösste Opfer von Desinformation», so eine Sprecherin zur Agentur Reuters. Twitter solle Accounts schliessen, die organisaiert und koordiniert China in Misskredit bringen würden.

Die ASPI-Wissenschaftler sehen auch Anzeichen, dass China trotz Sperrung seine Bemühungen fortsetzt. Die Australier schreiben von «signifikantem Aufwand an Zeit, Arbeit und Budget.» Aktuell sehen sie eine Kampagne in den USA: Der Tod George Floyds und die Proteste werden demnach in den Accounts zum Anlass für eine Warnung an die Bevölkerung von Hong Kong genommen: Den USA sei nicht zu trauen, weil Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit dort «drei grosse Lügen» seien. 

Verwendete Quellen:

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hardy18 14.06.2020 10:55
    Highlight Highlight Man gibt solchen Messanger / App viel zu viel Gewicht.

    Zum einen werden wildfremde Leute als „Freunde“ vorgeschlagen, was eine Verbreitung von solchen Mist begünstigt.
    Zum anderen prüft kaum bis niemand der „Freunde“ das gepostete. Was wiederum deren Freunde als glaubwürdig erscheint, weil dieser diesen Tweet, oder was auch immer, gut fand.

    Für mich erschreckend, dass man auf solche Kanäle Bezug nimmt und das von einst glaubwürdigen Institutionen.
  • Panna cotta 14.06.2020 10:39
    Highlight Highlight China sei «das grösste Opfer von Desinformation»

    Immer dieses Aneignen von Superlativen! Dabei wissen wir doch alle, dass Donald Trump das grösste Opfer von Desinformation ist.
  • Do not lie to mE 14.06.2020 09:47
    Highlight Highlight Eine kritische Perspektive in Bezug zur chinesischen Soft-Power Propaganda auf TikTo. TikTok ist eine der beliebtesten Apps unser Jugendlichen.
    https://www.welt.de/wirtschaft/article203560922/Chinesische-App-TikTok-filtert-kritische-politische-Inhalte.html

    Play Icon


    Zum Vergleich die chinesische Version DouYin von TikTok mit der direkten pro CCP Propaganda.

    Play Icon
    • Do not lie to mE 14.06.2020 11:41
      Highlight Highlight Liebe Genossen und Genossinnen der Blitzer. Wen Ihr die Roteflagge mit Hammer und Sichel auf Schweizer, Europäischer und jetzt Amerikanischer Strassen sieht, vergesst bitte nicht das HEUTE 1 Million Uiguren in Konzentrationslager stecken und sicher nochmals so viele politische Gefangenen in Arbeitslager. Wir haben doch vor rund 70 Jahren schon einmal weggeschaut
  • chrimark 14.06.2020 09:42
    Highlight Highlight Derwei erobert mit TikTok gerade das nächste Social Medium die Welt und droht Instagram und Twitter zu überflügeln. Und das kommt aus? China.
  • Menel 14.06.2020 09:33
    Highlight Highlight Es ist wichtig zu verstehen, dass damit nicht primär beeinfusst werden soll WAS die Leute denken, sonder WORÜBER. Das gleiche Prinzip verfolgt auch die Werbung.
    • De-Saint-Ex 14.06.2020 10:58
      Highlight Highlight Na ja, primär schon, nur WIE sollten die Leute sonst auch wissen können, WAS sie denken sollen, bevor sie nicht wissen WORÜBER ;-)
      Ich weiss was Du meinst und Du hast ja auch recht... nur das WAS ist in diesen „Botschaften“ sehr wohl miteingeschlossen... bei Werbung, PR und den Trolls, die alle irgendwie dasselbe machen...
  • SBP 14.06.2020 09:26
    Highlight Highlight Sehr wahrscheinlich wurden aber nur die „schlechten“ Accounts entdeckt, solche die subtiler Stimmung machen (viele wohl auch ohne Twitter-Account in den zahllosen Kommentarspalten), also der Rest des Eisbergs, bleiben unerkannt. Und sie schaffen es auch regelmässig, die westlichen Medien an der Nase herumzuführen, nicht wahr Watson? Was ich zum Schluss lese, bestätigt dann meine seit längerem gefasste Meinung: Zuerst vertuschen, dann Macht demonstrieren und zum Schluss Desinformation streuen und rigoros Überwachen. An alle die es noch nicht verstanden haben: So funktioniert China!

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