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epa06953123 US President Donald J. Trump (C) speaks during a Cabinet Meeting in the Cabinet Room of the White House in Washington DC, USA, 16 August 2018. US President Donald J. Trump hosts a cabinet meeting.  EPA/Oliver Contreras / POOL

Von Feinden umzingelt? Donald Trump an einer Kabinettssitzung im Weissen Haus. Bild: EPA/SIPA USA POOL

Insider-Attacke gegen Trump: Wer ist der «Verräter»?

Die «New York Times» hat den Frontalangriff eines hochrangigen Regierungsmitarbeiters auf US-Präsident Donald Trump veröffentlicht. Nun rätselt Washington über die Identität des anonymen Heckenschützen.



Die Trump-Präsidentschaft hat alle Regeln der US-Politik ausser Kraft gesetzt. Einen weiteren, in der Geschichte des Landes einmaligen Schritt hat die «New York Times» vollzogen. Sie veröffentlichte am Mittwoch den Gastbeitrag eines anonymen «hochrangigen Regierungsmitarbeiters», der nichts weniger ist als eine beissende Abrechnung mit einem sprunghaften und unberechenbaren Präsidenten, den man vor sich selber schützen muss.

Der Angriff aus dem Innern der Macht sandte Schockwellen durch Washington. Er erfolgte nur einen Tag nachdem die «Times»-Rivalin «Washington Post» einen Vorabdruck aus dem neuen Buch ihrer Reporterlegende Bob Woodward publiziert hatte. Die beiden Texte ergänzen sich perfekt und zeichnen das Bild eines Weissen Hauses, in dem Chaos und Irrsinn regieren.

Donald Trump selbst wütete auf Twitter gegen den «feigen» Heckenschützen. In einem weiteren Tweet stellte er eine sehr kurze Frage: «Verrat?» Tatsächlich rätselt Washington über die Identität des anonymen Regierungsmitarbeiters. Die «New York Times» deutete in einem später zurückgenommenen Tweet an, dass es sich um einen Mann handeln dürfte.

Hier einige der möglichen Verdächtigen:

Mike Pence

President Donald Trump shakes hands with Vice President Mike Pence during a meeting of the National Space Council in the East Room of the White House, Monday, June 18, 2018, in Washington. (AP Photo/Susan Walsh)

Bild: AP/AP

Ein kleines Wort im Artikel lenkt den Verdacht auf den Vizepräsidenten: Lodestar, zu deutsch Leitstern. US-Medien recherchierten, dass Pence den eher ausgefallenen Begriff in seinen Reden wiederholt verwendet hat. Gewichtige Gründe sprechen jedoch gegen Trumps Vize: Er war bisher absolut loyal zum Präsidenten. Vor allem würde er ihn im Falle eines vorzeitigen Abgangs beerben. Soll er diese ideale Ausgangslage durch einen medialen «Heckenschuss» kompromittieren?

Jeff Sessions

Attorney General Jeff Sessions speaks during a round table discussion with the Joint Interagency Task Force - South's (JIATF-S) Foreign Liaison Officers at the Department of Justice building in Washington, Wednesday, Aug. 29, 2018. (AP Photo/Manuel Balce Ceneta)

Bild: AP/AP

Kaum jemand hat ein besseres Motiv als der Justizminister. Sessions war der erste Senator, der Trump im Wahlkampf 2016 unterstützte, und wurde dafür mit seinem heutigen Job belohnt. Seither aber hat Trump ihn via Twitter wiederholt attackiert und gedemütigt, weil er die Russland-Ermittlungen von Robert Mueller nicht verhindert oder gestoppt hat. In Washington wird über einen Rücktritt von Sessions nach den Kongresswahlen spekuliert. Wollte er sich zuvor am Präsidenten «rächen»?

James Mattis

epa06978949 US Secretary of Defense Jim Mattis speaks at a joint press conference with Chairman of the Joint Chiefs of Staff General Joseph Dunford Jr. (not seen) at the Pentagon in Arlington, Virginia, USA, 28 August 2018.  EPA/SHAWN THEW

Bild: EPA/EPA

Der Verteidigungsminister ist im Gegensatz zu Jeff Sessions ein «Liebling» des Präsidenten. In Woodwards Buch allerdings wird er mit deftigen Aussagen zitiert, etwa dass man Trump daran hindern müsse, einen Dritten Weltkrieg auszulösen. Mattis hat diese Behauptungen dementiert. Es scheint fraglich, dass der integre Ex-General dem Präsidenten dermassen in den Rücken fallen würde.

John Kelly

epa06953191 White House Chief of Staff John Kelly attends a Cabinet Meeting in the Cabinet Room of the White House in Washington DC, USA, 16 August 2018. US President Donald J. Trump hosts a cabinet meeting.  EPA/Oliver Contreras / POOL

Bild: EPA/SIPA USA POOL

Als Stabschef im Weissen Haus kontrolliert der frühere General die Agenda des Präsidenten. In den letzten Monaten gab es wiederholt Berichte, wonach Kelly über den Umgang mit dem sprunghaften und unkontrollierbaren Staatschef frustriert sei und den Bettel hinschmeissen wolle. Laut Woodward bezeichnete er Trump als Idioten, was Kelly als «verleumderisch» zurückwies.

Dan Coats

FILE - In this March 6, 2018, file photo, Director of National Intelligence Dan Coats testifies before the Senate Armed Services Committee on Capitol Hill in Washington. Coats warned July 13, 2018, that cyber threat warnings are “blinking red” with daily attempts by Russia and other foreign actors trying to undermine American democracy as well as water, aviation and electric systems. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais, File)

Bild: AP/AP

Der Geheimdienstdirektor wird an der Gerüchtebörse hoch gehandelt. Der Fokus des «Times»-Artikels auf die Aussenpolitik deutet darauf hin, dass der Autor aus Trumps Sicherheitskabinett stammen könnte. Coats hat mit seinen 75 Jahren im Gegensatz zu anderen Verdächtigen wie Aussenminister Mike Pompeo oder UNO-Botschafterin Nikki Haley nichts mehr zu verlieren. Er sieht Trumps «Schmusekurs» mit Russlands Wladimir Putin kritisch.

So reagiert der US-Geheimdienst-Chef auf Putins Staatsbesuch

Video: srf

Don McGahn

epa06981506 (FILE) - White House Counsel Don McGahn addresses the 45th annual Conservative Political Action Conference (CPAC) at the Gaylord National Resort & Convention Center in National Harbor, Maryland, USA, 22 February 2018 (reissued 29 August 2018). According to reports on 29 August 2018, US President Donald J. Trump has announced on his twitter account that Donald McGahn, White House Counsel, will leave his post this fall.  EPA/JIM LO SCALZO *** Local Caption *** 54147091

Bild: EPA/EPA

Der Anwalt des Weissen Hauses plant angeblich seinen Abgang im Herbst. Er hat sich laut US-Medien wiederholt mit Trump wegen den Russland-Ermittlungen gezofft. So hat McGahn insgesamt 30 Stunden mit Muellers Team gesprochen.

Javanka

FILE - In this May 2, 2016, file photo, Jared Kushner, left, and Ivanka Trump arrive at The Metropolitan Museum of Art Costume Institute Benefit Gala, celebrating the opening of

Bild: AP/Invision

Dieses Szenario stammt aus dem Bereich der Soap Opera, wie CNN schreibt. Demnach sollen Jared Kushner und Ivanka Trump darüber frustriert sein, wie wenig sie im Weissen Haus zu sagen haben. Aber würden Tochter und Schwiegersohn den Präsidenten auf diesem Weg attackieren? Noch abstruser ist die Vorstellung, dass Melania Trump hinter dem Beitrag stecken könnte.

Mr. Nobody

Der Begriff «hochrangiger Regierungsmitarbeiter» ist weit gefasst. Er lässt sich auf viele Leute anwenden, die man kaum kennt. Insider halten es für möglich, dass der Autor (oder vielleicht doch die Autorin) aus dieser Ecke stammt. Die einstige Trump-Verehrerin und -Mitarbeiterin Omarosa Manigault Newman, die sich mit dem Präsidenten überworfen und ein Enthüllungsbuch verfasst hat, publizierte auf Twitter die Namen von vier Männern, die angeblich auf dem Absprung sind:

John DeStefano ist ein Assistent von Trump, Bill Stepien der politische Direktor des Weissen Hauses, Nick Ayers der Stabschef von Mike Pence und Andrew Bremberg ein weiterer Trump-Assistent. Andere Namen, über die in US-Medien spekuliert wird, sind Kevin Hassett, der Vorsitzende von Trumps Wirtschaftsrat, oder die Russland-Expertin Fiona Hill.

Wird der «Verräter» jemals entlarvt? Die Frage ist wohl nicht ob, sondern wann dies der Fall sein wird. Das kann durchaus dauern. Die Identität des legendären Watergate-Informanten «Deep Throat» wurde erst nach Jahrzehnten offengelegt, durch ihn selbst. Es war der ehemalige FBI-Vizedirektor Mark Felt. Er hatte stets zu den möglichen Verdächtigen gehört.

Trump auf dem Titel

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